Christliche Themen für jede Altersgruppe

Krankheit als Botschaft - Was heißt es, Heilung zu erfahren?

Krank zu sein ist ein Zustand, den jedes Lebewesen, egal ob Mensch, Tier oder Pflanze, schon erlebt hat. Was heißt es, Heilung zu erfahren? Darüber haben sich Menschen aus unterschiedlichen Berufen ihre Gedanken gemacht.

Trost. Beistehen.Foto: adobe stock/pattilabelleFoto: adobe stock/pattilabelle

Innere Ängste erleben und loslassen

Körper und Seele sind eine Einheit, daher hängen Heil und Heilung eng miteinander zusammen. In der Krankenhausseelsorge hat Heilung einen großen spirituellen Aspekt. Dieser zielt auf innere Ganzheit und Würde und ist unabhängig von der äußeren Situation und vom Leiden.

 Thomas Dreher, Klinikseelsorger Innere Ganzheit bedeutet für mich, im Hier und Jetzt präsent sein zu können, sich mit Jesus zu verbinden, so dass ich die Liebe im Leben wahrnehmen kann. Diese innere Verwurzelung in Gott trägt auch in Situationen, wo Heilung nicht mehr bedeutet, gesund zu werden.

Immer ist es ein Weg, auf dem ich innere Ängste erleben, aber auch loslassen kann. Ich habe etwa eine Frau im Krankenbett erlebt, die geträumt hatte, sie sei ein Wurm – doch in ihrem Traum findet dieser einen Ausgang. Das kann symbolisch als Rückkehr ins Leben gedeutet werden. Für ihr Gefühl hatte sie damit inneren Frieden und Ruhe gefunden. Heil sein kann aber auch Versöhnung mit schwierigen Situationen bedeuten: Wir müssen das Kreuz auf uns nehmen, um loszulassen und um erlösende, befreiende Erfahrungen machen zu können.

Thomas Dreher, 61 Jahre, Klinikseelsorger und Vorsitzender des Konvents Krankenhausseelsorge der württembergischen Landeskirche. Foto: privat

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Im Einklang mit der Seele leben

Heilung ist für mich mehr, als nur ein Symptom oder eine KrankheitCarmen Schweizer,  Heilpraktikerin. Foto: privat zum Verschwinden zu bringen. Ich verstehe Heilung als einen Prozess des Ganz-Werdens, in dem Körper und Seele wieder zusammenfinden. In diesem Sinne kann Krankheit als eine Art natürliches Warnsystem verstanden werden: Unser Körper zeigt an, dass etwas im Ungleichgewicht ist, dass wir aus dem Takt gekommen sind und nicht mehr im Einklang mit den Bedürfnissen unserer Seele leben. Der natürliche Lebensrhythmus kann dann nicht mehr fließen.

Heilung kann auch geschehen, wenn ich ein Gebrechen annehmen kann, wie es ist. Ein erster Schritt zur Heilung ist, dass ich mir bewusst werde, was für mich im Leben wichtig ist, und ich mich öffne für die Botschaft meiner Erkrankung. Dann kann ich etwas unternehmen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.

Ein Stück Heilung kann auch noch am Ende des Lebens, im Sterbeprozess geschehen: Wenn ich mit mir und meinem Leben ins Reine komme. Und wenn ich annehmen kann, was ist – in voller Akzeptanz.

Carmen Schweizer, 50 Jahre, Heilpraktikerin. Foto: privat

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Foto: unsplash/ F. GallarottiFoto: unsplash/ F. Gallarotti

Mit Widrigkeiten klarkommen

Matthias Kull, Gärtner. Foto: privatWenn Pflanzen geschwächt sind, zum Beispiel durch einen Schädlingsbefall, haben sie ganz unterschiedliche Chancen, sich davon wieder zu erholen und heil zu werden. Wenn die äußeren Faktoren wie ausreichend Licht, Temperatur, Wasser oder Nährstoffe stimmen, kommen sie auch mit Widrigkeiten besser klar.

Das ist ähnlich wie beim Menschen. Pflanzen haben zum Teil auch Abwehrmechanismen, die sie in Stresssituationen einsetzen: Manche produzieren bestimmte Stoffe, wenn sie, etwa durch Schädlinge, angegriffen werden. Man erlebt in der Natur immer wieder Überraschungen. Manchmal sieht eine Pflanze aus wie tot – und erholt sich dann doch wieder, wenn man sich richtig um sie kümmert oder wenn die äußeren Faktoren ihren Bedürfnissen wieder entsprechen. Wenn dann neue Triebe erscheinen und sich sattgrüne Blätter bilden, weiß man: Jetzt wird sie wieder heil.

Matthias Kull, 44 Jahre, Gärtner. Foto: privat

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Foto: adobe stock/ kwanchaiftFoto: adobe stock/ kwanchaift

Das Leben wieder neu ausrichten

Jochen Stiefel, Gefängnisseelsorger. Foto: privatHeilung hat immer etwas mit Wunden zu tun, die heil werden müssen. Auch bei Menschen, die zu Tätern geworden sind, kann es positive Ent-wicklungen geben. Zum Beispiel, indem sie Empathie für ihre Opfer entwickeln. So kann das Gefängnis zu einem Ort werden, in dem Heilung passiert. Für manche kann der Aufenthalt eine Art Asyl sein. Zum Beispiel für Obdachlose, die mit Suchtproblemen zu kämpfen haben. Im Gefängnis erhalten sie Seelsorge und Therapie, sie haben die Möglichkeit, ihr Leben neu auszurichten, so dass Körper und Geist heil werden.

Viele Menschen sind von einer kolossalen Unruhe befallen. Wenn sie hierherkommen, werden sie oft gelassener, das spüren sie selbst. Neulich hat mich einer gefragt, ob er bei mir beichten könne. Er hat mir drei Dinge genannt, die ihn sehr belastet haben, und ich habe ihn gesegnet. Ich hatte den Eindruck, da ist so etwas wie Heilung geschehen.

Jochen Stiefel, 62 Jahre, Gefängnisseelsorger. Foto: privat

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Wenn das Wesen sich verändert

Tina Zink, Tierärztin. Foto: privatWenn ein Tier krank ist, spürt man oft an Kleinigkeiten, das etwas nicht mehr im Lot ist: Es frisst nicht mehr so wie sonst, ist müde, möchte nicht mehr spazieren gehen. Auch das Wesen verändert sich dann. Manche werden aggressiver, halten Abstand oder ziehen sich komplett in sich zurück. Als Tierärztin muss ich mich in das Tier reinspüren und genau hinschauen, was es jetzt benötigt. Das ist ähnlich wie bei kleinen Kindern, die noch nicht reden können. Bei Hausbesuchen ist es leichter, weil die Tiere dann eher sich so zeigen, wie sie sind. Im Unterschied zum Menschen, die sagen, „Es geht mir gut“, verstellen sie sich in der Regel nicht.

Der Zustand eines Tieres spiegelt oft den seines Besitzers wider. Wenn dieser gestresst ist, zum Beispiel durch Trennungen oder Umzüge, kann es sein, dass etwa ein Hund darauf mit Magen-Darm-Problemen reagiert. Ist das Tier geheilt, ist oft auch sein Wesen wieder ein anderes: Es ist dann aufgeschlossener, in sich ruhend.

Tina Zink, 51 Jahre, Tierärztin. Foto: privat/www.fotoketelhohn.de