Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lichtspender auf der Burg

HECHINGEN (Dekanat Balingen) – Kerzenschein und meditative Lieder aus Taizé ? die „Nacht der Lichter“ ist in Hechingen etabliert. In diesem Jahr war die Atmosphäre besonders stimmungsvoll: Erstmals feierten die rund 1000 Besucher auf der Burg Hohenzollern, hoch über der Stadt. 

Nach Einbruch der Dunkelheit: Alle genießen die Atmosphäre.  (Foto: Frank Engelhardt)


Die Sonne versinkt langsam am Horizont, die sommerliche Hitze des Tages weicht Stück für Stück der abendlichen Kühle. Die Dunkelheit bricht über der Burg Hohenzollern herein. Auf dem Zeugenberg am Rande der Schwäbischen Alb frischt der Wind immer wieder auf. Und doch zieht es zahlreiche Menschen hinauf auf die Festung in 855 Meter Höhe. Zielstrebig und doch mit einer gewissen Gelassenheit erklimmen die Gäste an diesem Samstag die letzten Meter hinauf in den Burggarten. Denn: Die erste Taizé „Nacht der Lichter“ auf der Burg Hohenzollern beginnt bald.


Initiiert und organisiert hat diesen Abend das ökumenische Taizé-Team um Alexander Baumgärtner, Kantor an der evangelischen Johanneskirche in Hechingen. Der Balinger ist seit zwölf Jahren zuständig für die Kirchenmusik, die Kirchenchorarbeit und die Jugendband Holy Beatz.


Die Lieder von Taizé, der kleinen Ortschaft in Südfrankreich, wo Frère Roger eine ökumenische Kommunität entwickelt hat, sind in der ganzen Welt beliebt. Auch in Hechingen stehen sie seit Jahren hoch im Kurs, und zwar nicht nur bei Jugendlichen, sagt Baumgärtner. „Ich habe schnell gemerkt, dass diese Lieder bei uns in der Gemeinde alle Generationen ansprechen, so haben wir vor mittlerweile acht Jahren ein ökumenisches Taizé-Team gegründet.“ Verschiedene Aktionen und Veranstaltungen folgten, unter anderem die Nacht der Lichter in Hechingen. Die hat sich mittlerweile längst etabliert – und ist auch den Mitarbeitern auf der Burg Hohenzollern bestens bekannt, wie der Kantor erfreut feststellen durfte.

 

 

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„Durch meine verschiedenen Tätigkeiten habe ich über die Jahre auch immer wieder mit den Verantwortlichen der Burg zu tun gehabt – und irgendwann stellte sich uns die Frage: Können wir die Nacht der Lichter nicht auch einmal dort oben machen?“, erzählt Baumgärtner. Der Kantor stieß bei der Burgverwalterin Anja Hoppe und ihrem Team auf offene Ohren, schnell wurden die Überlegungen konkreter. „Und so ist dieses neue Projekt entstanden und vor einem guten Jahr ins Rollen gekommen.“Wer Taizé kenne, vielleicht schon einmal selbst dort gewesen sei, der wisse um die besondere Atmosphäre, meint Baumgärtner. Die Nacht der Lichter soll diese Atmosphäre widerspiegeln, mit vielen Kerzen, viel Gesang – und mit Unterstützung von verschiedenen Instrumentalisten und Solisten aus der Umgebung. Die waren für das neue Projekt auf der Burg Hohenzollern schnell gefunden. Insgesamt 75 Sängerinnen und Sänger, die Posaunenchöre aus ­Hechingen und Haigerloch sowie die Jugendband Holy Beatz waren bei der Premiere dabei.


Alle Akteure unter einen Hut zu bekommen, sei dabei kein leichtes Unterfangen gewesen, sagt der Kantor. Schon aufgrund der räumlichen Gegebenheiten in Hechingen und den zur Verfügung stehenden Probelokalen mussten sich Instrumentalisten und Sänger jeweils für sich auf die Veranstaltung vorbereiten. Am Abend des Open-Air-Gottesdienstes fanden schließlich alle Beteiligten erstmals zusammen. „Das war natürlich eine echte Herausforderung, nicht nur organisatorisch, sondern auch von technischer Seite aus“, gibt Baumgärtner zu. Aber der Aufwand habe sich gelohnt.


