Christliche Themen für jede Altersgruppe

Johannes Kepler - Das Kind aus Weil der Stadt

Johannes Kepler wurde als Sohn protestantischer Eltern im katholischen Weil der Stadt geboren. Es war eine Zeit der Glaubenskämpfe und des konfessionellen Gezänks. Die Ausstellung im Geburtshaus erzählt von diesen Dingen und einer Kindheit, die kaum erahnen ließ, dass aus dem Knaben einmal ein großer Wissenschaftler werden würde.

Kepler-Denkmal auf dem Marktplatz in Weil der Stadt und der Turm der katholischen Kirche. Foto: Andreas SteidelKepler-Denkmal auf dem Marktplatz in Weil der Stadt und der Turm der katholischen Kirche. Foto: Andreas Steidel

Der Vater war ein Draufgänger. Die Familie bekam ihn kaum zu Gesicht. Immer wieder zog Heinrich Kepler als Söldner in den Krieg, kämpfte mal auf der Seiten der Katholiken, dann wieder für die Protestanten. Zu Hause lebte derweil die Ehefrau Katharina mit ihrem ältesten Sohn Johannes unter dem Dach der Großeltern. Sie kamen nicht miteinander aus, so dass Katharina ihrem Ehemann nachreiste und das Kind zurückließ.

Johannes erkrankte an Pocken und erlitt eine Hornhautverkrümmung, die zu lebenslanger Kurzsichtigkeit führte. Wenig gefördert, lieblos behandelt und kränklich verbrachte der kleine Johannes seine ersten Jahre in Weil der Stadt.

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„Es ist faszinierend, was aus dem Kind trotzdem geworden ist“, sagen Hermann Faber und Wolfgang Pleithner. Faber ist Vorstandsmitglied der Kepler-Gesellschaft, Pleithner Leiter des Kepler-Museums in Weil der Stadt. Es ist im Geburtshaus Johannes Keplers untergebracht.

Kepplers Vater zog hinaus als Söldner

Etwas versteckt liegt das kleine Fachwerkhaus in einer Gasse gleich neben dem Rathaus. Am 27. Dezember 1571 erblickte Johannes Kepler hier das Licht der Welt. Er stammte aus einer evangelischen Familie, deren Vorfahren 1520 aus Nürnberg gekommen waren. Sein Großvater Sebald hatte es zum Bürgermeister von Weil der Stadt gebracht.

Das ist ganz erstaunlich, da Weil der Stadt eigentlich eine katholische Reichsstadt war. Doch die konfessionellen Verhältnisse waren dort im 16. Jahrhundert noch offen, die Bürger hatten große Sympathien für die freien Gedanken Luthers, rund die Hälfte der Bevölkerung sympathisierte in Keplers Kindertagen mit der neue Lehre.

Keppler Museum in Weil der Stadt. Messkessel. Foto: Andreas Steidel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressionen aus dem Museum: Messkessel und Kepler-Büste.

Erst als der evangelische Herzog von Württemberg sich pausenlos in die Angelegenheiten der Weil derStädter einzumischen begann und die Herausgabe klösterlicher Besitzungen forderte, schalteten sie auf stur: Nach jahrelangen Kämpfen wurde Weil der Stadt 1628 schließlich komplett katholisch.

Da waren die Keplers schon lange weg. Johannes zog mit seiner Familie und seinen Geschwistern 1576 nach Leonberg, das damals schon zu Württemberg gehörte. Sechs Jahre war er da alt und besuchte dort erst die Deutsche und dann die Lateinschule. Hier wurde man erstmals auf das Talent des Knaben aufmerksam, der schließlich das Landexamen bestand und in die Klosterschulen in Adelberg und Maulbronn aufgenommen wurde.

Es war der Beginn einer sagenhaften Karriere. Der Vater erlebte sie nicht mehr mit, 1588 brach er als Söldner letztmals auf und kehrte nicht mehr zurück.

