Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lass dein Angesicht leuchten - Impuls zur Predigt

4. Mose 6,24-27 Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Lass dein Angesicht leuchten

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Trinitatis: 4. Mose 6,22-27.

Von Hans Martin Dober

 

Hans Martin Dober ist Pfarrer an der Versöhnungskirche in Tuttlingen.

 

Hans Martin Dober ist Pfarrer an der Versöhnungskirche in Tuttlingen. Foto: Privat

Segen und Name gehören zusammen. Wenn der Name „in das Chaos des Unbenannten“ einbricht (Franz Rosenzweig), gewinnen wir Orientierung. Wir finden uns zurecht, auch wenn eine Krise kaum etwas so belassen hat, wie es vorher war. Den Namen können wir nennen. Mit ihm können wir einen Zusammenhang sehen, den wir erleben. Mit den Namen verbinden sich Geschichten und Anekdoten. Und die distanzieren uns von einer Wirklichkeit, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint. Wer den Namen eines anderen kennt, kann sich an ihn wenden und mit ihm ins Gespräch kommen.

Der aaronitische Segen, den wir zum Ende eines Gottesdienstes sprechen, ist auf den Namen Gottes bezogen, den Mose erfragte, als er vor dem brennenden Dornbusch stand: „Ich werde da sein, als der ich da sein werde.“ Und dieses Dasein für uns wird an unserer frühesten und tiefsten Lebenserfahrung plausibel gemacht, dass ein anderes Angesicht uns leuchtet. Wenn eine Mutter oder ein Vater den Säugling freundlich anblickt, dann wird das Kind auf eine wohltuende Weise in dieser Welt willkommen geheißen. Und wenn sich auf dessen Gesicht, schlafend nach empfangener Mahlzeit, ein seliges Lächeln zeigt, empfangen die Eltern ihrerseits Freude und Dank für das Geschenk des Lebens.

Ein leuchtendes Angesicht kann einen Lebenslauf begleiten. Es ist ein Zeichen des Glücks, wenn ein Kind beim Auspacken des erwünschten Geschenks strahlt. Oder wenn ein junges Paar auf dem Hochzeitsbild befreit und befreiend lacht. Oder wenn die Partnerin heimkommt nach einem Arbeitstag, freundlich grüßend, mit den Fältchen des Lächelns um die Augen. Güte kann im Lächeln älterer Menschen liegen. Ruhe, Gelassenheit und Frieden kann auf dem Angesicht eines Gestorbenen liegen.

Es tut wohl, wenn das Gesicht eines Menschen leuchtet, weil eine innere Kraft hier sichtbar wird. Weil der Ausdruck des Lächelns sagen kann: Es wird gut, auch wenn manches im Argen liegt. Wenn ein Mensch an einer bedrückenden Erfahrung nicht verzweifelt ist, sondern hindurchgegangen ist, wenn er durch Anfechtungen hindurch seinen Frieden gefunden hat, strahlt das aus. Es bezieht die anderen mit ein. Das sieht man auch auf den großen Werken der Bildenden Kunst, die die unsichtbare Seele ein Stück weit sichtbar machen (wie bei der Mona Lisa Leonardos oder auf den Porträts von Rembrandt).

Ein leuchtendes Angesicht kann einen Lebenslauf begleiten

Das Lächeln im Angesicht des anderen Menschen ist eine Spur zur Erkenntnis der Güte Gottes. Unsere Segensworte folgen dieser Spur. Denn wir können kaum anders als im Vergleich mit dem Menschen von Gott sprechen. Er allein aber verdient, gut genannt zu werden (Markus 10,18), während der Mensch „Gütigkeit“ haben kann. Von ihr „gibt die Freundlichkeit, die sein Lächeln auszustrahlen vermag, ein unwidersprechliches Zeugnis“ (Hermann Cohen).

In diesem Sinne hat auch Martin Luther den aaronitischen Segen ausgelegt: „Gott der Herr erzeige sich dir freundlich und tröstlich, sehe dich nicht sauer an noch zornig, erschrecke dein Herze nicht, sondern lache dich fröhlich und väterlich an, dass du fröhlich und getrost von ihm werdest und eine freudige, herzliche Zuversicht zu ihm habest.“

Foto: Giorgio Parravivini / Unsplash / OmanFoto: Giorgio Parravivini / Unsplash / Oman

 

Gebet

Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns auf unsern Wegen.

Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.

Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns in allem Leiden.

Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.

Eugen Eckert
in Evangelisches Gesangbuch Nr. 171, 1+2


Hans Martin Dober ist Pfarrer an der Versöhnungskirche in Tuttlingen.

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