Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kinderleicht lernen mit Collie IO - Schulhund im Einsatz

DORNSTETTEN (Dekanat Freudenstadt) – Der Collie IO ist einer von 40 Schulhunden in Baden-Württemberg. Mit seinem Herrchen, dem Lehrer Georg Schmied-Holst, arbeitet er an der Eichenäckerschule Dornstetten, einem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum, in dem die geistige Entwicklung gefördert wird. IO hilft den Schülern dabei auf ganz unterschiedliche Weise.

Collie IO Schulhund Dornstetten

Schulhund IO, ein Kurzhaar-Collie, auf seiner Decke.
Foto: Waltraud Günther

IO, ein fünf Jahre alter Kurzhaar-Collie, ist Teil der Gemeinschaft an der Eichenäckerschule. An drei Tagen in der Woche kommt er mit seinem Herrchen Georg Schmied-Holst in den Unterricht. IO hat einen festen Platz: In einer Ecke des Werkraums liegt seine Matte, dorthin kann er sich zurückziehen. Dort bleibt er auch während der großen Pause, während ihn viele neugierige Kinderaugen durchs Fenster beobachten. Die Schülerinnen und Schüler lieben ihren Schulhund. Eifrig und stolz führen sie IO vor und zeigen seinen Steckbrief: IO ist ein Kurzhaar-Collie, der aus der Schweiz stammt. Und weil er so „In Ordnung“ ist, erhielt er den Namen IO.

Schulhund IO ist wertvoll für die Schulgemeinschaft

Die Eichenäckerschule ist eines von 561 sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (die früher als Sonderschulen bezeichnet wurden, heute kurz: SBBZ) in Baden-Württemberg. Die Förderpalette ist vielfältig, die „tiergestützte Pädagogik“ zählt dazu. Wie wichtig der Einsatz von Schulhunden gerade bei Schülern mit Behinderungen ist, kann Sonderschullehrer Georg Schmied-Holst mit vielen eigenen Beobachtungen und Beispielen belegen. Tiere, speziell Hunde, fördern die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen und die Kommunikationsfähigkeit. Tiere helfen, Ängste abzubauen, sie bieten Raum und Gelegenheit für Trost und Zuwendung.

In der Eichenäckerschule kümmert sich eine aus sechs Schülerinnen und Schüler der Berufsschulstufe bestehende Projektgruppe um IO. Gemeinsam wurden in der Projektgruppe die Regeln erarbeitet, die für den tiergerechten Umgang mit IO notwendig sind und die der Collie braucht, um sich in der Schule wohlzufühlen. Sonderschullehrer Georg Schmied-Holst hat die Regeln in Piktogrammen und einem Schaubild festgehalten. Unter einem Foto von IO steht beispielsweise: „Mich darf immer nur ein Kind streicheln“, „Nach dem Streicheln immer Hände waschen“, „Ich darf nur meine eigene Hundenahrung fressen“ oder „In meinem Korb will ich in Ruhe gelassen werden.“

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Bevor Schmied-Holst seinen IO als Schulhund einsetzen durfte, hatte er einige bürokratische Hindernisse zu überwinden. Zunächst musste IO in einer strengen Begleithundeprüfung beweisen, dass er „schulreif ist“, also auch in unerwarteten und schwierigen Situationen souverän und ruhig reagiert. Notwendig waren zudem die Genehmigungen der Lehrerkonferenz, des Elternbeirates und der Schulkonferenz. Auch das Staatliche Schulamt Rastatt musste dem Einsatz des Schulhundes zustimmen, was nach genauer Überprüfung und persönlicher Begutachtung kein Problem war.

Unruhige Schüler nehmen Rücksicht auf Schulhund IO

Weitere wichtige Vorbedingungen waren sowohl der Abschluss einer Versicherung sowie die Abklärung eventueller Hundeallergien bei Schülern oder Lehrern. Unverzichtbar auch die eingehende und regelmäßige Untersuchung des Tieres durch den Tierarzt. Schließlich wurde für IO noch ein eigener Hygieneplan entwickelt, in dem beispielsweise festgeschrieben ist, in welchen Schulbereichen IO keinen Zugang hat – zum Beispiel in der Schulküche.

