Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ist alles vergeblich? - Impuls zur Predigt

Johannes 21,4-6 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

 

Ist alles vergeblich?

Impuls für den Sonntag Quasimodogeniti: Johannes 21,1-14.

Von Elke Dangelmaier-Vinçon

Elke Dangelmaier-Vinçon ist Dekanin in Stuttgart- Zuffenhausen.

Eine Nacht, die kein Ende nehmen will. Dunkel liegt über ihnen. Nass ist es und kalt. Sieben Männer schuften Seite an Seite. Aber der Erfolg bleibt aus. Netz um Netz ziehen sie leer wieder aus dem Wasser. Wozu die ganze Plackerei? Wovon leben, wenn es keinen Ertrag gibt? Das Herz ist ihnen ja sowieso schon schwer.

Ihr Weg war vorgezeichnet, bereits damals, als sie den ersten Schrei taten. Der Vater ist Fischer, also wird auch der Sohn mit Fischen seinen Lebensunterhalt verdienen. So war es schon immer. So kam es.

Elke Dangelmaier-Vinçon ist Dekanin in Stuttgart- Zuffenhausen.  Foto: Ludmilla ParsyakBis eines Tages dieser Fremde dastand. Sie einfach mitnahm. Weg von Booten, Netzen und Fischen. Hin zu den Menschen. Zu Kranken und Gesunden, zu Verrückten und Suchenden, zu Frommen und zu Zweiflern. Erzählen konnte er, malte mit Worten Bilder von Gottes Wirklichkeit. Ließ sie träumen von einer anderen Welt. Menschen wurden gesund durch ihn. Große und Kleine liefen ihm nach, wollten ihn sehen, ihn berühren, ihn hören. Und sie, sie waren immer an seiner Seite. Zogen mit ihm durchs Land. Drei Jahre lang.

Am Ende ging alles ganz schnell. Er war aufgefallen. Hatte die Ruhe gestört, die Verhältnisse durcheinandergebracht. Er musste zum Schweigen gebracht werden, am besten aus der Welt geschafft. Er hatte sie gewarnt. Hatte gesagt, dass eben das passieren würde. Sie wollten es nicht wahrhaben. Bis es so weit war.

Sie waren geflohen, hatten versucht, sich unsichtbar zu machen. Wie ein Flirren hatten sie nach drei Tagen die Nachricht vernommen, dass er den Tod überwunden habe. Aber das hatte sie nicht wirklich erreicht. Sie waren wieder zurückgeschlüpft in ihr altes Leben. Jetzt machten sie wieder die altvertrauten Handgriffe. Seite an Seite.

Der Schrecken saß ihnen noch in den Gliedern, die Trauer nagte an ihnen. Mehr als der leere Magen. Und ja, sie schämten sich. Hatten sie ihn doch einfach im Stich gelassen. Allen großen Versprechungen zum Trotz. So vieles arbeitete in ihnen, doch sie hatten keine Worte dafür.

Nächte wie diese wollen kein Ende nehmen. Nicht auf dem Fischerboot, nicht, wenn wir uns von einer Seite auf die andere wälzen und die Gedanken einfach keine Ruhe geben. Wenn das ganze Knäuel aus Angst und Sorge, aus Trauer und Scham in der Kehle würgt und das Dunkel drückt.

Sie sind nicht allein

Doch dann dämmert endlich ein neuer Morgen. Am Ufer eine Gestalt. Sie sind nicht allein. Da ist einer. Einer, der sieht, was mit ihnen los ist. Ihren Hunger, ihre Verzweiflung und ach, alles andere auch. Wieder weist er sie an, das Ungewohnte zu tun. Wie am Anfang ihres Weges. Sie vertrauen ihm und sie haben Erfolg.

Am Ufer flackert ein Feuer, er hat schon vorgesorgt. Sie werden satt, die Wärme kehrt zurück und sie begreifen. Begreifen endlich, dass sie in einem ganz neuen Licht stehen. Dass nicht alles aus und vergeblich ist. Dass er da ist. Da am Ufer. Da, wo das Dunkel weicht.

Sie begreifen, dass er ihre Not sieht und für sie sorgt. Er wischt die Schufterei, das Dunkel und die Verzweiflung nicht einfach weg, zaubert keine heile Welt. Aber er ist da, ist nahe und sorgt für sie.

Sorgt für uns am Ufer unserer dunklen Nächte.

Fischer mit Boot. Foto: S. Hermann, F. Richter, pixabayFischer mit Boot. Foto: S. Hermann, F. Richter, pixabay

 

Gebet

Gott, lass uns das Licht von Ostern aufscheinen,

dass es das Dunkel schwerer Tage und Nächte vertreibt.

Lehre uns darauf zu vertrauen, dass wir auch in diesen Zeiten nicht allein sind,

sondern erwartet werden von Liebe und Fürsorge.

 

Elke Dangelmaier-Vinçon ist Dekanin in Stuttgart- Zuffenhausen.

Foto: Ludmilla Parsyak