Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... So braucht es keine Kirche

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Canva

Selten war ich nach einem Gottesdienst so ärgerlich wie vor zwei Wochen. Da waren Fernsehen, Radio und Zeitungen voll mit Nachrichten und Bildern von der schrecklichen Flutkatastrophe in unserem Land. Die Bilder gingen mir besonders nahe, weil ich vor fast 20 Jahren selbst so ein Hochwasser erlebt hatte. Einer meiner Söhne wäre dabei beinahe ertrunken, und viel Hausrat war unwiederbringlich zerstört.

Kein Wort über die Opfer der Katastrophe

Und dann war in dem Gottesdienst vor zwei Wochen mit keinem einzigen Wort vom Hochwasser die Rede. Die Predigt handelte von einer Hungerkatastrophe zu biblischen Zeiten. Damals hat Gott einer betroffenen Witwe beigestanden, hieß es. Gesungen haben wir dann „Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit“. Naja, das Gebet kommt ja noch, habe ich gedacht. Aber auch da: Kein Wort über die Opfer der Katastrophe oder die Helfer. Am Ende wurde für die Belange der Kirchenmusik gesammelt. Ich fand das an diesem Tag wirklich daneben!

Gott: Wie ein Märchen aus alter Zeit

Auf dem Heimweg habe ich mich mit einem alten Herrn unterhalten. Wir waren beide ratlos. Von Gottvertrauen war im Gottesdienst die Rede gewesen, von Gottes Beistand für Notleidende, auch von Glaube, Liebe und Hoffnung. Aber das alles klang wie ein Märchen aus alter Zeit. Heißt denn Glauben nur, für wahr halten, was aus alter Zeit berichtet wird? Hat Glauben nichts mit dem zu tun, was uns heute das Leben schwer macht? Ist es nicht Aufgabe der Kirche, hier und heute zu ermutigen und von Gottes Beistand zu reden: konkret für hier und heute? Vielleicht auch von den Zweifeln, die man haben kann und wie Christenmenschen einander helfen können, zuversichtlich zu bleiben?

In der Katastrophenwoche wurde auch berichtet, dass im vergangenen Jahr mehr als 400.000 Menschen aus den beiden großen Kirchen ausgetreten sind. Als Hauptgrund wird genannt, dass „Menschen nichts mit dem Glauben anfangen können“. Mit dem Glauben? Wohl doch eher nichts mit der Kirche. Wundert einen das bei so einem Gottesdienst?

Wenn der Gottesdienst nichts mit dem Leben zu tun hat, braucht ihn keiner. Hoffentlich war das ein Einzelfall. Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?