Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kanzel mit großer Reichweite

Rundfunkpfarrer Johannes Kuhn ist gestorben

Kanzel mit großer Reichweite


„Niemals empfindet man die Hand Gottes kräftiger über sich, als wenn man die Jahre seines vergangenen Lebens betrachtet.“ Diesen Satz von Martin Luther hat Johannes Kuhn seiner Biographie  vorangestellt. Er hat sein Leben als Führung und Fügung durch Gott gesehen. Deshalb ist Dankbarkeit der Grundton.


Johannes Kuhn hat gerne die Fragen der Menschen aufgegriffen.  (Foto: Pressebild)


Als Sohn eines Bäckers wurde er 1924 in Plauen im Vogtland geboren. Zunächst hatte er selber auch Bäcker gelernt. Dann musste er im Zweiten  Weltkrieg Soldat werden, Pilot. Den Krieg hat er knapp überlebt und danach war für ihn klar, dass er Pfarrer werden wollte. Zunächst war er Jugendpfarrer in Bremerhaven. Dort machte er erste Erfahrungen mit dem Rundfunk, nahm Jugendsendungen für Radio Bremen auf und hielt Jugendgottesdienste. 1960 hat ihn dann die württembergische Landeskirche als Rundfunkpfarrer für den Süddeutschen Rundfunk berufen, auf die „Kanzel mit der weitesten Wirkung“. So, hat er erzählt, hat man ihm seine künftige Wirkungsstätte beschrieben.
Bis zu seinem Ruhestand 1989 war er dann im „Geistlichen Wort“ zu hören und wurde schon bald „Mister fünf vor sieben“ genannt. Johannes Kuhn war 65 Jahre verheiratet mit seiner Frau Henriette. Das Paar hat vier Kinder und zahlreiche Enkel.

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Bis heute erkundigen sich Menschen nach Johannes Kuhn, die ihn früher im Radio gehört haben. „Bei dem hatte ich manchmal das Gefühl, dass er wirklich nur zu mir spricht“, höre ich manchmal über ihn. Und genau das war sein Anliegen. „Ich rede immer nur zu einem“, konnte er sagen, „und über die Fragen, die Einzelne bewegen.“ Deshalb habe er auch selten über „Glaubensfragen“ gesprochen oder Predigttexte erklärt.

„Menschen haben Probleme und aus den Problemen werden Fragen und ich versuche Antworten darauf zu finden“, hat er gesagt. Eheprobleme waren deshalb sein Thema, Schulängste der Kinder, Konflikte zwischen den Generationen, Lebenshilfe für Menschen, die nicht weiter wussten. Der Ausgangspunkt war der Alltag seiner Hörerinnen und Hörer. Dazu hat er immer auch Impulse aus dem Evangelium weiter gegeben. Und eine Vielzahl von Briefen, Anrufen und Anfragen haben ihm gezeigt, dass er damit richtig lag.

Beim Süddeutschen Rundfunk hat man es ihm nach einiger Zeit ermöglicht, live zu sprechen. So konnte er manchmal am Donnerstag schon auf Anfragen antworten, die sein Beitrag vom Montag ausgelöst hatte. Ganz ähnlich hat er es später in seiner Fernsehsendung „Pfarrer Johannes Kuhn antwortet“ im ZDF gehalten. Von 1979 bis 1987 beantwortete er etwa viermal im Jahr Zuschauerfragen und wurde für viele zum „Seelsorger der Nation“.

Inzwischen hat sich vieles im Radio ­geändert. Das Geistliche Wort heißt beim Südwestrundfunk „Anstöße“ oder „Morgengedanken“ und weil es in zwei Programmen gleichzeitig gesendet wird, kann man es nicht mehr live sprechen. Eine Erkenntnis aber verdankt die Rundfunkarbeit Johannes Kuhn bis heute: Wir versuchen, die Lebensnähe des christlichen Glaubens zu entfalten und von ihm her dem Alltag neue Impulse zu geben.Lucie Panzer

Johannes Kuhn starb in der Nacht vom 4. auf den 5. August nach kurzer schwerer Krankheit mit 95 Jahren.

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