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Jerusalem gespenstisch leer - Israel-Reise in Corona-Zeiten

Leere Gassen in den Basaren, kaum Schlangen an den Zugängen zu den Sehenswürdigkeiten: Weil viele Menschen wegen der Corona-Pandemie gar nicht mehr nach Israel einreisen durften, wurde eine Rundreise kurz vor Schließung des Landes zu einer Unternehmung mit gemischten Gefühlen. Denn so schön es ist, sich das Land ohne Gedränge anzuschauen – die Sache hat einen Haken.

Felsendom in Jerusalem. Foto: Evgeni Tcherkasski / PixabyFelsendom in Jerusalem. Foto: Evgeni Tcherkasski / Pixaby

Wer in normalen Zeiten auf dem Ölberg steht und zur Altstadt hinüberschaut, der hört den „Sound of Jerusalem“: das scheinbar nie verklingende und laute Hupen von vielen, vielen Pkws, Bussen und was sonst noch so auf den Straßen unterwegs ist. Jeder hupt, zu jeder Zeit, immer und überall, manchmal scheinbar auch ohne Grund. Als wir zum ersten Mal dort oben standen – am 11. März –, war das auch noch so; die Welt schien in Ordnung. Doch schon zwei Tage später war kein Mucks mehr zu vernehmen, obwohl doch noch einige Autos unterwegs waren. Gespenstische Stimmung – auch in den Basaren.

Jerusalem - eine Art Geisterstadt

Wir waren mit einer der letzten Reisegruppen zwei Wochen unterwegs im Heiligen Land. Und in den Jerusalemer Basaren am 12. März zeitweise die einzige Gruppe, die durch die Marktstraßen schlenderte. Vom Eingang der Grabeskirche bis hinunter zum Grab. Wo sonst manchmal stundenlanges Warten angesagt ist, konnte man diesen Gang nun locker innerhalb von zwei Minuten schaffen. Tempelberg? Leergefegt. Via Dolorosa? Kaum jemand zu sehen. An der Klagemauer einige Menschen. Aber von Gedränge keine Spur. Viel Platz zwischen den einzelnen Gruppen. Jerusalem? Eine Art Geisterstadt.

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In den 14 Tagen haben wir eine Rundreise unternommen, waren bei vielen Ausgrabungsstätten, besuchten die Orte, von denen wir bislang immer nur in der Bibel gelesen hatten, waren in der Natur zum Wandern – ein tolles Land, eine abwechslungsreiche Landschaft, freundliche Menschen und gutes Essen. Aber es war eben auch eine ganz besondere Zeit, denn Corona holte uns hier ein.

Jerusalem im Ausnahmezustand

Zu Beginn unserer Reise, wenige Tage nach unserer Ankunft, erfuhren wir von den ersten zwei Corona-Fällen in Israel, genauer gesagt, in Bethlehem. Die Stadt war gesperrt, nicht nur für Touristen, sondern für alle. Das Alternativprogramm, die Hadassah-Klinik in Jerusalem zu besuchen und dort die berühmten Chagall-Fenster anzuschauen, war gestrichen, weil das Krankenhaus niemanden mehr hineinließ. Später erfuhren wir von einer Reisegruppe, die es noch nach Bethlehem geschafft hatte, dass sie mit Steinen beworfen worden war und die Menschen riefen: „Tourists go home! You brought us Corona!“, also „Touristen geht heim! Ihr habt uns Corona gebracht!“ Als wir in Jerusalem vom Ölberg zur Kirche der Nationen spazierten, öffnete eine Autofahrerin, die an uns vorbeirollte, ihr Fenster und rief uns genau diese Sätze zu. Und doch, diese Begebenheit war die Ausnahme. Denn als wir im Gespräch mit Händlern und Verkäufern unser Herkunftsland nannten, stießen wir oft auf echtes und freundliches Interesse. Bei vielen Sehenswürdigkeiten waren wir eine von zwei, drei Gruppen.

Das Gedränge, das man aus dem Fernsehen kennt, gab es nur ein einziges Mal: in Yad Vashem, der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem. Normalerweise werden vier, fünf Gruppen gleichzeitig eingelassen. Doch wegen Corona war die Anzahl der Menschen in der Ausstellung stark begrenzt.

Jerusalem - das öffentliche Leben kommt zum Erliegen

Eigentlich war es ganz angenehm, nicht mit so vielen anderen Reisebussen unterwegs zu sein. Doch uns wurde bewusst, was es für die Einheimischen bedeutet, wenn die Touristen ausbleiben. Viele sind darauf angewiesen, ihre Waren an die Reisenden zu verkaufen, oder sie arbeiten als Busfahrer, Reiseleiter, in den Hotels und an den Imbissständen. Wenn keiner kommt, verdienen diese Menschen nichts, insbesondere wenn sie freiberuflich arbeiten, und das sind nicht wenige. Unser Hotel in Jerusalem machte einen Tag nach unserer Abreise zu, die Souks wurden geschlossen.

Wir sind gut wieder heim gekommen, wenn auch mit einer anderen Fluggesellschaft als ursprünglich geplant. Gott sei Dank!

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