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Kinder, jetzt bewegt Euch! - Interview mit Dr. Lisa Federle

Lisa Federle ist mit ihren Ideen im Kampf gegen die Pandemie weit über die Grenzen ihrer Heimat-stadt Tübingen hinaus bekannt geworden. Die vielfältig engagierte Ärztin hat 2021 auch einen Verein für Kinder und Jugendliche gegründet, der sie in Bewegung bringen soll. Im Gespräch mit Katharina Hirrlinger berichtet Lisa Federle, wie das funktioniert.

Foto: Sylwia Apatcy, pixabay

Warum haben Sie im vergangenen Mai den Verein „Bewegt Euch“ gegründet?


Lisa Federle: Mir ist als Hausärztin damals aufgefallen, wie viele Kinder Probleme bekommen haben in der Pandemie. Sie sind auffälliger geworden und die Kinderpsychiatrien haben sich immer mehr gefüllt. Ich habe mir vorgestellt, wie Kinder in sozial schwachen Verhältnissen leben, ohne Garten oder Terrasse, die während des Lockdowns nicht mehr raus konnten, auch nicht zu ihren Freunden.

Ihre Mitstreiter sind der Schauspieler Jan Josef Liefers und der Sportmoderator Michael Antwerpes. Wie sind sie zusammengekommen?

Lisa Federle: Mit Jan Josef Liefers bin ich seit Jahren eng befreundet. Bei Michael Antwerpes war ich mal als Gast in seiner Sendung „Sag die Wahrheit“. Deshalb kamen wir auf die Idee – weil er Sportmoderator ist.

Was sind die Ziele von „Bewegt Euch“?

Lisa Federle: Alle Kinder sollen Sport treiben können. Auch Kinder, die benachteiligt sind, die aus sozial schwachen Verhältnissen kommen, aber auch Kinder mit Migrationshintergrund oder behinderte Kinder. Sie sollen die gleichen Chancen haben, beispielsweise Ballettunterricht zu nehmen, um Basketball spielen zu können oder sonst Sport zu machen. Denn Bewegung ist gut für den Körper, aber auch für das soziale Verhalten und die Seele. Und wir haben uns vorgenommen, Protest einzulegen, wenn es nochmal die Situation gäbe, dass für Kinder ein Lockdown gemacht würde. Das wollen wir nicht.


Ist Ihnen die fehlende Bewegung von Kindern und Jugendlichen schon vor der Corona-Pandemie aufgefallen?

Lisa Federle: Ja klar. Wenn ich als Notärztin zu einem Einsatzort komme, sehe ich oft, dass die Kinder zu wenig Bewegung haben. Elterhaus ab, ob Bewegung gefördert wird oder nicht.

» Sport macht glücklich und zufrieden «

Notfallmedizinerin Lisa Federle. Foto: Julian Rettig

Es sind aber nicht nur sozial benachteiligte Kinder von Bewegungsmangel betroffen …

Lisa Federle: Unsere Initiative richtet sich an alle Kinder. Aber in erster Linie ist sie für die gedacht, die sonst keine Möglichkeit hätten, Sport zu machen. Wenn ein Kind ins Ballett will und die Eltern haben das Geld nicht, können sie nicht mal die Kleidung dafür kaufen. Es geht aber noch weiter: Wir haben Paten, die sich um die Kinder kümmern. Das heißt, sie begleiten die Kinder zum Sport oder zu einem Turnier.

Wie sieht die Unterstützung aus?

Lisa Federle: Wenn ein Kind auf uns zukommt und dringend einen Basketball braucht, dann bekommt es den. Jedes Kind, das auch nur ansatzweise hilfsbedürftig ist, bekommt von uns Unterstützung. Ein Beispiel: Thilo Kehrer, der Fußballnationalspieler, ist Pate von einem Jungen aus Tübingen. Der Junge könnte sich kein Fußballcamp leisten. Thilo übernimmt dafür die Kosten.

Sind die Paten ausschließlich Spitzensportler?

