Christliche Themen für jede Altersgruppe

Keine Angst vor Fehlern haben

Sie unterstützen Menschen mit Behinderung – in allen Lebenslagen: Mitarbeiter der Individuellen Schwerbehindertenassistenz (ISA) leisten rund um die Uhr Hilfe. Eine Tätigkeit, die mit zunehmender Erfahrung leichter fällt, sagt Benjamin Ulmer, der seit vielen Jahren dafür arbeitet. 


Benjamin Ulmer (links) unterstützt Assistenznehmer wie Timo Pass, damit sie so weit wie möglich ihren normalen Alltag leben können. (Foto: Gemeindeblatt)


Bei Timo Pass besteht dieser Alltag momentan aus mündlichen Abiturprüfungen, Abizeitung und Studienplänen für die Zeit danach. Ganz normale Pläne für einen 19-Jährigen, doch der Nürtinger leidet an einer Muskeldystrophie, einer Erbkrankheit, die zu Muskelschwäche und Muskelschwund führt. Um seinen Alltag trotzdem meistern zu können, erhält er Unterstützung von Assistenten wie Benjamin Ulmer.

Für den Stuttgarter ist es nicht der erste Job dieser Art. Der freie Fotograf hat bereits neben seinem Studium als Schwerbehindertenassistent gearbeitet. Seit 2010 ist er für die ISA tätig. Berührungsängste im Umgang mit hilfebedürften Menschen kennt Benjamin Ulmer nicht; auch seinen Zivildienst hat er in einem Kindergarten für geistig und körperlich behinderte Kinder geleistet. „In der Pflege zu arbeiten ist mir noch nie schwer gefallen“, sagt er, „mit einer Bürotätigkeit hätte ich viel größere Probleme.“

Mit zunehmender Erfahrung falle es leichter und man empfinde es als natürlich, anderen bei einfachen Handgriffen zu helfen. „Man darf keine Angst haben – weder vor dem Menschen noch vor seiner Behinderung“, sagt er. „Und schon gar nicht davor, irgend etwas falsch zu machen.“

Trotzdem komme es dabei auch immer wieder zu unerwarteten Situationen. Ulmer erinnert sich an seinen letzten Klienten, ein Patient, der an Multipler Sklerose erkrankt war. Im Endstadium der Krankheit habe er den Mann fast nicht mehr verstanden, da sein Sprechmuskel von der Erkrankung betroffen war. „Einmal wollte er nur, dass ich das Radio für ihn leiser stelle. Ich habe aber eine Ewigkeit gebraucht, um herauszufinden, was er möchte“, erinnert er sich. „Dass ich ihm in diesem Moment nicht weiterhelfen konnte, ist mir peinlich gewesen.“

Doch wenn er eine „eher unglückliche“ Arbeitsschicht wie diese hinter sich habe, überlege er sich bewusst, „wie es für den anderen wohl ist, ständig auf Hilfe angewiesen zu sein“.

Die gemeinsame Zeit, die Benjamin Ulmer mit Tobias Pass verbringt, ähnelt in manchen Phasen einer Wohngemeinschaft:  In gegenseitiger Absprache wird der Haushalt organisiert und besprochen,  was auf die Einkaufsliste muss. Wenn die Schule ansteht, klingelt morgens um sieben der Wecker – bei Benjamin Ulmer schon etwas früher, damit er das Frühstück vorbereiten kann. Doch auch nachts benötigt Tobias Pass Hilfe und muss zwischendurch im Bett umgelagert werden. Es sei jedoch wichtig, betonen beide, sich zwischendurch genügend persönlichen Freiraum einzuräumen.

Fest steht: Um anderen Hilfe anbieten zu können, seien bestimmte Fähigkeiten gefragt, sagt Benjamin Ulmer. „Über allem steht, dass der gesamte Ablauf klappen muss. Man muss deshalb den Willen haben, sich anzupassen – und natürlich auch über eine gute Sozialkompetenz verfügen.“



Informationen zur individuellen Schwer­behindertenassistenz (ISA) der Evangelischen Gesellschaft unter Telefon 0711-2054311, Internet: www.eva-stuttgart.de/fsj-bfd-isa.html