Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... Kinderbücher können zeigen, wie die Welt sein kann

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblatts. Foto: privat/Canva

Vor über 40 Jahren kam der Film „Das Leben des Brian“ in Deutschland in die Kinos. Ich habe ihn damals angeschaut und war empört. Im Film wird die Geschichte von Brian erzählt, der in Israel zur Zeit Jesu irrtümlich für den Messias gehalten wurde. Mit viel gewöhnungsbedürftigem britischem Humor wurde vor allem der Eifer religiöser und politischer Fanatiker verhohnepipelt. Das war teilweise ziemlich lustig, aber weithin auch geschmacklos. Und vor allem: Ich fand damals, der Film mache sich über Jesus lustig. Deshalb war ich empört, irgendwie auch verletzt. Aber nicht über den Film, den man sich ja nicht ansehen musste. Ich war empört über Freunde, die das großartig fanden. Ich hätte damals besser nachdenken sollen. Der Film hält dem Fanatismus den Spiegel vor – aber nicht dem Glauben an Jesus. Auch wenn es weh tut, man kann lernen von so einem Spiegelbild.

Mir ist das jetzt wieder eingefallen, als ich gehört habe, dass der Ravensburger Verlag Kinderbücher zum Film „Der junge Häuptling Winnetou“ zurückgezogen hat. Grund: Menschen haben sich darüber empört, dass darin ein romantisierendes Bild des Verhältnisses zwischen Indianern und Weißen gezeichnet werde. So würde das der geschichtlichen Wirklichkeit im Amerika nicht gerecht. Der Film und das Buch beschreiben die Freundschaft zwischen einem Indianerjungen und einem weißen Buben, die miteinander gegen Unrecht kämpfen. Natürlich war und ist die Wahrheit zwischen Indianern und Weißen in Amerika anders. Niemand bestreitet das. Die Kinder werden das früh genug in Erfahrung bringen. „Der junge Häuptling Winnetou“ ist ein Märchen, eine Geschichte wie „Pippi Langstrumpf“ oder „Die Brüder Löwenherz“. Kinder können aus ihnen lernen, dass die Welt nicht böse sein muss. Dass sie besser werden kann, wenn Menschen Freunde werden. Das macht Mut.

Ich finde, solche Bücher und Filme muss es geben. Märchen zeigen, wie die Welt sein könnte. Das haben sie mit dem Evangelium gemeinsam. Gut, dass Kindern das erzählt wird. Dass die Welt oft eben leider nicht so ist und nicht so war – das lernen sie noch früh genug. Ich sage: Erwachsene brauchen manchmal Filme, die wehtun. Und Kinder brauchen Bücher, die sie ermutigen.

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?