Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jenseits von Eden - Impuls zur Predigt

1. Mose 3,1-5 Und die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu der Frau: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? Da sprach die Frau zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.

Jenseits von Eden

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Invokavit: 1. Mose 3,1-19 (20-24).

Von Friederike Wagner
Friederike Wagner ist Dekanin des Kirchenbezirks Crailsheim. (Foto: Privat)

Ja, die Schlange hatte recht. Hinterher waren Adam und Eva schlauer. Sie wussten nun, was gut und was böse ist. Sie wussten, dass man sich von Gott trennen kann. Dass es in der Möglichkeit des Menschen liegt, sich nicht an Gottes Gebot zu halten. Und sie mussten mit den Folgen dieser Entscheidung leben.

Der Schlange gelingt es, dass eine Angst in den Menschen aufkeimt. Die Angst, dass Gott ihnen etwas vorenthalten könnte, auf das sie doch ein Anrecht hätten. In den 70er-Jahren wurde das Buch von Fritz Riemann „Grundformen der Angst“ viel gelesen. Doch diese eine Angst, eine Grundangst der Menschen, wird nicht benannt. Aber vielleicht lassen sich auch alle anderen Formen der Angst auf diese eine reduzieren. Die Angst, dass das Leben oder das Schicksal oder Gott mir etwas vorenthalten. Da gibt es etwas Gutes – und ich soll es nicht bekommen. Kinder drücken das oft sehr deutlich aus: „Alle anderen haben ...“ und „Alle anderen dürfen …“. Es ist die Angst, dass ich zu kurz komme. Dass es da ein volles Leben gibt und ich keinen Anteil daran haben darf – weil mir der Partner fehlt, oder der richtige Beruf, oder ein eigenes Haus oder ein Kind oder anderes.

 

 

Und so wird der Blick des Menschen nicht gelenkt auf das, was er hat und was Gott ihm gegeben hat, sondern auf das eine, was er nicht hat und das offensichtlich so viel besser ist.

» Da gibt es etwas Gutes – und ich soll es nicht bekommen «

Das kennen wir alle. Wir denken, weil wir eine Sache nicht haben, wären alle anderen Dinge nichts wert. Genau das geschieht hier. Das hat die Schlange geschickt angefangen. Plötzlich ist die Frucht von diesem Baum das einzig Große und Erstrebenswerte. Alles andere, was Gott ihnen geschenkt hat, das Paradies, in dem sie leben, zählt nicht.

Von einem Apfel ist übrigens gar nicht die Rede. Aber die mittelalterliche Kunst hat in ihren Darstellungen den Apfel als Frucht gewählt, weil das lateinische Wort „malum“ diese beiden Bedeutungen hat: Apfel und Übel.

Und so ist in das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen das Misstrauen eingekehrt. Und als Gott die Menschen zur Rede stellt, zeigt sich, dass auch das Verhältnis der Menschen zueinander einen Knacks bekommen hat. Sie beschuldigen sich gegenseitig und versuchen, die Verantwortung aufeinander abzuschieben. Vergessen ist der Jubelruf ein paar Verse vorher, als der Mensch den Menschen als Gegenüber entdeckt: „Das ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch.“

Nun heißt es, „Die Frau, die du mir gegeben hast, gab mir von dem Baum.“ Ist doch klar, wer schuld ist: Gott selbst. Wir reden die Verantwortung des Menschen gerne klein in dieser Geschichte und diskutieren lieber, wer die Schlange geschaffen hat. Und so ist Gott selber schuld. Wir reden so unsere Verantwortung klein, wenn es um das Böse in der Welt geht. Aber mit den Folgen unserer Taten und unseres Misstrauens müssen wir leben. Jenseits von Eden.

Es ist kein historisch verortbares Ereignis, das dort erzählt wird. Keine wahre Geschichte im historischen Sinne, aber eine wahre Geschichte, weil sie Wahres über den Menschen zeigt: das Misstrauen in die Güte Gottes.

Diese Wahrheit zu erkennen und zu benennen ist ein Stück Selbsterkenntnis. Die Selbsterkenntnis, dass es neben dem Vertrauen in Gott auch die Angst gibt und die Sorge, zu kurz zu kommen. Aber, so das Wort für den Sonntag Invokavit, dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

Gebet, Ausdruck einer innigen Beziehung zu Gott. PhotoGranary/ Adobe Stock

 

Gebet

Ach bleib mit deiner Gnade bei uns,

Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

Amen.

 

Josua Stegmann in Evangelisches Gesangbuch 347,1

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