Christliche Themen für jede Altersgruppe

Luftballons vom Regenbogen

Vor zwei Jahren waren es 16 Kirchengemeinden. Jetzt sind es 56, die sich der Initiative Regenbogen ­angeschlossen haben. Sie wollen damit signalisieren, dass sie offen sind für gleichgeschlechtlich ­veranlagte Menschen. Die Stuttgarter Prälatin unterstützt die Initiative.

Luftballons im Himmel
Mit Luftballons feierte sich die Initiative Regenbogen (Foto: Leonid Eremeychuk/Fotolia)

Die Geschichte der evangelischen Kirche ist ein Geschichte  einzelner, die sich engagieren“, betonte die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold im Hospitalhof, wo die Initiative Regenbogen symbolträchtig ein Fest feierte und 99 Luftballons aufsteigen ließ. „Evangelische Kirche wächst von unten“, präzisierte Arnold und betonte, dass der Umgang mit homosexuellen Menschen eine geistliche Frage sei und keine Frage des Zeitgeistes.

 „Es geht um Kirche und um Gemeinschaft in der Kirche.“ Früher wurden Sklaven diskriminiert und dann Frauen. Nachdem bei beiden Gruppen viel passiert ist, seien nun die gleichgeschlechtlichen Paare ein Thema. Es sei zwar eine kleine Frage angesichts der Fragen nach Gewalt und Hunger in der Welt. „Aber es geht hier um Identität und Diskriminierung“, sagt Arnold.

100.000 bis 200.000 Menschen dürften im Bereich der württembergischen Landeskirche betroffen sein, schätzt die Prälatin, und zwar quer durch alle gesellschaftlichen Schichten, bis hin zu Pfarrerinnen und Pfarrern. Angesichts dieser Zahl und der Anzahl an Kirchengemeinden in Württemberg von rund 1300 sind 56 Regenbogen-Gemeinden nicht die überwältigende Mehrheit. Ob es an der Überlastung der Gemeinden liegt oder ob solche Themen einfach Zeit brauchen, um sich zu entwickeln? 

Judith Quack von der Auferstehungsgemeinde  in Reutlingen und Sprecherin der Initiative Regenbogen sagt, dass das Bewusstsein einfach langsam wächst und dies vielleicht auch ein Prozess ist, der besser langsam als schnell vorangeht. Denn klares Denken sei dabei immer erforderlich. Klar getrennt werden müsse immer wieder zwischen Pädophilie, Kriminalität auf der einen Seite und Homosexualität  auf der anderen Seite.

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Die Initiative Regenbogen ruft auch nicht dazu auf, die Rechtslage zu missachten, sondern sie will schlicht ein Zeichen setzen, dass homosexuelle Menschen in der Gemeinde willkommen sind.  Auch um Offenheit für das Zusammenleben von homosexuellen Pfarrerinnen und Pfarrern geht es dabei. Seit 1995 beschäftigt das Thema die Landeskirche immer wieder. Aber geändert wurde seither nichts, bedauert die Initiative. Württemberg ist inzwischen EKD-weit die einzige Landeskirche ohne Regelung für die öffentliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. 

Wie die Regenbogen-Gemeinden vor Ort mit dem Thema umgehen, berichtete Kirchengemeinderat Hubert Mohs aus der Thomasgemeinde Stuttgart. In seiner Gemeinde wurde das Thema öffentlich beraten, es wurden theologische Gespräche geführt und eine Handreichung ins Internet gestellt. Schlüsselerfahrung in der Gemeinde war, dass einer Initiative Homosexueller beim Kirchentag 1999 der Raum kurzfristig gekündigt worden war, und diese dann in der Thomasgemeinde Aufnahme fand. Mohs kritisiert, dass seit Jahrhunderten Menschen, die aufgrund von Hormonen homosexuell empfinden, als Unzüchtige verurteilt worden seien, und betont, dass  in der Antike meist von Heterosexuellen gesprochen werde, die sich in der Unzucht verirren. „Menschen jedoch, die von ihrer Natur her gar nicht heterosexuell empfinden können, waren in der Antike gar nicht bekannt.“ Das dies sich zumindest in der Neuzeit ändert, dafür wollen sich die bislang 56 Regenbogen-Gemeinden einsetzen.

Information über die Initiative Regenbogen

In der Initiative Regenbogen haben sich Kirchengemeinden aus Württemberg zusammengeschlossen, die lesbische und schwule Gemeindeglieder willkommen heißen, die offen sind für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und für Pfarrerinnen die mit ihrer Partnerin beziehungsweise Pfarrer, die mit ihrem Partner im Pfarrhaus leben wollen.

Weitere Informationen im Internet: www.bkh-wue.de/initiative-regenbogen