Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kirchen richtig heizen - Energiemanagement - "Klimafasten" (Teil 2)

Weniger Energie zu verbrauchen, tut sowohl dem Weltklima als auch den Finanzen der Kirchengemeinde gut. Worauf also noch warten? Ganz so einfach ist es nicht. Denn richtig Energie einzusparen, heißt, auf viele kleine Dinge zu achten. Und die muss man erst einmal entdecken.

Innenraum Stadtkirche Bad-Cannstatt

Eine Stadtkirche wie in Bad Cannstatt energiesparend zu heizen, ist kompliziert.(Foto: Martin Janotta)

Es ist ein sonniger Februarmorgen, an dem Siglinde Hinderer und Ines Schmauderer vom Umweltbüro der Landeskirche Württemberg zu Gast in Stuttgart-Bad Cannstatt sind. Mit Hausmeister Moritz Blana wollen sie herausfinden, wo im Evangelischen Zentrum und in der Stadtkirche Energie eingespart werden kann.

Energiemanagment, ProtokollSiglinde Hinderer befragt Blana zu Heizung, elektrischen Geräten, Licht und Wasser, orientiert an einem vorgefertigten Fragenkatalog. Ines Schmauderer schreibt mit. Der Katalog sei dazu gedacht, sagt Hinderer, dass Hausmeister und Kirchengemeinderäte damit durch die Gebäude gehen. Hat der Kirchengemeinderat Energiesparen als Ziel vorgegeben, hätten Hausmeister Rückendeckung für unpopuläre Maßnahmen. Etwa die Raumtemperatur herabzusetzen. Zwar solle niemand frierend im Büro sitzen. Aber 25 Grad Raumtemperatur seien definitiv zu viel, sagt die Umweltberaterin.

 

Energiemanagement, Protokoll (Foto: Martin Janotta)

 

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Geht Hinderer durch ein Gebäude wie das Evangelische Zentrum, erfasst sie schnell, wo gespart werden könnte. Sie betastet die Dichtung der Fenster, fragt nach den Programmen der Spülmaschine, schaut, ob sich die Türen der Räume von alleine schließen, blickt in den Heizraum. Es gibt offensichtliche Energiefresser – wie den Kühlschrank im Foyer, in dem lediglich zwei halbvolle Weinflaschen stehen. Und versteckte, wie die Rohre in der Tiefgarage, wo bessere Isolierung rund fünf bis zehn Prozent Energie einsparen könnte.

Energiemanagement, Sieglinde Hinderer, STuttgart

Eine Stadtkirche wie in Bad Cannstatt energiesparend zu heizen, ist kompliziert. Einfach Energie sparen ließe sich beim Kühlschrank. (Foto: Martin Janotta)

„Energiemanagement besteht aus vielen kleinen Maßnahmen“, sagt Hinderer. Die zusammen viel bewirken können. Manche Gemeinde könnte bis zu 20 Prozent Energie einsparen, wenn sie Tipps zum Heizen, Lüften und Stromverbrauch beherzigt. Wer nichts davon tue, könne dagegen schnell doppelt so viel Energie verbrauchen wie ähnliche Gemeinden.

Nicht immer achten alle auf ihr Handeln. Dann können im Grunde sinnvolle Maßnahmen viel Energie verbrauchen. Ein Beispiel sind die Lichter in den Toiletten des Evangelischen Zentrums. Dank Bewegungsmelder leuchten sie nur, wenn jemand reinkommt. Das spart Energie. Eigentlich. Lässt aber einer die Tür auf, geht das Licht jedes Mal an, wenn jemand vorbeiläuft. Das kostet Energie.

Oder: In vielen Gemeindezentren gibt es – sinnvollerweise – eine Temperaturabsenkung nachts. Aber manchmal verschiebt sich die Absenkung, etwa durch einen Stromausfall. Oft um zwölf Stunden. Dann wird die Temperatur tagsüber abgesenkt. „Sie glauben nicht, wie oft das vorkommt und keiner schlägt Alarm“, sagt Siglinde Hinderer. „Viele drehen dann einfach die Heizung höher“, bestätigt Moritz Blana. Blana ist Hausmeister des Zentrums und Mesner der Stadtkirche. Anders als viele Kollegen in kleinen Gemeinden, kümmert sich der junge Mann in Vollzeit um die Gebäude. Auch um die Heizung der Kirche.

Kirchen wie die Stadtkirche in Cannstatt, ursprünglich im 15. Jahrhundert erbaut, wurden jahrhun-dertelang nicht geheizt. Weil wir heute höhere Temperaturen gewohnt sind als Kirchenbesucher früherer Zeiten, „heizen wir ein Stück weit unsere Kirchen, Kunstwerke und Orgeln kaputt“, sagt Siglinde Hinderer. Wer Kirchen zu schnell auf- oder abheize, verändere die Luftfeuchtigkeit in kurzer Zeit – schlecht für Baustoffe wie Holz, Leinwand oder Leder. Es können Risse auftreten, Material quillt auf, Schimmel bildet sich. Die Folge: teure Sanierungen.

Kirche beheizen, Stadtkirche Es gibt zwei Arten von Kirchenheizungen: Raumheizungen und Sitzplatztemperierungen. Kirchen mit Raumheizung werden unter der Woche nicht beheizt oder auf einer Grundtemperatur gehalten. In der Stadtkirche geht die Heizung an, sobald die Temperatur unter 8 Grad sinkt. Zum Gottesdienst wird der ganze Raum langsam erwärmt, bis etwa 17 Grad. Mauern, Bänke und Boden nehmen Wärme auf, die Luftfeuchtigkeit ändert sich nicht rapide.

Eine Sitzplatztemperierung kann nicht den ganzen Raum heizen. Die Temperatur steigt nach dem Einschalten kurz steil an, dann kaum noch. In Bad Cannstatt sind nur die vorderen Bänke mit einer Sitzheizung ausgestattet. Blana macht sie bei Bedarf eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst an und schaltet sie dann wieder aus.

Das Heizen einer Kirche ist teuer. Laut Moritz Blana könne man in der Stadtkirche an einem Tag Beträge im mittleren dreistelligen Bereich verheizen. Also nur heizen, wenn nötig. Proben für Konzerte im Winter etwa sollten nicht in der Kirche stattfinden.

Wenn Heizen in der Kirche früher nicht nötig war, sollte man dann nicht gänzlich darauf verzichten? „Es gibt Leute, die sagen: eine Kirche gehört gar nicht geheizt“, bestätigt Hinderer. Aber das geht ihr zu weit. „Die Besucher sollen sich ja in der Kirche wohlfühlen.“

(Fotos: Martin Janotta)



◼ Fortbildung zum „Energiemanagement in kirchlichen Gebäuden“ am 19. Juni, 14 bis 17.30 Uhr, im Hospitalhof Stuttgart. Kontakt: Ines Schmauderer, E-Mail: ines.schmauderer@elk-wue.de

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