Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... Bürokratie soll den Bürgern dienen

 Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Canva

Warum dauert das denn alles so lange? Das fragen viele jetzt in der Pandemie. Es gibt Pläne, Gesetze, Regelungen, Verordnungen – und ein paar Tage später andere Pläne und Verordnungen. Bloß voran geht es nicht wirklich.

Lange dauert es aber nicht nur in der Pandemie. Wer zum Beispiel bauen will, und wenn es nur ein kleiner Anbau ist, der kennt das auch. Es kann Monate dauern, bis man anfangen kann. Bei Großprojekten sind es oft Jahre, bis alle rechtlichen Fragen geprüft, alle Gutachten eingeholt, alle Anträge gestellt sind.

Die Bürokratie! Seufzt man dann. Alles ist geregelt, aber nichts geht voran.

Bürokratie ist ein Segen

Dabei: Eigentlich müssten wir doch froh sein, dass wir die Bürokratie haben. Gesetze, Regeln, Verordnungen: Ist das nicht besser als wenn einzelne Mächtige nach Gutdünken entscheiden? Oder wenn man mit Geld die Rechte kaufen kann, die man braucht? Bürokratie verhindert Willkür. Jeder und jede hat die gleichen Rechte. Ich finde, das ist eigentlich ein Segen.

Aber das Leben ist halt vielfältiger als die Normen und Verordnungen der Bürokratie. Deshalb braucht es dann Ausnahmeregelungen und Sonderregelungen. Und dann wird es kompliziert. Und langwierig, bis alles geprüft ist. Und am Ende gibt es wieder Einzelfälle, die nicht berücksichtigt sind und sich ungerecht behandelt fühlen. Manches kommt vor Gericht. Und das dauert dann…

Jesus und die Bürokratie

Jesus hatte übrigens auch seine Probleme mit der Bürokratie. Er kam mit den Sabbatgeboten seiner Zeit in Konflikt. Was man am Sabbat darf und was nicht, dass war mit -zig Verordnungen geregelt. Aber wenn nun einer Hunger hat? Muss er am Sabbat dann hungern? Für Jesus war klar: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.“ (Mk 2, 27)

Nun hatte so ein Wanderprediger vielleicht leicht reden. Er hatte lediglich seine hungrigen Jünger vor Augen. Und hat in Kauf genommen, dass die Bürokraten seiner Zeit fanden: „So geht das nicht! Wo kämen wir denn da hin?“

Die Bürokratie soll den Bürgern dienen. Wahrscheinlich bräuchten wir mehr Mut, die bürokratischen Regeln in diesem Sinn auszulegen. Allerdings frage ich mich: wer ist wir? Die Bürger, die Beamten, die Politiker?

Was meinen Sie?

 

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