Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... „Jauchzet frohlocket“ statt „Stille Nacht“

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblatts.   Fotos: privat, Canva

Die Klagen vor Weihnachten gehen mir manchmal auf die Nerven: Das sei doch nicht mehr das Richtige so – zu viel Kommerz, zu viel Hektik, zu viel schlimme Nachrichten auch. Von „Stille Nacht“ keine Spur. Das sagen viele. Und manche wollen dann gar nichts mehr von Weihnachten wissen, fahren irgendwo hin, wo es warm ist und man baden kann oder wo Schnee liegt zum Skifahren.

Fröhliche Unruhe

Ich muss sagen, ich habe die Unruhe vor Weihnachten immer genossen und genieße sie noch. Die Erwartungen der Kinder, die Proben fürs Krippenspiel, die vielen Gespräche „wer besucht nun wen und was essen wir“, Geschenke basteln oder kaufen und schließlich alles Verpacken. Und zwischendrin Backen und eine Predigt schreiben. Ich fand das schön und mache mir immer noch viel Mühe wegen Weihnachten.

Und wenn ich es recht überlege: War denn Weihnachten jemals „Stille Nacht“? Die Bibel berichtet: Steuerschätzung, alle Menschen unterwegs, die Suche nach Unterkunft, eine Geburt im Stall, Hirten auf dem Felde, Engel und himmlische Heerscharen. Ich stelle mir das alles gar nicht still vor. Das war ein Hin und Her, Geschrei und Rufen, Lichterscheinungen am Himmel, Leute, die neugierig waren und sehen wollten, was da los war. Leute, die das alles schließlich weitererzählt haben.

Gott ist mittendrin

Und die späteren Weihnachtsgeschichten: Mich haben immer die am meisten berührt, in denen von Menschen in Leid und Einsamkeit, in Krieg und Hunger die Rede war. Und dann konnte doch Weihnachten werden. Sie waren beieinander, sie haben geteilt, was es gab, sie haben sich frohe Weihnachten gewünscht, hatten vielleicht eine einzige Kerze. Und es war Weihnachten. Sie haben gespürt: Gott ist da mittendrin in diesem menschlichen Durcheinander und er verlässt uns nicht.

Deshalb will ich es auch in diesem Jahr nicht ruhig haben bis Weihnachten. Ich genieße das Durcheinander. Ich freue mich, dass Menschen sich für mich Mühe geben. Und ich tue was ich kann, damit andere die Tage genießen können, gerade auch die, die allein sind. „Jauchzet, frohlocket!“ So fängt Bachs berühmte Weihnachtsmusik an. Das ist nicht still.

Stille hinterher genießen

Die Stille genieße ich hinterher. Mit der Freude im Bauch und im Herzen und im Kopf – da ist dann Zeit für die stillen Tage.

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?