Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kunstvoll verbinden

SCHORNDORF – „Gemeinschaft. Jetzt!“. Wie ein langes Band umfassen die blauen Buchstaben die Stadtkirche Schorndorf. Das Schriftkunstwerk gehört zu dem gleichnamigen Projekt von Künstlern, Stadtkirchengemeinde, Kulturforum und Stadt. Sie wollen ein Zeichen setzen für Gemeinschaft, Solidarität und Zusammenhalt. Ein Rundgang mit Pfarrerin Dorothee Eisrich.

Die Stadtkirche steht im Zentrum des Schorndorfer Kunstprojekts. Nina Joanna Bergold hat „Zwei im Baumhaus“ (rechts) erdacht. (Foto: Brigitte Jähnigen)

„Wenn sich die Kirche nicht bewegen lässt, dann müssen wir uns bewegen“, sagt Oliver Braig. Um die Schriftkunstarbeit „Gemeinschaft. Jetzt!“ erfassen zu können, muss die Kirche umlaufen werden. Die Arbeit besteht aus 17 Buchstaben zwischen 30 und 120 Zentimetern Höhe und zwei Satzzeichen. Sie ist von den fünf am Projekt beteiligten Künstlern erdacht und wurde von Oliver Braig umgesetzt.

Die spätgotische Stadtkirche mit ihrem 66 Meter hohen Turm prägt die Schorndorfer Altstadt. Auch Touristen und Besucher schauen vorbei. Doch „Kirche lebt, ist kein Museum“, sagt Pfarrerin Dorothee Eisrich. Wie sehr Kirche lebt, zeigt sich auch in Zeiten von Corona. „Die Pandemie hat uns alle unterschiedlich getroffen, manche konnten sich gut zurückziehen, andere traf es richtig hart.“ Das Kunstprojekt soll die Menschen wieder zusammenführen.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Francisco Klinger Carvalho ist der Schöpfer einer Klanginstallation neben dem Haupteingang der Kirche. Klang- und Geräuschaufnahmen aus dem Regenwald ziehen die Besucherin magisch an. Verkohltes Alltagsmobiliar ist um einen ebenfalls verkohlten Baum arrangiert. „Amazonien: Symphonie einer Erinnerung, 2021“ heißt das Werk. Der gebürtige Brasilianer will das Bild reflektieren, dass die Deutschen sich von der Situation im Amazonasgebiet machen. Der riesige Regenwald, der durch Brände und Abholzung verschwindet, wird auf Kleingartengröße reduziert. Für Dorothee Eisrich „ein starkes Mahnmal, das kein momenthaftes Erschrecken, sondern bleibendes Nachdenken“ auslösen will. „Die Pandemie wäre Verschwendung, wenn wir nicht lernen würden, dass wir alle in einem Boot sitzen“, sagt die Theologin.

Andere Formen der Teilhabe

Mit dieser Konsequenz hat sich auch Lambert Mousseka auseinandergesetzt. In Kaurimuscheln, geformt aus Keramik und auf Stelen gesetzt, hat der gebürtige Kongolese kleine Eiben gepflanzt. „Es ist schwierig, etwas zu denken, was uns verbindet, ohne daran zu denken, was uns trennt“, sagt Mousseka. Muscheln und Eiben träfen in ihrer eigentlichen Umgebung niemals aufeinander. „Aber alles trifft sich, irgendwo, irgendwann“, sagt der Künstler. Auch in Krisenzeiten sei jeder getroffen, nur anders. Menschen, die ungeschützt sind, würden in ihrer Existenz bedroht. „Wir brauchen andere Formen von Teilhabe, weltweit“, sagt Dorothee Eisrich.

Versponnen in Isolation, gefangen in einem Netz aus Verordnungen und Anweisungen, der persönlichen Verantwortung beraubt, ist vieles gestorben in den vergangenen Monaten. „Raus aus der Versponnenheit“ haben sich die fünf Künstler gedacht; Nina Joanna Bergold hat diesen Gedanken auf ihre Weise umgesetzt. „Zwei im Baumhaus“ ist ein zwischen zwei Bäumen befestigtes Kunstwerk. Mehrere Hände und ein paar Füße wurden aus PVC-Folie geschnitten und zu einer Art filigranen Messerschnitt gefügt. „Unsere Rezeptoren brauchen das Leben, die Begegnung mit anderen“, sagt Pfarrerin Eisrich. Sie hält gern Zwiesprache mit den Zweien im Baumhaus. Die Pandemie habe die Menschen komplett durcheinandergeschüttelt, Risse offenbart. „Für uns, die wir sowieso schon Individualisten sind, wurde konsequente Distanz das neue Normal“, zieht die Theologin Bilanz.

Für Überraschung und Nachdenklichkeit sorgen auch weitere Kunstwerke wie das von Helga Kellerer. Mit „Weitblick“, zwei überdimensionalen Briefkästen, weist die Künstlerin auf mögliche Kommunikationsformen in einer Pandemie hin. Die können schon mal abweichen: Bei ihr drängeln sich rote Elemente nicht in die Kästen hinein, sondern durch die Einwurfschlitze aus ihnen heraus.

◼ Mehr auf www.stadtkirche.org