Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... Üble Nachrede vergiftet die Atmosphäre

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Canva

„Mir kommen die Tränen!“ hat spöttisch eine Frau geantwortet, als ich vor kurzem im Radio von Jamila (Name geändert) erzählt habe, die vor fünf Jahren eine Zeitlang bei mir gewohnt hat. Mit 15 war sie aus ­Somalia geflüchtet, weil sie dort mit dem Dorfältesten verheiratet werden sollte. Sie hat sich durch­geschlagen und ist schließlich in Stuttgart gestrandet. Dort hat das Jugendamt Unterkünfte und Betreuung für Jugendliche wie sie gesucht. So ist Jamila bei mir gelandet. Sie hat Altenpflege gelernt, gearbeitet, war der Liebling auf ihrer Station. Jetzt hat sie zwei Kinder. Sie will baldmöglichst wieder als Altenpflegehelferin anfangen.

Gehässige Unterstellung

Und besagte Frau hat auf meinen Radiobeitrag reagiert: „Mir kommen die Tränen! In einem Jahr kann diese somalische Frau nicht Altenpflege gelernt haben. Jetzt hat sie Kinder und keine Lust mehr auf die deutsche Sprache. Das kann vorher auch nicht so doll gewesen sein. Und wovon lebt diese Frau mit Kindern jetzt? Gibt es einen Ernährer? Oder doch wieder kostenlos Hartz IV plus Wohnung, Kita, medizinische Versorgung und so weiter für immer und ewig ... Es geht um Kohle für lau und nicht um ‚Würde‘ oder ‚Asyl‘ ... in den allermeisten Fällen!“ Darauf folgten viele ähnliche Kommentare.

Ein neues Leben anfangen

Die Frau hat mir das nicht ins Gesicht gesagt. Sie hat es geschrieben – auf Facebook. Ich war erschrocken. Ich hatte eine junge Frau kennengelernt, die ein schreckliches Schicksal hinter sich hat, bei uns ein neues Leben anfangen und für ihren Lebensunterhalt arbeiten will. Jetzt verdient ihr Mann für sie und die Kinder. Er ist auch aus Somalia.

Ich weiß nicht, welche Erfahrungen jene Frau mit Geflüchteten gemacht hat. Sie schreibt, der Mann, der in Würzburg Menschen erstochen hat, sei ja auch aus Somalia. Aber ist das ein Grund, einer Frau wie Jamila zu unterstellen, sie wolle ja nur „für lau“ bei uns leben?

Nächstenliebe

Ein solches Urteil ist unwürdig und hat mit Nächstenliebe nichts zu tun. Mit so giftigen Bemerkungen vergiftet man die Atmosphäre – in unserem Land.

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?