Es hat eine Weile gedauert, bis sich die Weil der Städter an ihren berühmten Sohn erinnerten. „Lange Zeit war er vergessen“, sagt Museumsleiter Wolfgang Pleithner. Das Geburtshaus wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört, danach wieder aufgebaut und lange als Konditorei genutzt. Erst im 19. Jahrhundert setzte ein Umdenken ein. Deutschland war auf der Suche nach nationalen Symbolfiguren und zu denen gehörte auch der Astronom Johannes Kepler.

Das Denkmal auf dem Marktplatz stammt von 1870. Es zeigt einen Mann mit Weitblick und Zirkel. Erstvor kurzem wurde es ein wenig zurückversetzt und in eine Astronautenallee integriert, auf der unter anderem die Namen Ulf Merbold und Ernst Messerschmid verewigt sind: ein Zeichen dafür, welche Gültigkeit die Erkenntnisse Johannes Keplers bis zum heutigen Tage haben.

Kepplers Mutter wird als Hexe angeklagt

1938 wurde in Weil der Stadt der Verein Kepler-Haus gegründet, der Vorgänger der heutigen Kepler-Gesellschaft. Sein Ziel war der Erwerb des Geburtshauses und die Eröffnung eines Musems. 1940, mitten im Krieg, öffnete es seine Türen. Es zeigt auf zwei Ebenen ein umfassendes Gesamtbild des Lebenswerkes von Johannes Kepler. Auch die Anfänge in Weil der Stadt werden beleuchtet, die konfessionellen Verwicklungen und die schwierige Situation im Elternhaus.

Eine Landkarte zeigt die Lebensstationen Johannes Keplers: Völlig untypisch für die damalige Zeit wechselte er alle paar Jahre den Wohnort und reiste beschwerlich rund 25 000 Kilometer in einer Zeit, als es weder richtige Straßen noch Kraftfahrzeuge oder eine Eisenbahn gab. Dargestellt wird dort auch ein weiteres düsteres Kapitel aus der Familiengeschichte: der Hexenprozess gegen Katharina Kepler. Kepler selbst schilderte seine Mutter als streitsüchtige und verbitterte Frau, die oft und gerne über andere herzog. Überdies galt sie als Kräuterweib, die mit ihren Tinkturen allerlei Gebrechen zu heilen versuchte.

Eine gefährliche Sache in einer Zeit, als man Frauen zu Dutzenden der Hexerei bezichtigte. 1615 traf es Katharina Kepler, die zu allem Überfluss von ihrem Sohn Heinrich verleumdet worden war. Johannes Kepler scheute keine Kosten und Mühen, um ihr beizustehen. Mehrfach kehrte er nach Württemberg zurück und entwickelte eine kluge Verteidigungsstrategie für seine Mutter.

1621 wurde Katharina Kepler tatsächlich freigesprochen, auch weil sie trotz Androhung der Folter nie eingeknickt war und standhaft widersprochen hatte.

Wolfgang Pleithner (links) und Hermann Faber von der Kepler-Gesellschaft vor dem Geburtshaus, das heute ein Museum ist. Foto: Andreas SteidelWolfgang Pleithner (links) und Hermann Faber von der Kepler-Gesellschaft vor dem Geburtshaus, das heute ein Museum ist. Foto: Andreas Steidel

Die Kepler-Gesellschaft will die Erinnerung an den großen Sohn Weil der Stadts wachhalten. Dazu gehören auch Bildungs- und Jugendarbeit. So wurde 2002 auf dem Dach des örtlichen Kepler-Gymnasiums eine Sternwarte errichtet. Von hier geht der Blick hinaus ins Universum, so wie Kepler es schon vor über 400 Jahren getan hat. □

◼ Das Kepler-Museum in Weil der Stadt ist wegen der Corona-Krise derzeit geschlossen. Telefon 07033-521131, www.kepler-museum.de