Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint... Gleiches Recht für alle!

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblatts. Foto: privat/Canva

Ich war empört, als ich von der kirchlichen Trauung von Bundesfinanzminister Christian Lindner mit seiner Partnerin Franca Lehfeld auf Sylt gehört habe. Beide sind seit langem aus der Kirche ausgetreten. Gottesdienste aus Anlass einer Eheschließung sollten doch eigentlich nur stattfinden, wenn wenigstens einer der Ehepartner der Kirche angehört! Aber Geld und Prominenz machen auf der Promi-Insel Sylt anscheinend alles möglich. So dachten und denken wohl viele, noch in der letzten Woche gab es in meiner Tageszeitung eine halbe Seite mit Leserbriefen zu diesem Ereignis.

Nachdenken

Inzwischen habe ich mich genauer informiert und gründlicher nachgedacht: Der Gottesdienst wurde von der zuständigen Pfarrerin gehalten. Sie hatte vorher mit den Brautleuten gesprochen, die wohl ausdrücklich um den Segen in einer Kirche gebeten haben. Im Gottesdienst wird sie sicher vom Evangelium vom barmherzigen Gott gesprochen haben, der „Leben in Fülle“ für alle seine Geschöpfe will. Dass der Philosoph Peter Sloterdijk auch in dem Gottesdienst gesprochen hat, finde ich in Ordnung. Eine Beteiligung von Freunden, Trauzeugen oder z.B. Taufpaten ist im Gottesdienst willkommen. Ich gehe davon aus, dass das Ehepaar Lindner/Lehfeld bei diesem Anlass etwas  gespendet hat. Ich habe bei Trauungen immer mit dem Brautpaar immer verabredet, für welchen Zweck bei diesem Anlass geopfert werden soll.

Umdenken

Beim Nachdenken ist mir dann die Geschichte vom verlorenen Sohn eingefallen. Nun würde ich niemals wagen, Christian Lindner als verlorenen Sohn zu bezeichnen. Aber in dieser Geschichte gibt es ja noch einen zweiten Sohn. Den, der immer brav zu Hause geblieben ist. Der ärgert sich später dann furchtbar, als der Vater für den zurückgekehrten Verlorenen ein großes Fest feiert. Mit meiner Empörung über die Lindner-Trauung kam ich mir ein bisschen vor wie so eine brave Schwester. Haben wir Christen nicht von Jesus gelernt, dass er gerade nicht nur für die Frommen und Kirchentreuen da war, sondern besonders für die Randständigen und Entfernten?

Bloß: Solche Gottesdienste dürfen natürlich nicht nur für Prominente möglich sein. Die Barmherzigkeit Gottes gilt für jeden und jede. Gleiches Recht für alle!

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?