Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jesus erkennen - Impuls zur Predigt

Johannes 17,1-8 (in Auszügen) Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.

 

Jesus erkennen

Impuls für den Palmsonntag: Johannes 17,1-8.

Von Beatus Widmann

Beatus Widmann ist Dekan in Balingen. Foto: Privat

Beatus Widmann ist Dekan in Balingen. Foto: PrivatDiese beiden Verse habe ich ausgewählt, weil sie mir nicht nur für unseren Abschnitt, sondern für das gesamte Johannesevangelium wesentlich zu sein scheinen. Wer ist Jesus? Genauer gefragt: Wer ist Jesus für uns? Auf diese Fragen antwortet das gesamte Evangelium. Nach Johannes gehört Jesus ganz auf die Seite Gottes. Er offenbart uns Gott. Johannes drückt das so aus: Er ist eins mit Gott. Bildhaft gesprochen ist er für uns Licht, Wahrheit, Leben, himmlisches Brot und Wasser, eben alles das, was uns Leben ermöglicht. Damit kommt ihm deutlich mehr Bedeutung zu als einem Wundermann oder einem Himmelswesen wie in hellenistischer Tradition, und auch deutlich mehr Bedeutung als einem Propheten, einem Lehrer oder einem Messias wie in jüdischer Tradition. Seine den gesamten Kosmos umspannende Bedeutung kommt im Johannesevangelium umfassend zum Ausdruck. Warum? Weil jede und jeder von uns das nötig hat, was diese Bildworte nennen. Ohne Brot, ohne Licht und Wahrheit verderben wir. Erkennen wir Gott in Jesus, so realisieren wir auch, dass uns in ihm das Ende der Welt und ewiges Leben nicht nur nahegekommen, sondern bleibend gegenwärtig ist. Ostern, Pfingsten und Wiederkunft fallen sozusagen in eins. Nichts und niemand im Johannesevangelium darf Jesu Bedeutung in den Schatten drängen. Unser Textzusammenhang spricht von seiner „Herrlichkeit“. Ich übersetze das griechische Wort „Doxa“ gerne mit „Schönheit“ (wie in „Schönster Herr Jesu“, EG 403). Ewiges Leben gibt es schon hier und jetzt.

 

Zuerst galt diese Botschaft der damaligen Gemeinde des Johannes. Wie sind wir gemeint? Ich denke, wir sind angesprochen als Gemeinschaft von Menschen, welche das Wort Jesu hören und ihm glauben. Wir sind die Gemeinde unter dem Wort. Alles kommt darauf an, bei Jesus und unter seinem Wort zu bleiben. Johannes stellt mit seiner Botschaft von Jesus, der mit dem Vater eins ist, die Gemeinde in einen ganz besonderen Zeit-Raum. Er stellt sie in den Anfang.

Er offenbart uns Gott

Am Anfang schuf Gottes Wort in der Finsternis Leben und ließ Licht aufscheinen. So lebt die Gemeinde unter dem Wort davon, dass sie in die Gegenwart des Schöpfers gestellt ist. Und sie erfährt jederzeit das Geschehen des ersten Schöpfungstages an sich. Der Evangelist Johannes ruft uns also mit seiner Botschaft von Jesus Christus in unsere Geschöpflichkeit. Literarisch schematisiert hat Johannes die Kapitel 13 bis 17 als Abschiedsrede eines Sterbenden. Er leitet sie ein mit den Worten „die Stunde ist gekommen“. Die Rede ist das Testament Jesu, sein letzter Wille. Höhepunkt der Abschiedsrede ist Kapitel 17. Stilisiert ist es als Gebet. Die Gebetshaltung wird deutlich in der Forumulierung: „hob seine Augen auf zum Himmel“. Auch die Gebetsanrede „Vater“ spricht dafür. Jesus tritt hohepriesterlich für Gottes Geschöpfe ein. Er proklamiert mitten in der gottentfremdeten Welt das Recht des Schöpfers auf seine Schöpfung und fordert unser Gehör.

All. Sterne. Foto: Marc Sendra MartorellFoto: Marc Sendra Martorell

 

Gebet

Gott, heilger Schöpfer aller Stern,

erleucht uns, die wir sind so fern,

dass wir erkennen Jesus Christ,

der für uns Mensch geworden ist.

Amen.

Thomas Müntzer 1523 (EG 3)