Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lichtblick für Familien

Seit 90 Jahren bildet die Evangelische Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal  Familienpflegerinnen und -pfleger aus. Diese kümmern sich um überlastete Mütter und ihre Familien. Doch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich im Laufe der Jahrzehnte verändert – und stellen heute die Mitarbeiter bei ihrem Einsatz vor neue Herausforderungen. 

Die künftigen Familienpflegerinnen beschäftigen sich in ihrer Ausbildung mit Grundlagen der Hauswirtschaft, Pflege und Erziehung. (Foto: Ev. Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal)


90 Jahre später haben sich die Familienstrukturen gravierend geändert: Großfamilien mit sechs Kindern, wie damals üblich, gibt es heute kaum noch. Doch Familienpflegerinnen werden immer noch benötigt. Heute stehen sie vor neuen Aufgaben, die zusätzlich Flexibilität erfordern. So gibt es in den Familien „immer mehr psychische Erkrankungen“, berichtet Sandra Pfeifer. Die Leiterin der Familienpflege bei der Sozialstation Leonberg und Lehrerin an der Evangelischen Berufsfachschule für Haus- und Familienpflege in Korntal beobachtet, dass sich viele Mütter heute mit ihrer Aufgabe „völlig überfordert fühlen“.

Ein Grund dafür liegt ihrer Ansicht nach darin, dass feste Strukturen und Rituale  seltener geworden seien. Auch die unzähligen Möglichkeiten an Freizeitgestaltung setzten viele Familien unter Druck. Und anders als früher entfalle die Unterstützung durch die Großfamilie. „Die Familien sind zersiedelt, die Arbeitszeiten der Väter oft unregelmäßig.“

Familienpflegerinnen sind auf die veränderten Strukturen eingestellt und versuchen, darauf zu reagieren. „Sie trainieren etwa mit den Familien etwa regelmäßige Essenszeiten“, berichtet Pfeifer. Vor allem bei Kindern, deren Mutter psychisch erkrankt ist, seien solche Rituale wichtig, damit der Alltag bestehen bleibe.

Zu den weiteren Herausforderungen, mit denen Familienpflegerinnen zunehmend konfrontiert werden, gehört die Betreuung von Flüchtlingsfamilien. Interkulturelles Lernen sei natürlich Teil der Ausbildung, erzählt Tabea Kimmich, Familienpflegerin und Einsatzleiterin. „Dort erfährt man zum Beispiel, was Ramadan bedeutet.“ Und wenn etwa türkischstämmige Auszubildende im Kurs dabei seien, die entsprechendes Wissen vermitteln können, stehe auch mal gemeinsames Kochen nach ausländischen Rezepten auf dem Programm.

Doch in der Praxis müsse man viel improvisieren, „sich mit Händen und Füßen verständigen und ein Gefühl dafür entwickeln, wo man gebraucht wird“. Am effektivsten sei es, das Kochen gemeinsam zu meistern, sich ungewohnte Abläufe zeigen zu lassen. 33 Schülerinnen und zwei Schüler absolvieren derzeit die insgesamt drei Familienpflege-Ausbildungskurse in Korntal. Der Bedarf an Familienpflegern ist sehr hoch, doch die Schülerzahl, wie in vielen anderen Schulen, rückläufig, sagt Ulrike Leopold, die der Schulleitung tätig ist. Und das, obwohl es in ganz Baden-Württemberg nur zwei Familienpflege-Schulen gebe. „Doch viele Menschen wissen leider gar nicht, dass es diesen Beruf gibt.“ Dass der Verdienst nicht sehr hoch sei, dafür jedoch bei den Arbeitszeiten viel Flexibilität gefordert werde, spiele sicher auch eine Rolle. Doch der Beruf kann trotzdem viel Freude bereiten – davon ist zumindest  Tabea Kimmich, selbst ehemalige Schülerin in Korntal, überzeugt. „Durch meine Tätigkeit kann ich Familien einen Lichtblick geben, ihnen Hoffnung vermitteln – und helfen, wo Hilfe notwendig ist.“

Information

Familienpfleger und -pflegerinnen werden eingesetzt, wenn eine Familie durch eine Krisensituation in Not gerät.  Sie unterstützen diese im Alltag. Dazu gehört vor allem die Versorgung und Betreuung der Kinder, Haushaltstätigkeiten wie Kochen und Einkaufen sowie Pflege.

Die Evangelische Berufsfachschule für Haus- und Familienpflege, die sich in Trägerschaft der Evangelischen Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal befindet, bildet Familienpflegerinnen aus. Die dreijährige Ausbildung ist untergliedert in eine zweijährige schulische Ausbildung, die mit der Abschlussprüfung endet. Danach wird das einjährige Berufspraktikum mit Kolloquium absolviert. Es folgt die staatliche Anerkennung. Inhaltliche Schwerpunkte der Ausbildung sind Pflege, Hauswirtschaft und Erziehung. Dazu gehören auch Praktika, etwa in Säuglingspflegestationen, in einer Behinderteneinrichtung und einer psychiatrischen Einrichtung.

Mehr Informationen im Internet unter www.evdiak.de/index.php/de/ausbildung/ab-familienpflege