Im Unterricht selbst ist der Collie auf mehreren Ebenen hilfreich. Einerseits durch seine bloße Anwesenheit; die führt dazu, dass selbst unruhige oder unkonzentrierte Schüler auf den Schulhund Rücksicht nehmen. Hilfreich ist, dass IO Berührungen, Nähe zur Natur und Fürsorge für ein Lebewesen ermöglicht. Die kleinen Pflegearbeiten, die die Schüler für IO übernehmen, reichen vom Wasserholen bis zum Bürsten oder an die Leine nehmen. Auch sie erfüllen eine wichtige Funktion und werden von IO dankbar angenommen.

Die Kinder arbeiten gern mit ihm. Rechts auf dem Bild sitzt Georg Schmied-Holst, IOs Herrchen.
Foto: Waltraud Günther

In der Projektgruppe ist IO jeden Mittwoch Unterrichtsinhalt. Alle befassen sich gemeinsam mit dem Thema Hundehaltung und Hundeerziehung. Sonderschullehrer Schmied-Holst hat die Unterrichtsinhalte individuell auf das Können und die Erfordernisse seiner Schülerinnen und Schüler übertragen. Durch die passgenauen Unterrichtsangebote erweitert er die Fähigkeiten seiner Schüler.

Schulhund IO fördert Kinder

Wie, das wird im Unterricht der Projektgruppe deutlich: Da gibt Meral, die sonst unverständlich und leise spricht, IO klare, laute und richtige Anweisungen. Da erfasst Kevin, ein meist unaufmerksamer und langsamer Schüler, die neue Aufgabenkarte (IO soll die versteckte Stoffmaus suchen und ihm zurückbringen) sofort und gibt IO die hierfür richtigen Zeichen und Befehle. Und da strahlt der stille und ängstliche Lucca über das ganze Gesicht: Gerade hat er IO für seine erledigte Aufgabe (Pfötchen geben) gelobt, daraufhin wurde er vom Schulhund mit Kuscheleinheiten belohnt. Kein Wunder, dass sich Lucca plötzlich fröhlich und gelassen zeigt.

Schulhund IO darf ausruhen, DornstettenGemeinsam hat die Projektgruppe mit IO verschiedene Aufgaben eingeübt. Denn sie bereiten sich auf ihren Einsatz in den umliegenden Seniorenheimen, Kindergärten und Schulen vor. Dort wollen sie über Hundehaltung informieren und zeigen, was IO unter ihrer Anleitung alles kann: „Klein hilft groß“ und „Jung hilft alt“ heißt deshalb ihr Vorhaben, mit dem sie nach Außen gehen.

Ein Vorhaben, dass, so stellt Schmied-Holst fest, bereits in der Vorbereitungsphase das Selbstbewusstsein seiner Schüler enorm gesteigert hat. Denn wenn IO ihre Befehle ausführt, merken die Schüler, dass ihr Tun wirksam sein kann.

Der Einsatz von IO ist für die Schulgemeinschaft wertvoll und wichtig, aber völlig kostenlos. Der Kurzhaar-Collie gehört Georg Schmied-Holst, der bis auf die Schulversicherung alle anfallenden Kosten zu tragen hat. IO begleitet die Kinder und Lehrer fast überall hin. Zuletzt waren alle gemeinsam im Schullandheim in den Niederlanden.

 

Aufgabe erledigt: Der Collie darf sich ausruhen.  Foto: Waltraud Günther

Bereits Hildegard von Bingen hat einst beschrieben, dass Tiere eine besondere Atmosphäre schaffen: „Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.“

Übertragen auf die Eichenäckerschule und den Collie IO könnte man dies „Hund hilft Kind“ nennen.



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