Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Malen kann jeder“ - Kreativität ausleben reduziert Stress

OFTERDINGEN (Dekanat Tübingen) – Heidemarie Messner ist überzeugt: Wer seine Kreativität auslebt, kommt besser mit dem Stress im Alltag klar. Sie lädt die Besucher der Mauritiuskirche ein, die „Hoffnungspost“ des Pfarrers in ein selbstgemaltes Bild zu übersetzen.

Foto: Uwe Baumann, pixabay
Foto: Uwe Baumann, pixabay

Die Seitenwand der Ofterdinger Mauritiuskirche ist mit vielen bunten Bildern verziert. Sie sind in den Farben weiß, grün, gelb, rot, blau und orange gehalten. Regelmäßig kommen weitere Kunstwerke dazu. Die Kirchentür steht auch in diesen Tagen immer offen. Schon im ersten Lockdown hat die 78-jährige Heidemarie Messner angefangen, die von Pfarrer Fabian Kunze an die Gemeindemitglieder verschickte „Hoffnungspost“ künstlerisch umzusetzen. Nun, da er seine Gemeindebriefe verschiedenen Farben widmet und sie als „Lautmalerei“ bezeichnet, geht die Aktion in die zweite Runde. Einige Ofterdinger Kinder machen mit. In der Kirche hat Heidemarie Messner Rahmen und die Impulstexte des Pfarrers zum Mitnehmen ausgelegt.

Orange steht für neuen Mut

In dem der Farbe Orange gewidmeten „Impuls zur Wochenmitte“ verweist Pfarrer Kunze auf ein Lied der Band Die Ärzte: „Hip hip hurra“ – ein punkiges, wild-fröhliches Stück mit einem gehörigen Schuss Ironie. Darin geht es um den Wandel: eine schwer ertragbare Last verschwindet. Die schreckliche Zeit ist überwunden, das Aufatmen setzt ungeheure Energie frei. „Orange“ drückt für Pfarrer Kunze eine solche Wende aus, wenngleich es nach Umfragen zu den unbeliebteren Farben gehört.

„Orange steht für mich für neuen Mut, für Aufbruch und Fröhlichkeit“, sagt Kunze. „Alles Dinge, die wir kaum zu viel haben können.“ Solch neuen Mut können Menschen nehmen, indem sie aufsehen zu Jesus. „Er kann uns darin in Vorbild sein, ein Vor-Geher“, meint Kunze. Er habe dem Tod „eine lange Nase“ gedreht und ihn in neues Leben verwandelt.

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Mit unterschiedlichen Techniken setzt Künstlerin Messner den Charakter der Farbe in Bilder um. Mal nimmt sie Ölfarben, mal faltet sie Papier, mal druckt sie auf einen Kartoffelsack. „Malen kann jeder“, sagt Messner. Ausdrucksmalen könne dabei therapeutische Wirkung haben. Denn die Kreativität löse vom Alltagsstress. „Die Welt drückt sich in Bildern aus“, sagt Messner.

Wer mag, kann sich bedienen und das Farbenspiel in der Mauritiuskirche mit seinem Bild bereichern. Foto: Andreas Straub Wer mag, kann sich bedienen und das Farbenspiel in der Mauritiuskirche mit seinem Bild bereichern. Foto: Andreas Straub

Die kachelartigen Werke hat sie an ein ehemaliges Gartenrankgitter gehängt. „Ich wollte zuerst Magnete nehmen, aber das war zu kompliziert“, sagt Messner. Inzwischen beteiligen sich einige Ofterdinger an der Aktion, noch ist das Interesse aber verhalten. Kinder trauen sich eher, das Angebot zum Mitmachen anzunehmen, weiß sie von den Altersangaben auf den Rückseiten. Es würde sie freuen, wenn auch erwachsene Ofterdinger den Mut fänden, die eine oder andere Platte mit Pinsel und Farbe zu verschönern. „Das Malen gibt Mut und Kraft“, findet Messner.

Heidemarie Messner, Ofterdingen. Foto: Andreas StraubHeidemarie Messner freut sich an Farben. Foto:
Andreas Straub

Weil die gewohnte Sonntagspredigt ausfallen musste, hat Fabian Kunze bereits letztes Jahr im Frühjahr per E-Mail Texte der Hoffnung gegen eine Corona-Depression versandt, sie hat die Texte in Bilder umgesetzt. Bis zum September hatte Messner 13 solcher großformatigen „Lautmalereien“ beisammen. Für diese Werke baute sie Gestelle, die genau in die Zwischenräume der leeren Kirchenbankreihen passten. Gottesdienstbesucher sahen sich die kleine, coronakonforme Ausstellung an und zweimal führte Messner auch Gruppen.

Manche Arbeiten seien abstrakt, sagt Messner, andere dicht am Text. Sie erzählt von gebrauchten Schleifscheiben, die sie als Notenpunkte der ersten Takte von „Freude, schöner Götterfunken“ zusammengesetzt hat. Den Appell „Macht Armut zur Vergangenheit“ hat sie ähnlich wie bei einer Strafarbeit in der Schule in endlosen Schriftlinien untereinander geschrieben.

Die Impulse des Pfarrers findet Messner „interessant und informativ aufbereitet“. Besonders die Links zu Musik auf Youtube inspirieren sie: „Mit Musik geht vieles leichter.“ Die Geschichte von Noah im Alten Testament verknüpfte Kunze mit einem Regenbogenfoto über der Mauritiuskirche zu einem aktuellen Hoffnungszeichen. Heidemarie Messner malte dazu spektralbunte Farbverläufe.

„Hoffnung hat immer Farbe zur Hand“, zitiert sie den Schriftsteller Ulrich Schaffer. Beim Farbenspiel in der Mauritiuskirche geht es ihr nicht nur um bunte Tupfer, sondern auch um Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft. Sie freut sich schon jetzt auf den nächsten Impuls und die nächste Farbe.