Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... Qualifizierung ist besser als teure Plakate

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Nico Bähr/Canva

Seit über 40 Jahren lebe ich inzwischen in Baden-Württemberg. Und ich lebe gern hier. Jetzt wohne ich seit ein paar Wochen plötzlich in der Hauptstadt von THE LÄND. Die gelb schwarze Werbe-Kampagne unseres Bundeslandes ist nicht zu übersehen. Auf riesengroßen Plakaten, oft ein flotter Spruch dabei und eine Gebrauchsanweisung gibt es auch gleich dazu: „Ganz einfach: Thunge thwischen die Thähne und dann: THE LÄND“ So soll unser Land weniger provinziell wirken und es sollen dringend benötigte ausländische Fachkräfte angeworben werden. Da sind vielleicht auch Leute wie ich gemeint: Neig‘schmeckte.

Putzhilfe ist eigentlich Ärztin

22 Millionen Euro soll die Kampagne kosten, manche sagen, sie koste noch mehr. Jetzt frage ich mich: Hätte man das Geld nicht auch verwenden können, um erstmal die ausländischen Arbeitskräfte zu qualifizieren, die schon hier sind? Vor ein paar Jahren hatte ich eine ukrainische Putzhilfe. Sie war Ärztin, in Kiew hatte sie 10 Jahre lang als Gynäkologin in einer Klinik gearbeitet. Hier in Deutschland hat sie keine Anstellung gefunden. Man hat ihre Berufsabschlüsse nicht anerkannt. Und als alleinerziehende Mutter hat sie sich nicht zugetraut, noch einmal zu studieren.

Inzwischen gibt es ein „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“, das soll es Menschen aus dem Ausland leichter machen, eine Anstellung zu finden. Nicht nur für Ärzte natürlich, auch für Handwerker, Pflegekräfte und Ingenieure. Aber immer noch ist dieses Verfahren teuer. Nach Beendigung des teilweise langwierigen Verfahrens erhält der Antragsteller Bescheid, dass der ausländische Berufsabschluss dem deutschen Berufsabschluss ganz – oder in Teilen oder nicht – entspricht. Für solche Fälle braucht es eine Nachqualifizierung – auch die kostet Geld.

22 Millionen Euro besser investieren

Ich frage mich, ob man hier die 22 Millionen für THE LÄND nicht besser anlegen könnte. Müsste es nicht möglich sein, solche Fachkräfte mit Fortbildungsmaßnahmen zu qualifizieren? „Wo aus Willkommen will bleiben wird“ steht auch auf einem dieser schwarz-gelben Plakate. Und ich denke: Damit das gelingt, braucht man nicht teure Plakate im Ländle, sondern Unterstützung für die vielen, die Fachkräfte sind oder werden wollen.

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?