Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kinder und Karriere in Kenia - Interview mit der Pädagogin Tabitha Schließer

Tabitha Schließer und ihr Mann Philipp leben mit ihren drei Kindern seit einem Jahr in Kenia. Im Gespräch mit Rebekka Eyrich erläutert sie, wie sie den Alltag als berufstätige Mutter in einer fremden Kultur organisiert und warum der Start ziemlich holprig war.

Die Paedagogin Tabitha Schließer bei der Arbeit in Kenia. Foto: PrivatDie Pädagogin Tabitha Schließer bei der Arbeit in Kenia. Foto: Privat

Die Pädagogin Tabitha Schließer hat als Kind zwei Jahre mit ihrer Familie im Kongo gelebt. Eine Verbundenheit mit Afrika ist bis heute geblieben. Nachdem ihr Mann, der erst Bauingenieurwesen und dann Theologie studiert hat, das Vikariat in Manzell abgeschlossen hatte, stand das Paar vor der Frage, wie es beruflich für beide weitergehen könnte.

Was hat den Ausschlag gegeben, als Entwicklungshelfer in Kenia zu arbeiten?

Tabitha Schließer: Wir trugen diesen Wunsch, nach Afrika zu gehen und dort Menschen zu unterstützen, schon so lange im Herzen. Ich finde, wenn man etwas lange im Herzen trägt, dann ist es wichtig. Unsere Kinder waren zum Zeitpunkt der Ausreise ein, drei und fünf Jahre alt. Spätestens, wenn unsere älteste Tochter eine weiterführende Schule besucht, wollen wir wieder in Deutschland leben. Außerdem stand mein Mann nach dem Ende seiner zweiten Ausbildung ohnehin vor einem Neuanfang. Und auch ich wollte wieder arbeiten, nachdem der Jüngste ein gutes Jahr alt geworden war.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Ist es für eine Familie einfach, den passenden Einsatzort zu finden?

Tabitha Schließer: Das hat sich doch recht schwierig gestaltet. Ein Einsatz in einer afrikanischen Großstadt kam für uns mit kleinen Kindern nicht infrage, da es dort sehr unsicher sein kann. Ein weiterer wichtiger Punkt stellte das unmittelbare Umfeld dar: gibt es einen Garten, der genug Platz zum Spielen bietet und die Möglichkeit, dass die Kinder dort zur Schule gehen können?

Und schließlich sollte es ja noch einen Arbeitsplatz für Sie als Sozialpädagogin und Ihren Mann als Bauingenieur geben.

Tabitha Schließer: Genau. Insofern war die Suche zusammen mit Christliche Fachkräfte International, der Organisation, die uns entsandt hat, gar nicht so einfach. Mir war es wichtig, dass ich als Mutter nicht die klassische Rolle behalte, sondern auch im Projekt meinen Platz habe. Zwei, drei Vormittage wollte ich nach einer sehr intensiven Zeit als Vollzeit-Mama wieder arbeiten.

Kenia, bergiges Hochland. Foto: Fam. SchließerIn dieser traumhaft schönen Landschaft, dem bergigen Hochland von Kenia, lebt die Familie Schließer derzeit. Foto: Privat

Im Juli 2019 startet die Familie nach Kenia. Dort leben Sie seither mit kenianischen und deutschen Familien auf der weitläufigen Missionsstation einer deutschen Hilfsorganisation im bergigen Hochland der Nandi Hills. Ihren Arbeitsplatz haben Philipp und Tabitha Schließer 15 Kilometer weiter in Songhor, wo sie das bereits bestehende Projekt Crossroads betreuen. Hier haben jugendliche Männer nach ihrem Strafvollzug die Möglichkeit, sich auf einer Farm auf das Leben nach der Zeit im Gefängnis vorzubereiten. Tabitha hat den pädagogischen Teil übernommen: Sie bietet ein sogenanntes „Life Skills Training“ an und behandelt dabei Themen wie den Umgang mit Stress und Emotionen, verantwortliche Sexualität, Kommunikation und Ziele für das Leben.

Wie hat sich nach der Ankunft Ihr Leben eingespielt?

