Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint … Freiheit meint immer auch andere

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblatts. Foto: privat/Canva 

Ich lasse mir nichts vorschreiben. Ich will tun und lassen, was ich will.“ Seitdem der erste Schrecken der Corona-Pandemie vorbei ist, hört man das oft. Das Tragen einer Maske, die dringende Empfehlung, sich impfen zu lassen – viele wollen das nicht. Und jetzt, wegen der Energieknappheit ist es dasselbe. „Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wie ich heizen, duschen oder Strom sparen soll“, sagen wieder viele und sind empört. „Ich weiß selber, was gut für mich ist, sagen sie. Ich will tun und lassen, was ich will.“

Vor gut 500 Jahren hat Martin Luther etwas Ähnliches geschrieben. Im Sommer 1520 kam seine Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ unter die Leute. Darin schreibt er: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan“. Gott ist denen gnädig, die an ihn glauben, sollte das heißen. Es stimmt nicht, wenn sie sagen: Nur wer der Obrigkeit gehorsam ist, kommt in den Himmel. Dieser Glaube hat Luther stark und frei gemacht sogar gegen den Kaiser und den Papst aufzustehen und zu sagen: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders."

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr aller Dinge“: Für Luther hieß das aber ganz und gar nicht: Ich will tun und lassen, was ich will. Er hat in seiner Freiheitsschrift nämlich noch einen anderen Satz dazu geschrieben. „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Freiheit hatte für ihn mit Verantwortung zu tun und mit Nächstenliebe. Christen tun, was das Zusammenleben besser und das Leben der anderen leichter macht. Luther hat sich für die Befreiung seiner Mitchristen von Höllenangst und finanzieller Ausbeutung eingesetzt.

Freiheit ist nicht bloß Freiheit von etwas, sondern auch Freiheit für etwas. Wenn es für Alte und Kranke, wenn es für das Gesundheitssystem besser ist, dann bin ich bereit, die Corona-Regeln einzuhalten. Wenn Energie knapp ist, dann gehe ich sparsam damit um. Nicht nur wegen meines Geldbeutels oder weil Politiker es empfehlen, sondern damit es für alle reicht.

Am 31. Oktober ist Reformationsfest. Ich feiere das auch in diesem Jahr. Als Erinnerung an die Freiheit der Christen, die für andere tut, was sie kann.

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?