Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lehrhaus der Dankbarkeit - Tipps aus dem Buch der Bücher

Immer wieder fordert uns die Bibel dazu auf, Gott zu loben und zu preisen. Wie das konkret aussehen kann? Aus dem Buch der Bücher lassen sich ein paar Übungen für Dankbarkeit im Alltag ableiten. Eine kleine Zusammenstellung.

Kinder haben oft einen Blick für die schönen kleinen Dinge im Leben. Foto: adobe stock/ denys_kuvaievKinder haben oft einen Blick für die schönen kleinen Dinge im Leben. Foto: adobe stock/ denys_kuvaiev

„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“: Nach jeder Abendmahlsfeier spreche ich den Psalm 103 im Gefühl tiefer Dankbarkeit. Nur beginnt er nicht mit „sei dankbar“, sondern mit „lobe, preise, ja segne!“ Es überrascht, dass es in der hebräischen und griechischen Ursprache des Alten und Neuen Testamentes für „danken“ keinen eigenen Begriff gibt. Die Verben gehen in ihrer Bedeutung weit über das hinaus, was die Übersetzungen wiedergeben.

Und vom Loben, Preisen und Segnen ist die Bibel ja übervoll – ganz im Gegensatz zum eher protestantischen und schwäbischen „Nix gschwätzt isch gnug globt“.

Spaziergänge mit meinen Kindern dauerten früher so lange, weil sie den Blick und die Liebe zum Kleinen hatten. Jedes kleine Blatt, der unscheinbarste Käfer, oder wie sich der Himmel in einer Pfütze spiegelte, begeisterte sie und ließ sie staunen.

Vom Guten erzählen

Das mag eine erste Übung sein, dankbar zu werden: Augen und Ohren aufmachen, sich den Blick für das Kleine bewahren, nichts selbstverständlich nehmen, sich nicht an die Schönheit des Lebens gewöhnen. Von Kindern können wir dieses Staunen, dies strahlende Lächeln, Juchzen und Tanzen, diese unbändige Freude über ein Geschenk wieder lernen und uns bewahren. Dankbarkeit ist eben ein tiefes Umgekehrt lernen Kinder erst im Laufe ihrer Entwicklung, wie wichtig der ausgesprochene Dank für eine Beziehung ist. Denn ehrlich empfundener und ausgedrückter Dank stiftet Beziehung – zu meinen Mitmenschen wie zu Gott. Die Eltern, die Freundin, der Onkel erwarten den Dank manchmal als Gegenleistung. Jeder weiß, wie schwierig das sein kann, wenn die Überraschung zwar gut gemeint ist, aber haarscharf daneben geht. Der Dank an Gott für sein rettendes und lebensförderliches Handeln, ja unser ganzes Leben, kann dagegen niemals eine Gegenleistung sein. Wir bleiben Gott gegenüber gewissermaßen immer Dank schuldig – das gehört zu unserer Grundbestimmung als seine Geschöpfe.

Der Dank gegenüber Gott nimmt in der Bibel einen weit größeren Raum ein als der Dank unter Menschen. Lea dankt Gott für die Geburt ihres Sohnes Juda, Mose stimmt nach der Rettung am Schilfmeer ein Danklied an, auch Jona singt nach seiner Rettung ein Danklied für Gott, Noah dankt für die Bewahrung in der Arche, ebenso Maria für ihren erstgeborenen Sohn Jesus. Überhaupt soll sich Israel dankbar an die Taten Gottes an seinem Volk erinnern.

Nicht vergessen, das wäre eine zweite Übung. Mehr noch, sich immer wieder vergegenwärtigen, was Gott uns Gutes getan hat.

Jüdinnen und Juden feiern zum Gedächtnis an die Befreiung ihrer Vorfahren vor fast 3000 Jahren das Passahmahl. Dabei erzählt der Vater im Familienkreis die Geschichte von der Sklaverei in Ägypten und Gottes rettende Befreiungstat ganz lebendig. Dasselbe tat Jesus mit seinen Jüngern bei dem Pessachmahl, das wir heute als Abendmahl feiern. „Das tut zu meinem Gedächtnis“, hören wir dabei.

