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Landessynode im Corona-Modus - Technisch unterstützt

Trotz Abstandsregeln und Hygienevorschriften hat sich die Landessynode zu ihrer Sommertagung nicht nur virtuell getroffen, sondern vor Ort im Stuttgarter Hospitalhof. Eine Tagung mit einer eigenen Atmosphäre und ganz besonderen Herausforderungen.

Blick in den Paul-Lechler-Saal.  (Foto: EMH/Gottfried Stoppel)
Blick in den Paul-Lechler-Saal.  (Foto: EMH/Gottfried Stoppel)

Nein, heute dürfen nur Synodale in den Paul-Lechler-Saal und in das Paul-Lechler-Foyer. Vertreter des Oberkirchenrats haben Zutritt zur Empore, Besucher müssen mit dem Zelt im Innenhof Vorlieb nehmen. Es gilt ein strenges Hygienekonzept bei dieser ersten Sommertagung der neuen Landessynode. Gegen zehn Uhr ist der Andrang am Eingang groß: Die Synodalen kommen gerade vom Eröffnungsgottesdienst und wollen nun zu ihren Plätzen. „Oh, ja, ach so, Hände desinfizieren. Maske aufsetzen“, dann am Tresen den Namen nennen und die Treppe hinauf gehen – noch ist das alles etwas ungewohnt. So manche und so mancher muss erst den Mund-Nasen-Schutz hervorkramen. Gar nicht so einfach, wenn man die Hände nicht frei hat.

Denn neben ihren Taschen und Jacken haben die meisten auch noch kreuzförmige Plätzchen in der Hand, die in Regenbogenfarben verziert sind. Vor dem Eingang stehen Sarah Bareis, Leyla Reinhardt, Phillipp Häge und Franca Schühle. Sie studieren Theologie in Tübingen und gehören der Initiative „Bunt fürs Leben“ an, ein Zusammenschluss von Theologie-Studierenden, der sich für die Trauung für alle einsetzt.

„Die Synode ist neu gewählt, wir wollen uns ihnen einfach einmal vorstellen“, sagt Phillipp Häge. Die Plätzchen direkt an die Synodalen verteilen dürfen sie, aber sie dürfen die Plätzchen nicht auf die Stehtische in Schälchen auslegen.

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Auch der Sitzungssaal bietet bei dieser Tagung einen ungewohnten Anblick. Die Synodalen sitzen einzeln an Tischen, zwei Meter Abstand ist zwischen jedem Platz. Deshalb reicht der Paul-Lechler-Saal nicht ganz aus, manche haben ihre Plätze im angrenzenden Foyer. Dort verfolgen sie die Video-Übertragung aus dem Saal (Livestream) auf einer Leinwand. Zusätzlich sind sämtliche Synodale, auch die, die aus Sicherheitsgründen nicht nach Stuttgart kommen konnten, über das Konferenz-Programm Microsoft Teams digital verbunden. „Ich hoffe nur, dass die Technik nicht streikt“, sagt Pia Marquardt von der Geschäftsstelle der Synode. Sie ist dafür verantwortlich, dass das Organisatorische läuft. Was sonst schon ein enormer Aufwand ist, wird nun durch die Technik noch größer.

Paul-Lechler-Foyer. (Foto: EMH/Gottfried Stoppel)Paul-Lechler-Foyer. (Foto: EMH/Gottfried Stoppel)

„Das ist einfach ungewohnt“, sagt Ulrike Sämann. „Wir müssen uns als Synode ja erst einmal zusammen finden.“ Daher ist sie froh, dass sich die Synode vor Ort trifft. Beate Keller hat ihren Platz im Paul-Lechler-Foyer. „Man fühlt sich etwas ab vom Schuss, wenn man die Tagung über den Livestream verfolgt“, sagt sie. Christoph Schweizer findet seinen Platz im Nebenzimmer „witzig“. „Man fühlt sich so wirklungslos – beispielsweise dann, wenn man klatscht“, denn der Applaus aus dem Nebenraum komme im Plenum eben nicht an.