Schon lange vor Beginn des Taizégottesdienstes sind die Sitz- und Stehplätze dicht belegt. Pfarrer Frank Steiner vom Pfarramt Rangendingen/Hechingen Nord steht an einem der Zugänge zum Burggarten und verteilt zusammen mit vielen anderen Helfern kleine Kerzen an die letzten Besucher. Dann wird es langsam still auf der Burg und Pastoralreferent Peter Duttweiler von der Seelsorgeeinheit St. Luzius Hechingen begrüßt die Gäste. Rund 1000 Gottesdienstbesucher haben den Weg auf das Wahrzeichen des Zollernalbkreises gefunden.


Duttweiler erklärt kurz den Ablauf des Abends und übergibt dann an den musikalischen Leiter Alexander Baumgärtner. Den offiziellen Auftakt des Taizégottesdienstes markiert das Mottolied des Abends „Preist den Herrn, unsern Gott (Bénissez le Seigneur)“. In den Liedern gehe es um die frohe Botschaft, die Botschaft Jesu Christi, sagt Baumgärtner und lässt seine Sänger einstimmen.


Die Burg stelle das ideale Ambiente für einen solchen Open-Air-Gottesdienst im Sommer dar, hier seien die Gläubigen dem Himmel ganz nah, sagt der Kantor noch vor dem ersten Ton. Und er soll Recht behalten: Das monatelange Proben zahlt sich jetzt aus, die Sänger trotzen dem Wind und verschmelzen Stück für Stück mit den Instrumentalisten.


Kein Gedanke mehr an die fehlenden gemeinsamen Proben, die Harmonien verbinden die Protagonisten und ziehen die Zuhörer zusehends in ihren Bann. Viele von ihnen haben ein Buch mit Taizéliedern mitgebracht und stimmen mit ein: „Magnificat“, „Ubi caritas“, „Bleibet hier“ und „Laudate omnes gentes“.
Andere Gottesdienstbesucher lassen die Stimmung und die Lieder ganz auf sich wirken. „Es ist diese meditative Wirkung der Lieder, die mich begeistern, seit ich mit 19 Jahren das erste Mal in Taizé war“, erzählt eine Sängerin. „Taizé ist für mich ein Ort, an dem Gott unmittelbar spürbar ist, denn diese Zusammenfügung von verschiedenen jungen Leuten und von allen Generationen, sehr vielen christlichen Organisationen – orthodoxe, katholische und evangelische – ist einmalig“, erzählt sie. Alle Menschen seien hier vereint im Grundsatz „Gott ist nur Liebe“. „Man findet eine Ruhe und eine Kraft, die einen durch das Leben geleitet.“ Und das auch in schweren Stunden.


Kurz vor Ende des offiziellen Teils wartet ein weiterer Höhepunkt des Abends auf die Gäste: Verantwortliche Liturgen des Taizéteams spenden persönliche Urlaubs- und Reisesegen für Familien, Ehepaare und Singles.
Viele Gläubige nehmen die Möglichkeit wahr, während andere ganz versonnen auf ihrem Platz verweilen, mit einer Kerze in der Hand. Ein ganzes Meer der kleinen Lichtspender ist an mehreren Stellen im Burggarten verteilt, sicher verwahrt in Honig- und Einmach­gläsern. Mit ihrem fahlen Lichtstrahl geben sie der Szene etwas besonders Feierliches.


„Gerne wären wir mit den Besuchern auch noch zusammen zu einer kleinen Fackelwanderung aufgebrochen“, sagt Baumgärtner. „Aufgrund der hohen Waldbrandgefahr mussten wir das leider absagen.“ Der Chor setzt nach dem Segen wieder ein. Jetzt, ganz von der Dunkelheit eingehüllt und nur von einzelnen Kerzen erhellt, ist Taizé zum Greifen nah. Weitere Lieder folgen, viele Besucher harren lange aus, nur langsam leert sich der Burggarten.

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