Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kurve zum Glauben kriegen - Barfußpfad in der St. Oswald Kirche

ADOLZHAUSEN (Dekanat Weikersheim) – Was zählt, ist der erste Schritt und das gemein-same Weitergehen – auch ohne Pfarrer. Ganz praktisch wollen Frauen und Männer der Kirchengemeinde Adolzhausen ihre Kirche mit Leben erfüllen und zum Nachdenken anregen: zum Beispiel mit einem Barfußpfad in der offenen St.-Oswald-Kirche.

Karin Kraft, Sandra Hartmann und Katrin Striffler (von links) bei der Gestaltung der Station zum Thema „Spuren“ und „Wege“. Foto: Peter KeßlerKarin Kraft, Sandra Hartmann und Katrin Striffler (von links) bei der Gestaltung der Station zum Thema „Spuren“ und „Wege“. Foto: Peter Keßler

Spitzige Holzhackschnitzel oder doch lieber weiches Stroh, herausfordernd oder eher bequem: Welchen Einstieg wähle ich heute für meinen Lebensweg? Der Radfahrer, der auf dem Taubertal-Radweg durch Adolzhausen kommt und dem Hinweisschild auf die „Offene Kirche“ folgt, steht an einem Barfußpfad vorne in der St.-Oswald-Kirche unvermittelt vor dieser Frage.

An den Stationen gibt es Fragen nach „bereichernder Begegnung“ und einem Wegstück, das sich „nicht lohnen musste“. Neben einer Sandkiste liegt das Gedicht „Spuren im Sand“ zum Mitnehmen und Bedenken. So laden die monatlich wechselnden Stationen – im August war es das Thema „Wege“ oder „Spuren“ – an sieben Tagen in der Woche die Gäste nicht nur zur Betrachtung ein, sondern fordern sie zu eigenen Antworten heraus.

Angenehme und holprig-steinige Lebensphasen

Genau das wolle man erreichen, sagt Katrin Striffler vom sechsköpfigen Frauenteam, das die Aktion vorbereitet hat. Passend zu den angenehmen und den holprig-steinigen Lebensphasen hat sie die naturbelassenen Materialien ausgewählt. Körperlich, so ergänzt Sandra Hartmann, solle man da die steilen und sanften Wege spüren, sie durchdenken und am Ende des Rundwegs „die Kurve zum Glauben kriegen“.

Begonnen haben die Organisatoren im Juli mit dem Thema „Wasser“. Bis zum Erntedankfest können Besucher im Chor des Gotteshauses das Thema „Dank“ erleben. „Wir wollen die Besucher ermuntern, nicht nur zu konsumieren, sondern aktiv zu werden“, betont Karin Kraft, die Vorsitzende des Kirchengemeinderats. Ziel sei, auch Menschen, die nicht jeden Sonntag zum Gottesdienst kämen, einen „positiven Eindruck von der Kirche zu vermitteln“ und ihnen „zu zeigen, dass sie hier willkommen sind“.

Kreative Werkstatt - Wir sind die Kirche

Die bisherigen Erfahrungen mit dieser Art der „Offenen Kirche“ sind positiv, versichern die Frauen. Klar sei, dass man 2021 wieder eine „Offene Kirche“ anbieten werde. Nicht alles aber, was angeboten wurde, habe man vor Ort neu erfunden. Es komme darauf an, Mitarbeiter zu motivieren und die vorhandenen Ideen dann gemeinsam so auszugestalten, dass sie für das eigene Dorf passen. Und wenn – wie in Adolzhausen seit einigen Monaten – die Pfarrstelle unbesetzt ist, könne man zeigen, was man gelernt habe. „Wir sind die Kirche“, habe der vorherige Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Bernd Köhn, immer wieder gesagt.

Fußspuren. Sand. Foto: Eric Deschaintre, Unsplash.Neben Adolzhausen gehören die Kirchengemeinden Pfitzingen und Rüsselhausen zur Pfarrstelle Vorbachzimmern. Verantwortliches Denken und Handeln war so auch schon zu Zeiten von Pfarrerin Ina Makowe gefragt. Seit zwei Jahren gibt es die „kreative Kirchenwerkstatt“, zu der sich Leute treffen, die sich „für eine lebendige Kirche interessieren“, erzählt Karin Kraft. Die Gemeindemitglieder planen Filmvorführungen, musikalische Gottesdienste oder solche mit Frühschoppen.

Weil es gemeinsam leichter geht, arbeiten die Kirchengemeinderäte auch während der pfarrerlosen Zeit weiter am Weg hin zur Verbundkirchengemeinde. Konfirmandenunterricht und Konfirmation waren schon bisher gemeinsam gewesen, zu weiteren Aktionen laden die Organisatoren die jeweils anderen Orte gerne ein – etwa zum Adolzhäuser „Kartoffelfest“ im vergangenen Jahr oder zum „Pilger-Gottesdienst“, der diesmal hier im Dorf beginnt.

Weitere Schritte wird es geben, da ist sich die jetzige Vorsitzende Karin Kraft sicher. Der Barfußpfad in der St.-Oswald-Kirche stehe dafür, dass man bereit sei, auch steinige Wege zu gehen, wenn das Ziel stimme. □

◼ Die „Offene Kirche“ in Niederstetten-Adolzhausen ist bis zum Erntedankfest täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

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