Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... Unser Staat ist kein Online-Versandhandel

Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblattes. Fotos: privat/Canva

Über die Feiertage gab es niedrige Inzidenzzahlen – aber nicht, weil es mit Covid-19 besser geworden wäre, sondern, weil während der Feiertage nicht zuverlässig gemeldet wurde. Am 5. Januar war ich in Stuttgart beim Schnelltest. Auf der Anleitung für die junge Frau, die mich getestet hat, stand: „Bei positivem Ergebnis senden Sie das Ergebnis per Fax an folgende Nummer beim Gesundheitsamt“. Per Fax! Ehrlich! Am Ende vom 2. Pandemiejahr in der Hauptstadt von The Länd. Was ist da los? Gab es jetzt 2 Jahre lang niemanden, der sich zuständig fühlte, eine Vertretungsregelung bei den  Gesundheitsämtern für Feiertage einzurichten und diesen Meldevorgang digital zu beschleunigen?

Zustände wie anno dazumal

Ähnliches beobachte in an manchen Schulen: Digitalisierung tut not, sagen alle. Finanzielle Mittel stehen bereit, lese ich. 6,5 Milliarden. Aber davon sind erst 800 Millionen abgerufen. Und noch immer haben viel Schüler, die es bräuchten, keinen Laptop und manche Schulen kein WLAN.

Was ist da los? Zwei Jahre Corona-Krise und an manchen Punkten immer noch Zustände wie anno dazumal. Ich finde: Das muss sich ändern. Ich gebe zu, die Pandemie belastet uns alle: Homeoffice und Homeschooling machen vielen zu schaffen. Aber vielleicht warten doch zu viele darauf, dass der Staat prompt liefert, wenn man etwas braucht, so wie Amazon?

Freier Wille oder Pflicht?

Im Ehrenamt gibt es scheinbar mehr Engagement: Nach den Überflutungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind hunderte Helfer und Helferinnen freiwillig in die Katastrophengebiete gereist um zu helfen: An ihren freien Wochenenden und im Urlaub. In meiner Zeitung lese ich von einem Regierungsbeamten aus dem Strohgäu, der seit 20 Jahren Ersatzteile für den Brunnenbau in den Südsudan transportiert. Sie erzählen, wie befriedigend es ist, etwas für andere tun zu können.

Gilt das nur, wo man etwas freiwillig tut? Wo Hilfeleistung irgendwie auch Abenteuer ist? Oder gilt das auch, wo man tagtäglich in der Pflicht steht: Als Lehrerin oder Schulleiter, als Gesundheitsamtsleiterin oder IT-Spezialist? Nur wenn alle ihr Bestes geben – was viele ja tun –, kriegen wir diese Pandemie in den Griff. Dann brauchen wir bald keine Inzidenzzahlen mehr.

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?