Lisa Federle: Nein. Wir haben Prominente wie Smudo, Hartmut Engler, Günter Oettinger, Christian Lindner. Und wir haben ganz normale Leute mit Herz, denen es einfach wichtig ist, die Kinder zu unterstützen.

Kontrollieren Sie, dass die Kinder wirklich den Sport machen?

Lisa Federle: Wir brauchen das nicht zu kontrollieren. Wenn wir einen Beitrag zahlen, beispielsweise an eine Ballettschule, dann ist klar, dass die Schule uns Rückmeldung geben muss, wenn das Kind dort nicht mehr hingeht. Aber in der Regel wollen die Kinder zum Sport und gehen dann auch hin.

Wie erfahren die Kinder und Jugendlichen von Ihrem Verein?

Lisa Federle: Wir sind auf Instagram und auf Facebook, haben Flyer und man kann uns über das Internet anschreiben, auf unserer Seite www.bewegteuch.com.

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Haben schon viele Kinder das Angebot angenommen?

Lisa Federle: Wir sind noch in den Anfängen. Ich habe das alles bisher nebenher gemacht und Jan Josef Liefers und Michael Antwerpes sind beide auch sehr beschäftigt. Wir wollen jetzt jemanden einstellen, der hauptamtlich für uns tätig wird und dafür sorgt, dass die Zahl der Kinder, denen wir helfen, rasch zunimmt.

„Bewegt Euch“ wird vom Sportinstitut und dem Uniklinikum in Tübingen begleitet – gibt es erste Ergebnisse?

Lisa Federle: Wir haben uns mit diesen Institutionen zusammengetan und eine Studie in Auftrag gegeben für den Verein. 120 Kinder haben mitgemacht. Das Ergebnis war: Sport macht glücklich und zufrieden. Das klingt nach einer Binsenweisheit. Aber das ist nun wissenschaftlich belegt worden.

Foto: Blende 12, pixabayFoto: Blende 12, pixabay

So viele Infizierte wie im Moment gab es noch nie. Keine gute Voraussetzung für Mannschaftssport …

Lisa Federle: Im Moment haben wir eine Ausnahmesituation, weil Omikron so ansteckend ist. Wenn das System ausfällt, haben wir alle ein Problem. Ich glaube aber, dass diese Situation relativ schnell vorübergehen wird. Wir werden nicht mehr solche Maßstäbe ansetzen, wie wir sie noch von einem Jahr angesetzt hatten, als Kinder nicht mehr auf Spielplätze und keinen Sport mehr machen durften.

Ihre Arbeit als Ärztin, der Verein, Ihr Engagement in der Pandemie – wie schaffen Sie das alles?

Lisa Federle: Das fragen mich alle. Das kann ich Ihnen auch nicht sagen. Ich weiß es nicht (lacht). Irgendwie klappt es halt. Wahrscheinlich, weil ich einfach ein pragmatischer Mensch bin.

Vielfach engagierte Ärztin

Dr. Lisa Federle, geboren 1961 in Tübingen, brach das Gymnasium in der neunten Klasse ab, bekam früh ihr erstes Kind, holte später das Abitur nach und studierte dann Medizin – mit mittlerweile vier Kindern. Sie ist als Hausärztin in Tübingen niedergelassen, ist dort auch leitende Notärztin und Pandemiebeauftragte und hat im vergangenen Jahr das „Tübinger Modell“ mit einer hohen Testfrequenz entwickelt. Federle ist für die CDU im Kreistag von Tübingen und vielfältig sozial engagiert, etwa in der medizinischen Versorgung von Geflüchteten mit der „rollenden Arztpraxis“. Für ihr Engagement erhielt sie 2020 das Bundesverdienstkreuz. Im Mai dieses Jahres erscheint ihre Autobiografie „Auf krummen Wegen geradeaus“. Ein längeres Gespräch mit ihr gibt es in der Reihe „Alpha und Omega“ auf www.kirchenfernsehen.de