Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kraft zum Weiterlaufen - Impuls zur Predigt

Hebräer 12,1-2 Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.

 

Kraft zum Weiterlaufen

Impuls für den Palmsonntag: Hebräer 11,1-2(8-12.39-40);12,1-3.

Von Eberhard Feucht

Eberhard Feucht ist Dekan des Kirchenbezirks Herrenberg.

 

Eberhard Feucht ist Dekan des Kirchenbezirks Herrenberg. Foto: PrivatAlle zwei Jahre steht der Termin fest in meinem Kalender. 100 Mannschaften fiebern diesem Tag entgegen und quer durch die Generationen stehen die 1000 Läuferinnen und Läufer in den Startlöchern. Sehnsüchtig warten die Hobbysportler auf den Startschuss, der das Läuferfeld durch die Herrenberger Altstadt aufbrechen lässt. Im Team gilt es sich vorher abzusprechen, wer als Erster losläuft und wie die Stabübergabe an die nächste Läuferin erfolgen soll. Dieses Jahr sollte es wieder so weit sein. Eigentlich. Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber der Text aus dem Hebräerbrief hält in mir die Sehnsucht nach diesem großartigen Läufer-Moment wach. So starte ich in Gedanken, laufe los, Schritt um Schritt dem Ziel entgegen. Es kostet Kraft. Kurz vor dem Ziel suchen meine Blicke die Mannschaftskollegin, die mit ausgestreckter Hand auf den Stab wartet. Übergabe geschafft!

Die Stabübergabe von der einen Generation der ersten Christen zur nächsten wurde mit den Jahrzehnten schwieriger. Inzwischen waren die Menschen, die sich in die Nachfolge Jesu rufen ließen, in die dritte Generation gekommen. Nicht nur der politische Druck Roms, sondern auch Mutlosigkeit drohte sich wie Mehltau auf die Christen zu legen. Wie Läufer, denen die Luft auszugehen droht und die keine Kraft zum Weiterlaufen haben, schwand die Motivation: „Wir werden doch kleiner. Was bewirken wir in unserer Gesellschaft?“

Der Hebräertext für den Palmsonntag ist ein Mutwort für Krisenzeiten, weil er zur Zuversicht ruft: Legt ab – den Ballast, der euch am Aufbrechen hindert. Keiner sage, loszulassen wäre einfach. Unsere eigene Lebensgeschichte hindert uns oft daran oder die Unsicherheit, sich in unbekanntes Terrain vorzuwagen. Häufiger trauern wir vergangenen Zeiten nach oder glorifizieren sie. Doch die Wolke der Zeugen erinnert uns daran, wie die Frauen und Männer mit ihren neuen Ideen und Hoffnungen nicht nur angeeckt sind, sondern oft auch spürbaren Widerstand erfuhren. Dem Geist Gottes haben sie die Kraft zu Veränderungen zugetraut.

Lauft los – denn ein Weg liegt vor euch, der zu einem Ziel führt. Wie ein Läufer gilt es, die Kräfte sorgsam einzuteilen, nicht gleich alles auf einmal zu geben und sich auszupowern. „Lauft in Geduld“ rät der Hebräerbrief. Es tut gut, wenn nicht alles sofort geschehen muss, wenn mir auf dem Weg nicht gleich der Geduldsfaden reißt, sondern heitere Gelassenheit mein Schrittgeber wird.

Legt ab – Lauft los –

Seht auf

Seht auf – das Ziel, das ihr vor Augen haben könnt. Seht auf zu Jesus, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens. Der Mann aus Nazareth hat sich mit seiner Lebens-, Leidens- und Auferstehungsgeschichte in die Wolken der Zeugen eingereiht. Noch dominiert an Palmsonntag das laute Hosianna die Straßen Jerusalems. Doch bald wird die Stimmung kippen und der noch lautere Ruf über der Stadt dröhnen: „Kreuzige ihn.“ Jesus ist diesen Weg gegangen, der das Leiden auf sich nimmt.

Das war nicht nur Trost für die angefochtenen Christen des ersten Jahrhunderts, sondern darf auch wie ein Hoffnungsstrahl auf unserem Glaubensweg sein: Dieser Blick auf Jesus!

Foto: unsplash/Karine AvetisyanFoto: unsplash/Karine Avetisyan

Gebet

Gott, Du großes Du, von dem alle Ichs ihre Kraft nehmen.

Wir danken Dir für alle Zeugen Deiner Liebe und Deiner Güte,

für diejenigen, die zur Kette der Zeugen gehören in allen Religionen, Ländern und Zeiten.

 

Eberhard Feucht ist Dekan des Kirchenbezirks Herrenberg.