Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... Mehr Religion täte der Politik gut

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Canva

Dass Religion in der Politik gefährlich ist, das sieht man derzeit in Afghanistan, meine ich. Aber politisch engagierte Menschen, die die Politik in ihrem Land nach den Maßstäben ihrer Religion hinterfragen und kritisieren, die braucht es vielleicht doch. Damit nicht nur gilt, was den Mächtigen nützlich ist. Das ist mir neu klar geworden, als ich im Regenwetter der vergangenen Woche einen Ausflug nach Worms gemacht habe. Dort hat das Land Rheinland-Pfalz eine Ausstellung veranlasst. „Hier stehe ich. Gewissen und Protest 1521 – 2021“ heißt sie. Sie erinnert an Martin Luther, der sich dort auf dem Reichstag vor 500 Jahren geweigert hat, seine reformatorische Lehre zu widerrufen. Und dann geht es weiter.

Standhaft Nein sagen

In den folgenden Jahrhunderten bis in die Gegenwart haben sich immer wieder Menschen auf ihren Glauben und ihr Gewissen berufen und standhaft Nein gesagt zu Verhältnissen und Zuständen, die sie unerträglich fanden. Ich habe Anne Hutchinson kennen gelernt, die sich unter den Puritanern Neuenglands im 17. Jahrhundert dafür eingesetzt hat, dass auch Frauen gemeinsam mit den Männern Predigten diskutieren durften – und in die Verbannung geschickt wurde. Es geht weiter unter anderem mit Olympe de Gouges in der französischen Revolution, Martin Luther King, Sophie Scholl, Hildegard Hamm-Brücher. Viele haben mit ihrem Leben für ihren Einsatz bezahlt.

Ein aufrechter Katholik

Einer übrigens hat gefehlt in der Wormser Ausstellung, von dem habe ich aber – auch bei Regenwetter - hier im Gemeindeblatt gelesen und mich weiter informiert: Matthias Erzberger. Ein aufrechter Katholik aus Buttenhausen, der Politiker im Kaiserreich wurde und später von Nationalisten ermordet.
Der hat geschrieben: „Die Religion veredelt und adelt die Politik, die ohne Religion nur zu einem Streit um die besseren Futterplätze herabsinkt.“
Den Mut und die Standfestigkeit der Menschen, die sich an ihrem Glauben orientiert haben, habe ich bei meinen Regenwetterausflügen bewundert. Und ich habe mir gewünscht, dass es auch heute solche Frauen und Männer geben möge. Der Politik jedenfalls täte es gut, wenn es weniger um Gewinnmaximierung und dafür mehr um Religion im weitesten Sinn gehen würde. Dann würden auch weniger Menschen im Regen stehen.
Das meint Lucie Panzer. Und was meinen sie?