Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... Menschen brauchen Rituale – mehr als Diskussionen


Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblatts. Foto: privat/canva

„Treffen in der Kernschmelze“ hat die Zeitschrift „zeitzeichen“ ihren Rückblick auf den Stuttgarter Katholikentag überschrieben, der am 29. Mai zu Ende ging. Nicht nur an den Rändern, auch in der Mitte bröckelt die katholische Kirche, sollte das wohl heißen. Es waren nämlich deutlich weniger Teilnehmer in Stuttgart zusammengekommen als man erwartet hatte. Gründe waren schnell bei der Hand: Corona, der Missbrauchsskandal, das Fehlen von konservativen Gruppen und von Christen mit Migrationshintergrund. Alles einleuchtend. Aber ich habe in dem Kommentar auch eine gewisse Schadenfreude herausgelesen – und Sorgen: wer weiß, wie es beim Evangelischen Kirchentag im nächsten Jahr in Nürnberg aussehen wird? Auch in der evangelischen Kirche sind die Austrittszahlen hoch.

Kirche hilft in Krisen

Am Montag nach dem Katholikentag war ich bei der Beerdigung eines entfernten Verwandten im katholischen Württemberg. Ein alter Mann war gestorben, Mitglied in mehreren Vereinen – wie das auf dem Lande so ist. Die barocke Wallfahrtskirche war zum Trauergottesdienst voller Menschen. Alte, mittelalte und junge. Und alle haben sie nach meiner Beobachtung die Liturgie mitgefeiert und die Lieder mitgesungen. Und besonders bei den nahen Angehörigen habe ich gespürt, dass es für sie eine Hilfe war, dieses Ritual zu haben. Es hat ihnen geholfen, die schweren Stunden des Abschieds zu bewältigen. Und die Worte der Liturgie haben sie getröstet. Die sehr persönlich gehaltene Predigt des Pfarrers hat auch die schwierigen Seiten des Verstorbenen nicht verschwiegen und ihnen auch damit geholfen, zu den eigenen Gefühlen zu stehen.

Wortverleihanstalt

Natürlich hatte ich theologisch manches auszusetzen an diesem Trauergottesdienst. Aber eines bleibt: Für die Menschen war dieses Ritual eine Hilfe. Fulbert Steffensky hat die Kirche eine „Wortverleihanstalt“ genannt, das gilt für beide Konfessionen, meine ich. Sie hilft, Worte zu finden, wenn das Leben einem die Sprache verschlagen hat. Und das brauchen wir alle immer wieder einmal. Mehr als die klugen Diskussionen auf einem Katholiken- oder Kirchentag.

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?