Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... Lachen gibt Kraft

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblatts. Foto: privat/Canva 

Wieder einmal hat ein Foto von lachenden Menschen die Betrachter in Rage gebracht. Auf ihrer Reise in die ukrainische Hauptstadt Kiew sind die Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Arbeitsminister Hubertus Heil auf dem Balkon der deutschen Botschaft beim Lachen erwischt worden. Neben ihnen stehen der Bürgermeister von Kiew Vitali Klitschko und die deutsche Botschafterin. Alle vier mit dem Begrüßungssekt in der Hand. Nicht Champagner, wie es hämisch heißt, sondern anscheinend roter Krimsekt. Auf den ist man dort stolz.

Trotz des Krieges kann man froh sein

Die vier schauen lachend auf die Stadt, von der überall verbreitet wird, das Alltagsleben sei zurück. Wahrscheinlich brauchen die Ukrainer diese Versicherung, damit sie weiter durchhalten, wo es nicht so friedlich und fröhlich zugeht: Es wird auch bei uns wieder aufwärts gehen! Auch Kiew ist bombardiert worden und jetzt haben sie dort wieder Grund, zu lachen – sogar der Bürgermeister. Ich finde es normal, dass man lächelt und lacht, wenn einem ein Bürgermeister seine Stadt zeigt, obwohl knapp 500 Kilometer weiter ein schrecklicher Krieg tobt. Viele aber finden das offensichtlich unangemessen. Sie hätten dort auf dem Balkon „mit Champagner in der Hand einen Logenplatz ergattert“ habe ich in einer Zeitung gelesen.

Hilfe sollte man lachend bringen

Darf man denn nicht lachen und sich über die Schönheit des Lebens freuen, wenn anderswo Krieg herrschen oder Hunger? Ich glaube doch, man darf – wenn man andererseits nicht vergisst, dort zu helfen, wo es nötig ist. Und das haben die deutschen Politiker in der Ukraine ja getan. Sie haben sich die Zerstörungen im Kiewer Vorort Irpin angeschaut – und nicht gelacht. Sie haben über konkrete Hilfemaßnahmen beraten: Stromgeneratoren brauche man dort, Reformen in der Verwaltung und vielleicht die Einführung von Kurzarbeit, wie sie sich in Deutschland bewährt hat. Nicht militärische Hilfe, aber langfristige Hilfe beim Wiederaufbau des zerstörten Landes. Wenn das Leben ernst ist, wenn man aus Kummer nichts essen mag und kann, soll man trotzdem kein leidendes Gesicht machen, sondern sich pflegen, hat Jesus gesagt (Mt 6, 16). Erstens, weil das „sauer sehen“ einem die Kraft nimmt, die man anderswo braucht. Und zweitens, weil es andere ermutigt, wenn sie mein trotz allem fröhliches Gesicht sehen.

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?