Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Man muss streiten können“

Mit ihrer Rolle als Frau an der Seite des Landesbischofs hat Edeltraud July nie gehadert. Die Mutter von vier Kindern hat selbst Theologie studiert, war immer die kritische Erstleserin der Predigten ihres Mannes und teilt mit ihm vieles – auch die Liebe zur Lyrik.

Edeltraud July im Gespräch beim Kirchenfernsehen. Foto: Alpha & Omega


Während des Theologiestudiums in Wien hat es gefunkt. Als Frank Otfried July kurz vor der Abreise stand, da gab es einen Abend im Heurigen mit vielen Freunden. Und obwohl sich Edeltraud und Frank schon länger kannten, war nach diesem Abend alles anders. Mehr erzählen der Landesbischof und die Frau an seiner Seite nicht beim Interview im Kirchenfernsehen. Das wäre auch nicht nötig. Privater muss es für die Öffentlichkeit nicht werden. Doch wie eng verbunden die Eheleute sind, das ist selbst beim Zuschauen der Sendung „Alpha und Omega“ spürbar, in der die beiden auf ihr Leben schauen. Immer wieder gibt es Blickkontakt, versichern sich die Eheleute gegenseitig.

43 Jahre sind Edeltraud und Frank Otfried verheiratet, vier Kinder haben sie zusammen großgezogen, längst sind Enkel dazugekommen. Was ist das Geheimnis einer so langen Ehe? „Man muss gut streiten können“, sagt Edeltraud July. Das hätte sie auch ihren Kindern vor der Hochzeit mitgegeben. Stets im Gespräch bleiben ist für die Theologin ein hoher Wert. „Wir tauschen uns aus, auch wenn es nicht immer viel Zeit dafür gibt. Es kommt auf die Qualität an, nicht auf die Quantität.“

Wenig unverplante Zeit zu haben war bislang eine Konstante im Alltag des Landesbischofs mit seinen vielen Ämtern. Doch als es nötig war, da hat er sich Zeit genommen: Im Jahr 2000 und dann noch einmal im 2006 stand das Leben von Edeltraud July auf Messers Schneide: Zweimal musste sie mit einem Aneurysma im Kopf als Notfall operiert werden, lag im Koma. Ihr Mann hat da eine Zeit das Amt hintenan gestellt, um bei ihr zu sein. „Er war das erste, was ich sah, als ich aufgewacht bin“, erinnert sie sich an die schwere Zeit. Die Krankheit hat die beiden noch einmal mehr zusammengeschweißt. „Man entdeckt die Kostbarkeit eines Partners. Und die Dankbarkeit dass es weitergehen darf. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt Frank Otfried July.

Im Krankenhaus wurde Edeltraud July nach dem Aufwachen damals ständig gefragt, ob sie wisse wo sie sei, wann sie denn Geburtstag hätte, ... – um zu prüfen wie gut ihr Kopf funktioniert. Bis ihr diese Fragerei irgendwann auf den Geist ging und sie geantwortet hat, sie könne sogar ihr Lieblingsgedicht aufsagen: „Das Gebet“ von Else Lasker-Schüler. Den Arzt hat ihr Vortrag schwer beeindruckt.

Die Liebe zur Lyrik teilen die Eheleute, sie haben gemeinsam ein Buch mit den „Gedichten und Gebeten unseres Lebens“ herausgegeben. Die zahlreichen Predigten, die ihr Mann im Lauf seines Bischofslebens verfasst hat, hat sie in der Regel gegengelesen. Nicht als theologische Ratgeberin, sondern als Anwältin der Zuhörer. Sind die Sätze verständlich, ist der Aufbau klar?

Gefordert war Edeltraud July als Frau des Bischofs auch in der Rolle der Gastgeberin. Mitunter sehr spontan, wenn ihr Mann vergessen hatte zu sagen, dass morgen der Kardinal von Rom zu Besuch kommt. „Gastfreundschaft ist mir wichtig, es war spannend, Menschen aus anderen Kulturen zu empfangen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, sagt sie.

Edeltraud und Frank Otfried July hatten einmal vor, gemeinsam in einer Gemeinde zu wirken. Es kam anders. Damit hadert die Frau des Landesbischofs kurz vor dessen Verabschiedung keineswegs: „Mir war immer klar: Er hat das Amt und ich gehe als seine Gefährtin und Begleiterin mit.“ Die vielen Begegnungen, die sie in dieser Zeit erlebt hat, wirken nach, ist sich Edeltraud July sicher: „Diese Erfahrungen werden mich noch die nächsten Jahre im Rückblick beschäftigen.“ □