Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jesus Christus erkennen - Spurensuche bis in die Gegenwart

Nicht erst beim Pfingstwunder in der Apostelgeschichte, sondern schon im Alten Testament wird vom Wirken des Heiligen Geistes gesprochen. Und auch heute noch ist dieses Wirken spür- und erlebbar. Eine Spurensuche durch die Bibel hindurch bis in die Gegenwart.

Der Heilige Geist ist eine Kraft, die Vertrauen schafft ‒ aber auch Schauer erweckt.  Foto: adobe stock/ t0m15Der Heilige Geist ist eine Kraft, die Vertrauen schafft ‒ aber auch Schauer erweckt.  Foto: adobe stock/ t0m15

Der Geist Gottes ist eine nicht leicht zu erfassende Macht und Kraft. Er wird als das göttliche Unbegreifliche bezeichnet, das Vertrauen, aber auch Schauer erweckt. Nach frühen biblischen Zeugnissen wird der Geist Gottes in Israel als Kraft unerwarteter Rettung erfahren. Das Volk, das sich von Gott abgewendet hat, erlebt sich als hoffnungslos in größter Bedrängnis und Not. Da überkommt der Geist Gottes einen Menschen, der für das Volk Israel zum Retter wird.

Im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es: „Ich glaube an den Heiligen Geist, die Gemeinschaft der Heiligen, die Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ Frühe biblische Zeugnisse klingen ähnlich: Der Geist Gottes wirkt durch einen vom Geist überkommenen Menschen im und am Volk Gottes. Der Geist beendet die Abwendung des Volkes von Gott und befreit es aus der Not.

Prophetische Verheißungen des Alten Testaments werden vom Neuen Testament auf Jesus Christus bezogen: Der von Gott erwählte „Gottesknecht“ (Jesaja 11,1) bringt Israel und den Völkern Gerechtigkeit, Erbarmen mit den Armen und Schwachen und Gottes- und Wahrheitserkenntnis. Recht, Erbarmen, wahrer Gottesdienst – das sind die Eckpfeiler des alttestamentlichen Gesetzes. Der Geist Gottes bringt durch den von Gott Erwählten, auf dem der Geist „ruht“, die Erfüllung des vom Gesetz Beabsichtigten.

Die Bibel spricht von der „Ausgießung des göttlichen Geistes“ auf die Menschen. Im Alten Testament finden wir die Verheißung, dass der Geist Gottes ausgegossen wird auf Männer und Frauen, Alte und Junge, Knechte und Mägde (Joel 3,1). Das ist revolutionär in einer patriarchalen Gesellschaft und in einer Sklavenhaltergesellschaft. Das ist auch revolutionär in Gesellschaften, in denen sich Geringschätzung gegenüber denen ausbreitet, die zum „alten Eisen“ gerechnet werden.

Der Bericht von der pfingstlichen Ausgießung des Geistes in der Apostelgeschichte (2,1) stellt fest: Nun ereignet sich, was der Prophet Joel gesagt hat. Der Geist Gottes wird auf Frauen und Männer, auf Junge und Alte, auf Sklavinnen und Sklaven ausgegossen, nicht nur auf Israel, sondern auf Menschen aus allen Völkern. Ein wunderbares Hören und Verstehen der „großen Taten Gottes“ ereignet sich. Inmitten aller Differenzen von Menschen, Nationen und Kulturen wird eine universale Gemeinschaft gestiftet.

Der christliche Glaube sieht diese Gemeinschaft des Geistes durch Jesus Christus vermittelt. Er ist der wahre König, der wahre Hohepriester, der wahre Prophet. Er ist der Messias, der „Gesalbte“. Jesus Christus ist mit dem Heiligen Geist gesalbt, damit er „den Seinen“ daran Anteil gebe. Auf ihm „ruht“ nicht nur der Geist Gottes, sondern er gibt ihn weiter, er „gießt ihn aus“, damit wir Menschen von dieser Kraft Gottes erfüllt werden.

Die Gemeinschaft des Heiligen Geistes kann faszinieren. Denn der Geist Gottes verleiht verschiedene Gaben, die der Erbauung einer lebendigen Gemeinschaft und einer dynamischen Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit dienen. Paulus gebraucht das Bild vom „Leib Christi“, in dem die Glieder mit unterschiedlichen Begabungen und Befähigungen zusammenwirken.Das „Haupt“ des Leibes ist allein Jesus Christus selbst. Untereinander aber sind die vom Geist Begabten nicht in einer festen Hierarchie verbunden. So bewirkt der Geist Gottes eine freiheitliche Gemeinschaft der Glaubenden.

Die Botschaft von der „Ausgießung des Geistes“, von der „Taufe mit dem Heiligen Geist“ steht im Zentrum der größten Frömmigkeitsbewegung der Geschichte. Sie ereignet sich im 20. Jahrhundert und ergreift bis heute etwa eine halbe Milliarde Menschen. Die geistbewegte Frömmigkeit der Pfingstkirchen und der charismatischen Gemeinschaften verunsichert viele Menschen in unseren „aufgeklärten“ Umgebungen.

Die „Prüfung und Unterscheidung der Geister“ ist und bleibt eine entscheidende Aufgabe. Für die Christen und Christinnen ist dabei das Maß, ob der Heilige Geist sich auch als Geist Jesu Christi zu erkennen gibt, ob er seiner Nachfolge und seiner tieferen Erkenntnis dient. □

Autor

Michael Welker ist Senior-Professor für Systematische Theologie in Heidelberg.

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