Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... Besuche schaffen Verständnis

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblatts. Foto: privat/Canva

Anfang September fand in Karlsruhe die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen statt. Tausende Christen aus aller Welt haben zusammen Gottesdienste gefeiert, gebetet, Erfahrungen ausgetauscht und Pläne für die Zukunft geschmiedet: Wie können wir Christen eine gerechtere Welt schaffen. Darum ging es.

Ich war nicht in Karlsruhe, ich war im Urlaub. Aber ich habe auch Erfahrungen gemacht mit der Ökumene, und zwar bei der Konfession, die in Karlsruhe nur als Gast dabei war. Ich war in Frankreich und bin am Sonntag in der kleinen Dorfkirche in den Gottesdienst gegangen. In eine katholische Kirche, Protestanten gibt es dort kaum. Am Eingang bekam ich ein Gottesdienstblatt mit Liedern und Lesungen. Damit konnte ich dem Gottesdienst erstaunlich gut folgen, obwohl mein Französisch erbärmlich ist. Bevor der Gottesdienst anfing, ist der Pfarrer herumgegangen und hat viele Gemeindeglieder persönlich begrüßt. Eine Orgel gab es nicht, stattdessen hat ein sympathischer alter Herr einen winzigen Chor dirigiert, der den Gemeindegesang unterstützt hat. Die Predigt habe ich nicht verstanden. Wie gesagt, mein Französisch … Aber ich habe gespürt, dass der Pfarrer die Menschen in der Kirche direkt angesprochen hat, er musste manchmal schmunzeln und die Gemeinde auch. Im Fürbittengebet hat er nicht nur für die Kirche, die Welt und den Frieden, sondern offensichtlich auch konkret für Gemeindeglieder gebetet. Und am Schluss hat er ganz fröhlich die Familie mit den fünf lebhaften Kindern, die demnächst Taufe feiern wollen, zu sich in die Sakristei gebeten. Beim Rausgehen habe ich mich mit den Christen dort in dem französischen Dorf verbunden gefühlt. Ich hatte etwas von ihnen erfahren und für manche von ihnen gebetet. Mich hat das bewegt.

In Karlsruhe bei der Vollversammlung des Ökumenischen Rates hat am Tag darauf eine junge indische Christin gesagt: „Wir brauchen eine völlige Transformation unserer Köpfe, unserer Herzen, Münder und Hände zu dem hin, was wir beten.“ Das habe ich im Internet gelesen. Transformation heißt Verwandlung, Umgestaltung: Ich glaube, mit Besuchen in den Gottesdiensten der anderen könnte so eine Veränderung anfangen – nicht nur in Karlsruhe, sondern an vielen Orten.

Das meint Lucie Panzer. Was meinen Sie?