Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lust auf Kirche machen - Landesbischof oder Landesbischöfin?

Viola Schrenk, Ernst-Wilhelm Gohl und Gottfried Heinzmann stellen sich am 17. März zur Wahl. Sie möchten Landesbischof oder Landesbischöfin werden. Das Gemeindeblatt hat ihnen einige Fragen gestellt, die sie in dieser und der folgenden Ausgabe beantworten.

Gottfried Heinzmann Foto: Pressebild Sylvia BechleViola Schrenk. Foto: Ludmilla Panyak, PressbildErnst Wilhelm Gohl. Foto: PressebildGottfried Heinzmann, Viola Schrenk, Ernst-Wilhelm Gohl. Fotos: Pressebilder

Was wollen Sie im Bischofsamt gegen den Mitgliederschwund in der Landeskirche tun?

Gottfried Heinzmann:
Ich will nichts gegen Menschen und ihre freie Entscheidung tun,
sondern für sie. Und deutlich machen, dass Gott in Jesus Christus für uns ist. Und was deshalb auch wir als Kirche für die Menschen sein können: Ein Raum der Begegnung mit Gott. Ein Ort, an dem ich Glaube, Liebe und Hoffnung entdecken kann. Ein Zufluchtsort, wenn ich selbst am Ende bin und nach Halt und Hilfe suche. Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen ganz persönlich gute Erfahrungen mit Kirche machen. Manchmal schimpfen Menschen über „die Kirche“ und finden gleichzeitig das gut, was Kirche macht: Unterstützung von Menschen in Not, Freizeiten für Kinder, die Aufführung von Oratorien. Das alles und noch viel mehr ist Kirche!

Viola Schrenk:
Das ist sicher die größte Herausforderung
für die Kirchen in Deutschland. Es ist ein Trend, der alle betrifft. Demografische Gründe kann eine Bischöfin nicht ändern. Aber ich möchte in diesem Amt Lust auf Kirche machen und dazu beitragen, dass Menschen unsere Kirche als glaubwürdig erleben. Sie sollen kirchliche Arbeit als relevant für ihren Glauben, ihr Leben und für die Gesellschaft erfahren können. Wir müssen die Gemeinden ermutigen, kreativ zu werden, und dabei den Mut haben, Vielfalt zuzulassen. Nicht jede Kirchengemeinde muss gleich aussehen. Ich möchte weniger Regulierung und Zentralisierung: Gemeinden brauchen Luft zum Atmen, damit sie ihr eigenes Gemeindeleben entwickeln können.

Ernst-Wilhelm Gohl:
Ja, der Mitgliederschwund ist bitter.
In der Landeskirche gibt es aber bereits einen vielversprechenden Prozess, der Kirche, Gemeinde und Pfarrdienst neu denkt. Dieser Prozess nimmt auch die Ergebnisse der aktuellen Studie zu den Kirchenaustritten auf, die unsere Landeskirche initiiert hat. Es mangelt nicht an Erkenntnissen oder Ideen. Wir haben ein Umsetzungsproblem. Strukturen sind nicht um ihrer selbst willen da. Kirche trägt Hoffnung in die Welt, wo sie die Menschen begleitet, tröstet und sich aktiv ins Gemeinwesen einbringt – im Dorf und im Quartier. Beim Durchzug durchs Schilfmeer teilt sich das Wasser erst, als die ersten den Schritt ins Wasser wagen. Dazu will ich ermutigen.

Ernst-Wilhelm Gohl (links), Viola Schrenk und Gottfried Heinzmann bei „Alpha & Omega“. Foto: Julian RettigErnst-Wilhelm Gohl (links), Viola Schrenk und Gottfried Heinzmann bei „Alpha & Omega“. Foto: Julian Rettig

Die Kirche wird sparen müssen. In welchen Bereichen halten Sie Kürzungen für verkraftbar?

Gottfried Heinzmann:
Spardebatten und Einsparrunden kosten Kraft
und rauben Motivation. Ehren- und Hauptamtliche erleben das oft als destruktiv. Da kein Weg an einschneidenden Veränderungen vorbeiführt, müssen wir einen anderen Umgang damit finden. Einen Umgang, der uns nicht zum Opfer macht, sondern dafür sorgt, dass wir Gestaltende bleiben und unsere Wirksamkeit im Neuen entdecken können. Ich wünsche mir, dass wir uns nicht auf das fokussieren, was nicht mehr möglich ist. Sondern uns nach vorne ausrichten und überlegen: Wie können wir mit dem, was wir haben, Kirche Jesu Christi in dieser Welt sein: für die Menschen da sein, ihnen von Gott erzählen, seiner Liebe vertrauen und Hoffnung in die Welt tragen.

Viola Schrenk:
In den vergangenen 25 Jahren
hat sich die rückläufige Mitgliederentwicklung in Württemberg kaum auf die Höhe der Kirchensteuer ausgewirkt. Wie lange das so bleibt, ist schwer vorherzusagen. Diese Zeit müssen wir nutzen. Wir brauchen einerseits Rücklagen und anderes, um unsere Verpflichtungen den Mitarbeitenden gegenüber einhalten zu können. Dafür werde ich mich einsetzen. Aber die beste Vorsorge sind Investitionen in die Zukunft. Daher gilt es zugleich, Neues zu wagen. Hier eine gute Balance zu finden, ist eine gemeinsame Herausforderung, die weiterhin einen intensiven synodalen Diskussionsprozess braucht. Die Entscheidung über Kürzungen obliegt ja vor allem der Landessynode.

Ernst-Wilhelm Gohl:
Alle, die von Kürzungen betroffen sind,
erleben das zuerst einmal als Schmerz und Entwertung. Aber wenn alle wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, wird am Ende nicht viel bleiben. Deshalb brauchen wir eine Haltungsänderung. Es geht nicht ums Festhalten. Christen sind Boten der Hoffnung. An diesem Auftrag müssen wir uns orientieren. Das weitet den Blick und befreit von institutionellen Logiken. So können Zuständigkeiten gebündelt, Dienste und Einrichtungen auf ihren Auftrag hin befragt werden. Dabei darf nicht in falschen Alternativen gedacht werden, auch bei der Parochie (Seelsorgebezirk) nicht. Es braucht beides: parochiale und nichtparochiale Formen von Kirche.

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