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Knurrlaute mit Schoddo-Soß - Schwäbisch: direkt, bildreich,...

„S’isch gschbassig, dass oin an leera Beudl meh druckt als an volla“ (Es ist schon lustig, dass einen ein leerer Geldbeutel mehr drückt als ein voller). Schwäbisch ist direkt, bildreich, plastisch und kommt fast ohne Fremdwörter aus. Fast – denn viele schwäbischen Wörter kommen aus dem Französischen. Eine kleine Sprachreise zu den Wurzeln und Eigenarten eines Idioms.

Nudeln. Spätzle. Schwäbisch. Foto: Moerschy, pixabay Foto: Moerschy, pixabay

„A Schoddo-Soß“ wird im Wasserbad hergestellt – über heißem Wasser (chaude eau) verrührt. Aber wer kennt das Wort? Schwäbisch wird immer weniger gesprochen. So sterben viele Begriffe aus und gehen verloren. An der Aussprache erkennt man jeden Schwaben weltweit – auch wenn er sich noch so anstrengt. Das „st“ im Wort wird halt immer zu „sch“ – wie bei Fürscht und Luschd. Das ist allerdings hochdeutsch, denn auf Schwäbisch würde es „Gluschda“ heißen.

Zur Aussprache gehören grammatische Sonderwege wie der schwäbische Genitiv – statt „Das ist Karls Sohn“ heißt das einmalig im Schwäbischen: „Des isch em Karle sei Jonger.“ Oder das Nasale – wie etwa in „o‘agnehm“ (unangenehm). Schwäbische Kinder lernen deshalb leichter Französisch. Und dann natürlich das Gutturale. Man nehme nur die Buchstabenfolge „A-h-a“. Im Schwäbischen kann man das zehnmal verschieden aussprechen und jedes Mal sendet man damit eine andere Botschaft. Überhaupt die schwäbische Kommunikation.

Der Schwabe öffnet sich nicht gern

In der Zeit der nachbarschaftlichen Überwachung – also von 1607 bis 1860 – haben die Schwaben sogar das Reden verlernt. Man kann sich auch mit Knurrlauten ausdrücken: „Ond?“ – „Au!“. So hasst es der Schwabe bis heute, ein Gespräch zu eröffnen. Denn wer ein Gespräch eröffnet, öffnet sich, gibt sich preis, lässt in sein Innerstes blicken. Das ist dem wackeren Schwaben ein Gräuel. So hat er eine Methode entwickelt, ein Gespräch zu eröffnen, ohne etwas von sich preiszugeben, indem er genau das beschreibt, was das Gegenüber gerade tut.

Pkw waschen. Foto: Vintage blue, pixabayFoto: Vintage blue, pixabay

Der Nachbar wäscht seinen Wagen. Der Schwabe spricht ihn an: „So, demmer d’r Karra wäscha?“ Das ist der Moment, in dem es sich für den zugezogenen Nachbarn entscheidet, ob er einen Schwaben zum Freund gewinnt, oder die beiden nie mehr ein Wort miteinander wechseln. Die normale Antwort wäre: „Das sehen Sie doch!“. Tja, einmalige Chance verspielt, einen Freund fürs Leben zu gewinnen. Auch Mischehen aus Schwäbinnen und anderen Menschen aller Erdteile scheitern an solchen Feinheiten. „Dätsch m’r net den Müll na-dra?“ meint eben nicht die freundliche Frage, ob man vielleicht so gut wäre, den Müll zu entsorgen. Die schwäbische Botschaft ist klar: „Du! Jetzt! Sofort!“ Die gleiche Botschaft versteckt sich auch hinter dem scheinbar harmlosen „M’r sodd!“. Natürlich sollte man irgendwann, aber der Befehl ist der Gleiche.

So ist auch der schwäbische Humor! Er bringt keine Kalauer und „Schenkelbatscher“. Er kommt auf leisen Sohlen, meistens verdreht – wir Schwaben nennen das dialektisch – um abzuklären, ob das Gegenüber überhaupt bei unserer Gedankenwelt mithalten kann. „Der kocht so guat, von dem seim Roschdbrode hosch zwei Tag lang Muskelkater en dr Gosch!“ (Der Koch macht einen Rostbraten, der ist so zäh, dass man zwei Tage lang seine Mundmuskeln spürt).

So ist der schwäbische Dialekt Heimat, weil Kommunikation auf Augenhöhe. Das gilt auch für das geistliche Leben. So gilt immer noch die alte pietistische Lebensregel: „M’r muaß Hausa aufs ewig Leben ond Beta aufs glei Sterba!“ Eigentlich ein ganzer Brief des Paulus in einem einzigen schwäbischen Satz ausgedrückt.

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