Man könnte meinen, Danken sei etwas vom Schönsten. Trotzdem kommt es erstaunlich selten vor. Wie kommt das? Darauf antwortet die Geschichte von den zehn Männern, die schwer an Aussatz erkrankt sind und deshalb isoliert werden müssen. Das Wunder passiert: Jesus kann sie heilen! (Lukas 17,11)

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Erinnerungsspuren von solch einer Erfahrung lassen sich auch in der eigenen Seele wiederfinden. Momente unendlichen Glücks, wo das eigene Herz vor Dankbarkeit überfließt – bei der Geburt eines Kindes. Oder nach schwerer Krankheit, wo es nach der Operation heißt: alles gut verlaufen! Wenn sich Dinge auf wundersame Weise fügen, da ist es nicht nur eine Floskel, sondern kommt aus tiefstem Herzen, zu sagen: Gott sei Dank!

Und manch einem, manch einer ist es auch gegeben, solche Erinnerungen in der eigenen Seele lebendig zu halten und dann dankbar aus vollem Herzen und unter Tränen mitzusingen – eine dritte Übung: „Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet/der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet./In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet!“

Das andere kennen wir jedoch auch: Zeiten im Leben, wo das alles ziemlich fern liegt. Weil es solche Momente des Glücks schon lange nicht mehr gegeben hat und man alle Kraft braucht, um über die Runden zu kommen. Weil vieles so selbstverständlich geworden ist, auch das Gute. Oder weil man noch ganz erschüttert ist von schlimmen Nachrichten. Gott danken – wofür?

Ein neuer Blick aufs Leben

Dorothee Sölle spricht das aus, was wohl viele empfinden, doch sich so nicht auszudrücken trauen: „Warum ich Gott so selten lobe/fragen die Freunde immer wieder/verdammt bin ichs denn/war der Bund nicht zweiseitig/dass er etwas lobenswertes tut oder vorbeischickt/ und ich etwas zum loben entdecke …“

Zehn Aussätzige werden von ihrer Krankheit geheilt, aber nur einer bedankt sich. „Warum nur einer? Was ist mit den anderen?“ fragt auch Jesus. Einer mag sich über seine Heilung zwar gefreut haben, aber nicht zu sehr. Wer weiß, ob die Heilung wirklich von Dauer ist…? Ein anderer hat immer die vor Augen, die nicht geheilt wurden. Gott loben, während die anderen leiden? Das verschließt ihm die Kehle.

Am Ende spricht Jesus zu dem, der sich bedankte: „Steh auf, geh hin. Dein Glaube hat dir geholfen. Dein Glaube hat dich gerettet.“ Neben der medizinischen Heilung gab es für ihn Rettung seiner Seele, Hilfe für sein ganzes weiteres Leben.

Regenbogen. Foto: public domain, pixabayFoto: public domain, pixabay

Es wäre eine vierte Übung: Zu sehen, was neu geworden ist, und dort Gott zu danken, ganz bewusst. Wie Dorothee Sölle noch im gleichen Atemzug auf ihre Klage folgen lässt: „Jetzt habe ich mir vorgenommen/jeden Tag drei Sachen zum Loben zu finden ...“

Der Theologe Fulbert Steffensky sagte einmal: „Wer sich einübt ins Gotteslob, lernt die Kunst, bedürftig zu sein.“ Er ist sich selbst nicht genug, braucht Gott und die Menschen. Nimmt das ganze Leben als Geschenk, das man sich nicht verdient und das unbezahlbar ist. Nichts macht uns menschlicher als das Lob Gottes.

Wenn ich mir am Ende des Lebens etwas wünschen dürfte, dann wäre es wohl dies: dankbar auf dieses Erdenleben zurückschauen und Gottes überschwängliche Gnade preisen zu können. Wie es in Psalm 103 heißt: „Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.“

Anne-Kathrin Kruse ist Dekanin des Kirchenbezirks Schwäbisch Hall.

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