Tabitha Schließer: Das hat einige Monate gedauert und natürlich kam einiges nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Nur ein Beispiel: Nach unserer Ankunft in der Hauptstadt Nairobi dachten wir, dass wir unsere Luftfracht mit dem Hausrat nach ein paar Tagen abholen und mit an unseren neuen Wohnort nehmen können. Schließlich hat es mehrere Monate gedauert, bis wir die Sachen im Januar abholen konnten. Das hat den Ablauf zunächst völlig durcheinandergebracht. In der Luftfracht waren Kochtöpfe, Bettdecken, Spielsachen, die Weihnachtsgeschenke und -dekoration, die ich extra mitgenommen hatte, um den Kindern unser erstes afrikanisches Weihnachten ein bisschen vertraut zu gestalten. Nach etwa sechs Monaten konnten wir endlich ankommen, auch emotional.

Familie Schleißer in Kenia. Foto: PrivatWie gestaltet sich nach dieser Anfangsphase Ihr Alltag?

Tabitha Schließer: Der Haushalt nimmt hier allgemein viel mehr Platz ein, weil es zum Beispiel keine Spülmaschine gibt, Trinkwasser gefiltert und Brot gebacken werden muss. Zum Einkaufen fährt man zwei Stunden in die nächste Stadt. Vieles davon teile ich mir mit meinem Mann, wobei er den größeren Anteil an der Stelle bei Crossroads hat, als ich. Deshalb ist es logisch, dass mein Anteil an der Hausarbeit größer ist.

Wie ist die Situation für Ihre drei Kinder?

Tabitha Schließer: In den ersten Wochen und Monaten galt es, sie noch intensiver zu begleiten, alle ihre Fragen zu beantworten und ihnen zu helfen, auf Englisch zu kommunizieren. Für unsere Älteste hat im Herbst letzten Jahres die Vorschule begonnen. Freiwillige aus Deutschland unterrichten die Kinder mit dem Material der Deutschen Fernschule. Ich hatte gedacht, es sei einfacher, hier eine Kinderbetreuung für die beiden jüngeren Kinder zu finden. Doch ich habe gemerkt, dass die kulturellen Unterschiede in der Erziehung doch recht groß sind. Viele Verbote prägen den Erziehungsstil. Schließlich hat sich Anfang des Jahres ergeben, dass eine deutsche Frau, die mit einem Kenianer verheiratet ist, unseren Jüngsten stundenweise, zusammen mit ihrem jüngsten Kind, betreut.

Wie hat der Berufseinstieg geklappt?

Tabitha Schließer: Ich dachte, dass es schneller geht. Aber natürlich dauert es, bis jedes Familienmitglied seinen Platz gefunden hat. Auch mein Mann musste sich auf der Farm erst einmal einen Überblick verschaffen. Ab Februar konnte ich dann mit der pädagogischen Arbeit mit den jungen Männern beginnen. Sie sind mit großem Eifer dabei, das spornt mich an. Der theologische Leiter von Crossroads ist auch begeistert über unsere Zusammenarbeit. Durch meinen Einstieg ins Projekt habe ich gemerkt, dass es richtig war, hierher gekommen zu sein.

Ist es frustrierend, dass es für Mütter immer noch so herausfordernd ist, wieder in den Beruf einzusteigen?

Tabitha Schließer: Ja, das ist hier in Kenia nicht anders. Deshalb war von Anfang an geplant, dass mein Mann und ich uns die Stelle bei Crossroads teilen. Wenn ich dort bin, ist er zu Hause und übernimmt Haushalt und Kinder. Wir müssen sehr diszipliniert sein, dass wir das auch einhalten, gerade für meine Vorbereitungszeiten. Im Nachhinein hat sich gezeigt, wie wichtig es vor allem für die Kinder war, dass ich erst später ins Projekt eingestiegen bin, damit wir als Familie Fuß fassen konnten.

Heimunterricht

Seit Ende März hat das mühevoll aufgebaute Alltagskonstrukt durch die Corona-Pandemie sehr gelitten. Die Freiwilligen, die die Kinder anhand der Deutschen Fernschule unterrichtet haben, mussten unverzüglich nach Hause fliegen. Den Unterricht für die beiden Töchter (1. Klasse und Vorschule) hat Tabitha nun selber übernommen. Den Jüngsten nimmt ihr Mann Philipp mit auf die Farm. Das „Life Skills Training“ liegt vorerst auf Eis.

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen