Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jauchzet Gott, alle Lande! - Impuls zur Predigt

1. Mose 1,1-31; 2,1-4 (in Auszügen) Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut. So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer. Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.

Jauchzet Gott, alle Lande!

Impuls für den Sonntag Jubilate: 1. Mose 1,1-31; 2,1-4.

Von Ulrich Dreesman

Der promovierte Theologe Ulrich Dreesman ist Pfarrer in Oberboihingen im Dekanat Nürtingen. Foto: privat

Das Christentum kommt von Ostern her. Ohne die Auferstehung Jesu Christi von den Toten kein christlicher Glaube und keine christliche Hoffnung. Ostern verändert alles – auch den Blick auf die Welt. Diese ist Gottes Geschöpf. Sie war gut, und sie wird wieder gut werden. Mit dem Wochenpsalm von Jubilate: „Jauchzet Gott, alle Lande! Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!“ (Psalm 66,1+3)

Den Verfassern der Schöpfungsgeschichte ist zunächst nicht zum Jauchzen zumute. Sie leben im sechsten Jahrhundert vor Christus. Der Fall Jerusalems und die Zerstörung des Tempels durch die Babylonier im Jahr 586 stecken ihnen in den Knochen, und eine Frage steht im Raum: Ist Israels Gott schwächer als Babylons Götter, weil er die Katastrophe nicht verhindert hat? Ist er besiegt?

Nein, ist er nicht. Es ist anders. Die Autoren von 1. Mose 1 setzen ganz vorne ein: am Anfang! Sie kennen die Schöpfungsmythen der Babylonier und ihrer Nachbarn. Im Mythos Babylons entsteht die Welt im Kampf der Götter. Der Krieg steht in Babylon am Anfang aller Dinge. Dabei sind Babylons Götter, so gewaltig sie erscheinen, den Menschen zum Verwechseln ähnlich. Sie bekämpfen und töten einander. Sie sind Getriebene des Willens zur Macht. Für den Menschen haben sie nur eine Aufgabe: Dass er ihnen als Sklave zu Diensten sei.

Wie anders der Gott Israels! Er kämpft nicht, er spricht. Er meldet sich friedlich und kultiviert zu Wort. Am Anfang keine Spur von Krieg und Gewalt. Auf Gottes Wort hin entsteht die Welt, von der strahlenden Sonne am Himmel bis zum unscheinbaren Wurm in der Erde. Die Gestirne, in Babylon noch göttliche Wesen, sind entzaubert: Sie sind nichts als Lampen am Himmel. Und der Mensch, den Gott nach seinem Bilde schafft, ist kein Sklave, sondern Gottes Ebenbild mit einer unverlierbaren Würde. Zum Schluss bekommt der Mensch noch ein Geschenk: Den Tag der Ruhe, mit dem Gott die Schöpfung vollendet.

Neue Sicht auf die Welt

„Jauchzet Gott, alle Lande!“ Israels Theologen begründen eine revolutionär neue Sicht auf die Welt. Der Götterhimmel ist leergeräumt. Dahin ist die Angst vor göttlicher Willkür. Es ist nur einer, der Himmel und Erde gemacht hat, und der ist kein Despot, sondern seinen Geschöpfen herzlich zugetan. Er hat nicht zuletzt ein Herz für den Menschen, der frei im Auftrag Gottes werkelt und der ruhen darf, weil Gott selbst geruht hat.

Gott ruht. Und, das zeigt der Fortgang der Geschichte Gottes mit seinem Volk, er ruht nicht, bis er noch einmal neu beginnt. „Am Anfang“ beginnt auch das Evangelium nach Johannes. Wieder ein revolutionär neuer Blick auf die Welt: Gott wird Mensch. Christus preist nicht die Krieger, sondern die Friedfertigen selig. Er überwindet Gewalt und Tod. Und der Mensch, der alte Erdenkloß, wird neu.

Rotkehlchen. Foto: pixabay/Jill WellingtonFoto: pixabay/Jill Wellington

Gebet

Lieber himmlischer Vater, Schöpfer der Welt, du hast Worte des Lebens.

Durch die Auferweckung deines Sohnes schenkst du mir und aller Welt deine Zukunft.

Dafür danke ich dir.

Und bitte dich: Leite, die auf dich hoffen, aus dem Schatten des Todes in das Licht österlicher Freude.

Und lass Friede werden.

Durch Christus, meinen Bruder und Herrn.

Amen.