Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... Manchmal muss man lästig werden

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Canva

Andrej Melnik geht mir ziemlich auf die Nerven. Andrej Melnik ist der Botschafter der Ukraine in Deutschland. In nahezu jeder Talkshow zum Thema Ukraine ist er zu sehen. Unverdrossen verlangt er mehr Unterstützung für sein Land bei der Verteidigung gegen die russische Invasion: mehr Waffen vor allem und den Abbruch der Gaslieferungen aus Russland. Sie nehme das „Morden von Hundertausenden einfach in Kauf“, hat er der Bundesregierung vorgeworfen. Ich finde das maßlos und doch kann ich ihn verstehen. Wer würde nicht mit allen Mitteln versuchen, Hilfe zu finden, wenn sein Land in Schutt und Asche gelegt wird?

Ausdauer kann helfen

Andrej Melnik erinnert mich an jene arme Witwe, von der Jesus erzählt hat. Sie ist einem Richter auf die Nerven gegangen, weil sie Gerechtigkeit verlangt hat. Und Jesus erzählt, dass der Richter ihr am Ende ihr Recht verschafft, weil sie ihm so lästig war. Ob auf diesen Effekt auch der Botschafter hofft?

Solidarität ist mehr als Hilfsbereitschaft

Die Hilfsbereitschaft für die geflüchteten Ukrainer ist in Deutschland und auch sonst in Europa sehr groß – noch jedenfalls. Aber könnten und müssten wir nicht doch mehr tun? Echte Solidarität wäre nicht nur Hilfeleistung für die Opfer, sondern Beistand für einen gerechten Frieden. Das Bombardieren und Töten muss aufhören. Direktes militärisches Eingreifen der Nato darf nicht sein, das begreife ich. Aus dem Krieg in der Ukraine könnte sonst leicht ein Krieg in ganz Europa werden. Aber vielleicht sollten wir dem Stopp der russischen Gaslieferungen und sogar 7,3 Prozent Inflation im Land doch gefasster ins Auge sehen? Ich weiß, sogar die Gewerkschaften warnen davor im Interesse der Wirtschaft und der Arbeitsplätze. Aber Härten für die sozial Schwachen muss und kann wahrscheinlich unser Staat abfedern. Vielen aber wird es nicht so schwerfallen, für eine Weile mehr als 2 Euro fürs Benzin und mehr für den Lebensunterhalt zu bezahlen und wenn nötig auch mehr Steuern. Wer von Solidarität redet, sollte dazu bereit sein, finde ich.

Deshalb ist es wahrscheinlich gut, dass Andrej Melnik uns auf die Nerven geht. Vielleicht kann er uns ja doch bewegen.

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?