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„Keine Chance für Hass“ - Der letzte Bericht vor der Synode

Landesbischof Frank Otfried July hat in seinem letzten Bericht vor der Synode vor allem den Ukraine- Krieg und dessen zahlreiche Opfer in den Blick genommen. Er sprach auch über den Klimawandel, den Umgang mit sexualisierter Gewalt und die Vertrauenskrise der Kirche.

Landesbischof Frank Otfried July spricht engagiert vor der Synode. Foto: EMH/Nico BährLandesbischof Frank Otfried July spricht engagiert vor der Synode. Foto: EMH/Nico Bähr

„Unsere politische, gesellschaftliche, auch unsere geistliche Gegenwart wurde jäh erschüttert“, sagte Frank Otfried July zum Krieg in der Ukraine. Dieser führe dazu, dass die Friedensethik evangelischer Christinnen und Christen herausgefordert würde. „Die Waffenlieferungen Deutschlands in ein Kriegsgebiet werden sicherlich nicht die Gewalt dieses Krieges eindämmen, sondern möglicherweise sogar zu einer weiteren Eskalation führen“, betonte der Landesbischof. „Gleichzeitig hören wir die Rufe nach Selbstverteidigung und Schutz vor militärischer Angriffsgewalt, nach Wahrung des Menschenrechts auf Freiheit und Selbstbestimmung.“ Der Landesbischof machte darauf aufmerksam, dass ökumenische Netzwerke ihren Beitrag zum Frieden leisten können, auch wenn sie Konflikte nicht aus der Welt schaffen würden.

Menschen mit russlanddeutschen oder russischen Wurzeln bräuchten jetzt ebenfalls Unterstützung. „Sie erleben und fürchten derzeit Stigmatisierung und kollektive Verurteilung. Geben wir der Dynamik von Verfeindung und Hass in unserem Land keine Chance“, forderte der Landesbischof.

Eine weitere große Herausforderung für die Weltbevölkerung sei die Klimakrise, sagte July. Trotz fundierten Wissens über Problematik und Konsequenzen stehe der Klimawandel auf der Prioriätenliste des politischen Handelns zu weit unten. Das Zeitfenster für wirksame Taten sei dabei, sich zu schließen. July sagte weiter: „Als Kirche sind wir erschrocken über den fortgesetzten Raubbau an Gottes Erde, die verheerenden Folgen für Menschen und Lebewesen, die daraus entstehende Verstärkung der Ungleichheit und Ungerechtigkeit der Lebensbedingungen.“

Angesichts sinkender Mitgliederzahlen hat July dazu ermutigt, auf Gutes und Gelingendes wie neue Gottesdienstformen, Quartiersarbeit und neue Aufbrüche in der Kirche zu schauen. „Die Untergangsrhetorik, die das Reden über die Kirche leider weit häufiger beherrscht, kommt gerade jenen entgegen, die eine andere Gestalt von Kirche als die der gegenwärtigen evangelischen Landeskirche wollen“, sagte der Landesbischof. Es gebe kritische Stimmen, die vehement für eine Trennung von Kirche und Staat eintreten und das komplexe Verhältnis von Staat und Kirche als „kirchliche Privilegierung“ sehen. Dabei sei der schulische Religionsunterricht ebenso wie die Ausbildung zukünftiger Pfarrer und Religionslehrer an theologischen Fakultäten staatlicher Universitäten Ausdruck einer aufgeklärten Kooperation von Staat und Kirche und kein Widerspruch dazu.

Auch das gemeinsame Gebet gehört zur Synodaltagung. Foto: EMH/Gottfried StoppelAuch das gemeinsame Gebet gehört zur Synodaltagung. Foto: EMH/Gottfried Stoppel

Im Anschluss an Julys Bericht nahmen die Gesprächskreise Stellung. Hellger Koepff von der Offenen Kirche sagte, dass es angesichts des Ukraine-Krieges noch wichtiger sei, zukunftsfähige Friedensarbeit zu leisten. Dazu müsse die Stelle des Friedenspfarramts neu besetzt werden. Für die Lebendige Gemeinde sagte Matthias Hanßmann, dass auch sein Gesprächskreis eine klare Beauftragung der Kirche zum Frieden wolle. Diese müsse breit angelegt sein, zum Beispiel im Bereich der Polizei- und Militärseelsorge.

Amrei Steinfort sagte für Evangelium und Kirche, die Landeskirche solle sich aktiv in die Diskussion über eine Trennung von Kirche und Staat einmischen. Eine offene Diskussion des kirchlichen Arbeitsrechts sei nötiger denn je. Es sei nicht vermittelbar, dass die Kirche in evangelischen Fachschulen junge Musliminnen ausbilde, die dann aber nicht in den kirchlichen Kitas arbeiten dürften. Für Kirche für morgen sagte Oliver Römisch, der Gesprächskreis wünsche sich, dass sich die Evangelisch-Theologische Fakultät in Tübingen noch mehr mit aktuellen Fragen auseinandersetze.


Mit Material von epd

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