Durch die digiale Unterstützung ist es einfacher, die einzelnen Wortmeldungen in der richtigen Reihenfolge zu erfassen. Schließlich sollen sich alle über die Chatfunktion melden, wenn sie etwas sagen wollen. Dann hat man es gleich schriftlich, digital. Online-Wortmeldungen sind ziemlich einfach: Derjenige, der redet, wird einfach über eine zweite Leinwand live zugeschaltet. Dafür sind die Wortmeldungen vor Ort etwas komplizierter. Denn nach jedem Redner, jeder Rednerin, müssen Mikrofone und Pult desinfiziert werden. Das dauert ein wenig.

Landessynode - Das Zählen ist nicht so ganz einfach

Abstimmungen sind mühsamer als gewohnt. Zunächst müssen die Stimmen der Synodalen gezählt werden, die im Nebenzimmer sitzen, dann die derer im großen Saal und zu guter Letzt auch die Stimmen derjenigen, die virtuell an der Tagung teilnehmen. Letztere stimmen nicht mit Handzeichen ab, sondern über die Chatfunktion. „Es tut mir sehr Leid, die Abstimmung ist etwas mühsam mit drei Räumen – einem Chatraum, dem Paul-Lechler-Foyer und dem Paul-Lechler-Saal“, sagt die Präsidentin Sabine Foth bei einer der Abstimmungen über einen Antrag. Nach Zählung aller Stimmen ist es eine zuviel. Und das, obwohl mehrere Leute gezählt haben. Die Synodalen nehmen es mit Humor. Also nochmal von vorn. Wer ist dafür, wer dagegen, wer enthält sich? Diesmal klappt es, die Anzahl der abgegebenen Gesamtstimmen passt.

Der Oberkirchenrat auf der Empore (links), alle an Einzeltischen. (Foto: EMH/Gottfried Stoppel)Der Oberkirchenrat auf der Empore (links), alle an Einzeltischen. (Foto: EMH/Gottfried Stoppel)

Normalerweise sitzen auch Journalisten im Saal, zu dieser Tagung haben sie einen separaten Raum im dritten Stock, in dem sie den Livestream mitverfolgen können. Doch die acht Plätze an Einzeltischen sind verwaist. Schließlich kann man einen Livestream auch von zu Hause oder vom Büro aus gucken. Denn wichtig ist bei einer Synode auch das Gespräch in den Pausen, dass man sich mit Synodalen und Oberkirchenräten trifft, Kontakte pflegt, Informationen austauscht.

Das vermissen auch manche Besucher und Besucherinnen im Zelt draußen im Hof. Sie sitzen auf Bierbänken und können gemeinsam den Livestream anschauen. Aber der unmittelbare Kontakt zu den Tagungsteilnehmern fehlt. Wohl deshalb ist manch einer nach einer halben Stunde schon wieder gegangen.

Landessynode - Auch am Buffet ist Maskenpflicht

Eine Tagung mit 100 Teilnehmern will verpflegt werden. Einen Imbiss, Kaffee, Getränke, gibt es am Platz, das war nicht kompliziert. Schwieriger zu planen war für Pia Marquardt das Mittagessen – mit Abstand, Hygiene und so vielen Menschen. Sitzplätze gibt es keine, lediglich viele Stehtische im Foyer des Hospitalhofs und im Hof. An vier verschiedenen Stationen wird das Essen ausgegeben. Salat im Glas, Blätterteigschnecken mit Käse und Feigen, Linsensalat, Falafel und Obstsalat. Die Mitarbeiter hinter dem Buffet stellen die einzelnen Gläser auf Teller, dazu gibt es eine Papiertasche mit Serviette, Besteck und Stohhalm. Denn Gläser gibt es nur am Platz, wer an den Stehtischen etwas trinken möchte, trinkt aus der Flasche oder eben mit dem Strohhalm.

Wer sich etwas geholt hat, sucht sich einen Stehtisch aus und nimmt die Maske ab, die im Treppenhaus und außerhalb des Esstischs getragen werden muss. Andere kommen dazu, und so findet doch statt, was für die Synode so wichtig ist: Das Gespräch mit den anderen. □

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