Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lucie Panzer meint ... Weltverantwortung geht alle an!


Lucie Panzer, Kolumnistin des Evangelischen Gemeindeblatts. Fotos: privat, Canva

45 Prozent der Wahlberechtigten in Nordrhein-Westfalen haben jüngst nicht gewählt. Wo die Arbeitslosigkeit besonders hoch und das Einkommen der Menschen besonders niedrig sind, waren es noch viel weniger. Sehr niedrig war die Beteiligung auch bei den Jüngeren und ganz Jungen. In Baden-Württemberg waren es bei der letzten Landtagswahl noch knapp 64 Prozent. Können die Volksvertreter das Volk vertreten, wenn nur zwei Drittel oder gerade mal die Hälfte sie gewählt haben? Oder vertreten sie schließlich nur noch die Älteren und Gutsituierten, die sie gewählt haben?

Der Schöpfungsauftrag gilt für alle

Mich erschreckt die immer niedrigere Wahlbeteiligung. Wir Menschen sind geschaffen, um die Erde zu gestalten und zu bewahren (1. Mose 2, 15). Das gilt nicht nur für Juden und Christen. Am Anfang der Bibel ist von allen Menschen die Rede. Gerade in der Demokratie ist es eigentlich leicht, dazu beizutragen. Sich für eine politische Aufgabe zur Verfügung stellen oder wenigstens bei der Wahl sein Kreuz machen – das kann jeder. Was also kann man tun, um möglichst viele zum Wählen zu motivieren und es so leicht wie möglich zu machen?

Wählen leichter machen

Jeder fünfte Nichtwähler gibt an, er habe es „zeitlich nicht geschafft“. Mein Sohn lebt in der Schweiz. Dort gibt es sehr häufig Wahlen und Volksabstimmungen. Eine Weile vorher bekommt man automatisch die Wahlunterlagen zugeschickt und einen Umschlag für die Briefwahl. Dann kann man in Ruhe daheim wählen und den Brief in den Briefkasten werfen. Vielleicht wäre das auch eine Idee für unser Land?

Und außerdem: Die Erfahrung zeigt, dass die Wahlbeteiligung steigt, „wenn es um etwas geht“. Vor Jahrzehnten die Ostverträge, später dann Kanzlerkandidat Kohl gegen Kanzler Schmidt, hier in Baden-Württemberg der Stuttgarter Bahnhof oder die Regierungsbeteiligung der Grünen: Das bringt mehr Menschen an die Wahlurnen. Also müssten die Politiker anscheinend deutlicher machen, was sie eigentlich wollen. Ohne Angst, irgendjemanden zu verschrecken, der etwas anderes will. Wenn die Unterschiede klarer werden, vielleicht würden dann mehr Menschen froh sein, dass sie die Wahl haben.

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?