Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lauschen, Singen, Beten im Kindergottesdienst

Beim Wort »Kindergottesdienst« denkt manch einer an eine sonntägliche Form der Spielgruppe. Doch weit gefehlt: Das Angebot speziell für die jüngsten Gemeindemitglieder ist eine wertvolle Möglichkeit, Glauben kindgerecht zu vermitteln. Ein Besuch bei Federn, Teelichtern und kleinen Lerchen.


Musik und insbesondere das gemeinsame Singen sind eine beliebte Möglichkeit, Kinder für Glauben zu interessieren. Foto: mck

14 kleine Lerchen schmettern konzentriert »Hört, wen Jesus glücklich preist«. Bei jedem »Halleluja« werfen sie die Ärmchen in die Luft. Es ist Kindergottesdienst in der evangelischen Gemeinde St. Johannes in München. Von Anfang an bezieht Pfarrerin Eva Forssman die Kinder mit ein: Was bedeutet das eigentlich genau, wenn man sagt: »Mir ist ein Licht aufgegangen«? Sofort schnellen Hände in die Luft. Aufgeregt rufen die kleinen Sänger ihre Gedanken in den Raum. Auf diese Weise gibt die Pfarrerin das Thema vor, dass diesen Kindergottesdienst bestimmen wird: Licht. Der Kerze, die sie den Kindern hinhält, recken sich viele Freiwillige entgegen: Jeder möchte sie tragen.

In St. Johannes haben die Jüngsten einen hohen Stellenwert – auch dank Pfarrerin Forssman. »Kinder sind Gemeindemitglieder und haben ein Recht darauf, einen ihnen angemessenen Gottesdienst zu finden«, sagt sie. Zwölf Jahre wirkte sie im Vorstand des Landesverbands für evangelische Kindergottesdienstarbeit in Bayern mit, verfasste zahlreiche Bücher zum Thema. Heute ist sie im Gesamtverband für Kindergottesdienst in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) aktiv. Vielleicht erklärt ihr Engagement den hohen Anteil junger Familien, die mit ihren Kindern an dem Münchner Gottesdienst teilnehmen. »Hier wird nicht komisch geguckt, wenn mal ein Kind etwas lauter ist«, erklärt Pia Pichler-Kempf, die an der Planung und Gestaltung der Kindergottesdienste mitwirkt. Mit einem Team von sechs Leuten bereitet Forssman die Kindergottesdienste vor.

KINDERGOTTESDIENSTE laufen im Grunde genauso ab wie die Erwachsenengottesdienste: Die Kernelemente sind die gleichen. Die Liturgie besteht aus Liedern, Gebeten und Psalmen, es gibt einen Verkündigungsteil aus einer biblischen Geschichte. »Im Kindergottesdienst ist die Sprache kindgerechter und die Umsetzung kreativer«, erklärt Forssman. Begleitet von Antonia Schick und Pia Pichler-Kempf gehen die Kinder nach dem gemeinsamen Auftakt mit einigen Eltern in einen anderen Raum, extra gestaltet für den Kindergottesdienst. Auf roten runden Kissen hocken jetzt mehr als 20 Kinder in einem Kreis und schauen die beiden Erwachsenen erwartungsvoll an. Ihr Alter reicht von drei bis elf Jahren. Im Unterschied zu den sogenannten Zwergerl-Gottesdiensten nehmen die Kinder hier schon meist ohne ihre Eltern teil.

Jetzt wird erst einmal die Kirchenjahresuhr an der Wand gestellt. »So lernen die Kinder die liturgischen Farben kennen und wissen, wo wir uns im Kirchenjahr befinden. Sie können zum Beispiel sehen, wie weit Ostern noch entfernt ist«, erklärt Forssman. Ein kleines Mädchen schiebt den gelben Pfeil auf die richtige Position. Lustig wird es bei der anschließenden »Körbchenrunde«. Jeder darf sich bunte Federn, Muscheln und Steine nehmen. Die Federn stehen für etwas, für das man sich bei Gott bedanken will, erklärt Pichler-Kempf, Sonderpädagogin für Kinder mit geistiger Behinderung. Die Muscheln symbolisieren einen Wunsch oder eine Bitte, die man an Gott hat. Und die Steine stehen für etwas, was einen zornig oder traurig macht. Reihum legen die Kinder einen der Gegenstände in das Körbchen. Am beliebtesten sind die weichen Federn. Die siebenjährige Josefine entscheidet sich für eine grüne, weil sie am Nachmittag in den Zirkus geht und deswegen fröhlich und dankbar ist. Auch Luzie freut sich und greift nach einer rosafarbenen Feder: »Mein Oma kommt später«, murmelt sie und legt das Symbol ins Körbchen. Der fünfjährige Julius greift nach einer Muschel. Was er sich wünscht, will er aber nicht verraten.

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Neue Konzepte für Kindergottesdienste

In Deutschland gibt es mittlerweile viele Konzepte für Kindergottesdienste. Zwei Beispiele:

GODLY PLAY: »Godly Play« ist ein Konzept religiöser Bildung, das sich an die Montessori-Pädagogik anlehnt. Entwickelt wurde es in den USA vom ehemaligen Pfarrer Jerome Berryman. Es geht darum, Kinder zu ermutigen, eine eigene theologische Sprache zu finden. Die Kinder sollen mithilfe von speziell für sie entwickeltem Erzählmaterial zu biblischen Geschichten und liturgischen Festen unterstützt werden, eigene Antworten auf existenzielle Fragen zu finden. Mehr: www.godlyplay.de

MESSY-CHURCH: Ein Trend, der aus Großbritannien nach Deutschland kommt ist, ist die sogenannte Messy Church. »Messy« steht dabei für »chaotisch«, »durcheinander«. Die Messy Church ist ein niederschwelliges Angebot für Familien mit Kindern zwischen drei und zehn Jahren. Gemeinsames Essen, Basteln und Spielen sind typische Bestandteile dieser Familiengottesdienste. In Deutschland ist das Konzept als »Überraschungskirche« angekommen.

Ob Kinder etwas mit dem Glauben anfangen können?

Gar vom Glauben an eine Auferstehung? Sie sind ja selbst von ganz anderen Erfahrungen geprägt als die vom Sterben und Wieder-zum-Leben-Kommen. Sie sind im Wachstum, sie blühen gerade mal auf, wie die Frühlingsblumen im Gartenbeet. Sie haben das eine Leben erst vor sich, bevor sie an ein zweites Leben nach dem Tod denken.

Um das zu vermitteln, brauchen Erwachsene aber gute Anleitungen: Wie können sie die Gemeinschaft in der Kinderkirche erleben lassen, mit Tischgebeten gemeinsam das Mittagessen genießen, die Geschichten aus der Kinderbibel erzählen und lebensfrohe Spiele aussuchen?

In diesem Heft finden Sie hoffentlich einige Anregungen dazu.

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