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Mein Glaube ist mein Herz - Interview mit Judy Bailey und Patrick Depuhl

Judy Bailey macht Musik mit ganzem Herzen. Ihre Texte handeln von ihrem Leben mit Gott. Aufgetreten ist sie schon in Supermärkten, bei McDonald’s und im Gefängnis. Im Gespräch mit Katharina Hirrlinger erzählt sie von ihrer musikalische Entwicklung. Außerdem berichtet sie mit ihrem Mann Patrick Depuhl darüber, wie ihnen der Glaube in alltäglichen Situationen Kraft gibt.

Judy Bailey und Patrick Depuhl. Foto: Julian RettigLebensfreude pur: Beim Gespräch mit Patrick Depuhl und Judy Bailey wird viel gelacht. Foto: Julian Rettig

Sie haben früh mit der Musik begonnen – wie kam es dazu, dass Sie die Musik zum Beruf gemacht haben?

Judy Bailey: Ich bin auf Barbados aufgewachsen. Ich war im Kirchenchor und habe die Musik dort geliebt. Aber ich hätte nie gedacht, dass die Musik als Beruf wirklich eine Option ist. Mit 17 habe ich angefangen, Lieder zu schreiben. Die Musik habe ich mir parallel zum Studium aufgebaut und alle Möglichkeiten angenommen. So ist das gewachsen.

Wie ist Ihr tiefer Glaube entstanden?

Judy Bailey: Mir war immer bewusst, dass Gott da ist. Aber als ich 16 oder 17 war, habe ich gesagt: Wenn das Ganze wirklich echt ist oder wenn es mit mir zu tun hat, dann muss ich das ernster nehmen. Und ich habe einfach in meinem Schlafzimmer gesagt: Gott, wenn du wirklich da bist, dann komm in mein Leben. Und es gab keinen Blitz oder Donner oder was auch immer. Aber ab dann, denke ich immer, war es für mich eine bewusste Entscheidung, mit Gott durch das Leben zu gehen.

Ist der Glaube untrennbar mit Ihrer Musik verbunden?

Judy Bailey: Mein Glaube ist wirklich mein Herz, mein Kern, meine Motivation, mein Leben. Wenn ich Lieder schreibe, dann schreibe ich aus meinem Leben. Glaube und Musik sind auf jeden Fall verbunden. Ich unterscheide nicht in: Das ist Gotteslob und das nicht. Die Lieder kommen alle aus meinem Herzen, das mit diesem Leben Gott loben möchte.

„Jesus in My House“ (Jesus in meinem Haus) ist eines Ihrer bekanntesten Lieder – wie ist es entstanden?

Judy Bailey (schaut Patrick an und lacht): Ich glaube, Patrick war schuld. 1999 war Patrick bei Jesus House.

Patrick Depuhl: Jesus House ist eine mehrtägige Veranstaltung für Jugendliche. Ich war damals in einer Vorbereitungsgruppe. Und ich fand, es wäre doch super, wenn ein Lied dazu geschrieben würde, das so richtig passt. Wir haben Judy gefragt, ob sie Lust hat, das zu machen. Und als es dann bei diesem ersten Event gesungen wurde, ist direkt der Funke da gewesen und Leute konnten sich dafür begeistern.

Judy Bailey: Es war damals sehr schön zu sehen, dass die Menschen das Lied so gut und gerne gesungen haben. Und es ist auch immer noch toll, dass das Lied nach so vielen Jahren die Leute und auch junge Leute immer noch begeistert.

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Lebt Jesus auch in Ihrem Haus – und wie zeigt sich das?

Patrick Depuhl: Auf jeden Fall. Bei uns prägt das, wie wir miteinander und mit unseren Kindern umgehen. Es ist das, was wir versuchen ihnen mit auf den Weg zu geben. Jeden Abend treffen wir uns mit allen. Jeder sagt nochmal etwas über den Tag, wir beten und singen zusammen. Es ist uns wichtig, dass wir neben dem Alltag und dem Stress diese Konstante in unserem Leben haben.

Vom Kirchentag bis zum Supermarkt: Sie haben viele verschiedene Auftrittsorte. Welcher war für Sie besonders ungewöhnlich?

Judy Bailey: Über die Jahre haben wir an so vielen verschiedenen Orten gespielt – von Gefängnissen bis zu einer Veranstaltung mit dem Papst in Rio de Janeiro. Eine unserer Tourneen hieß „Travelling Tour“. Da haben wir an verschiedensten Orten gespielt: am Frankfurter Flughafen, in einem Kinderhospiz, im Supermarkt, in einem McDonald’s (lacht), in einer Friedhofskapelle und sogar in einer Besteckfabrik.

Patrick Depuhl: Ein Konzert im Supermarkt war damals bereits in der Woche zuvor ausverkauft. Die ganzen Gemüseregale mussten rausgeräumt werden und wir haben uns mit der Band vor den Kühlregalen aufgebaut. Eine Frau schrieb uns danach: „Ich fand das toll, ich konnte nur nicht mittanzen, weil ich vor dem Eierregal stand“.

Wie fühlt es sich an, vor Hunderten bis Millionen von Menschen zu stehen und von Ihrem Glauben und Gottes Liebe zu singen?

Judy Bailey: Musik ist meine Gabe, von der ich denke, dass Gott sie mir gegeben hat. Und für mich ist es ein Privileg, mit Leuten dieses Geschenk zu teilen. Es ist schön, vor Menschen zu stehen und Musik zu machen.

Versuchen Sie, Menschen aus aller Welt zu vereinen?

Judy Bailey: Die einfache Antwort wäre: Ja, weil ich glaube, dass es das ist, was Gott will. Ich glaube, Gott möchte, dass wir zusammenkommen und nicht getrennt bleiben oder voneinander weggehen.

Patrick Depuhl: Wir haben in unserem Dorf ein Musikprojekt „Build A Bridge“ (Baue eine Brücke) gemacht, wo wir versucht haben, Menschen zusammenzubringen. Auf der Bühne waren letztendlich 253 Leute: die Jüngste sieben, der Älteste 84 – aus 14 Nationen, aber alle aus dem Ort. Das hat auch etwas im Dorf verändert.

Ein wichtiges Thema in der Öffentlichkeit ist Rassismus. Haben Sie das selbst auch schon erlebt?

Seit über 20 Jahren ein Paar ‒ auch musikalisch: Judy Bailey und Patrick Depuhl sind ein eingespieltes Team. Foto: Julian RettigSeit über 20 Jahren ein Paar ‒ auch musikalisch: Judy Bailey und Patrick Depuhl sind ein eingespieltes Team. Foto: Julian Rettig

Judy Bailey: Ja, ich erfahre Rassismus – wie die meisten Schwarzen. Für mich ist es eindringlicher geworden, seit wir Kinder haben. Ich bin auf Barbados aufgewachsen, wo die meisten Leute schwarz sind. Aber unsere Kinder, die sind auch Deutsche und hier geboren. Und wenn zum Beispiel ein Kind aus der Schule sagt: „Was ist der Unterschied zwischen Sch… und dir?“ und die Kinder sagen: „Es gibt keinen Unterschied, weil ihr beide braun seid“, dann ist das für mich sehr hart. Oder Leute kommen her und fahren den Kindern mit den Händen durch die Haare. Natürlich ist das auch Neugierde. Aber dass die einfach denken, sie könnten sie anfassen ... Da werden Grenzen überschritten. Man wird wegen der Herkunft oder dem Aussehen schlicht anders behandelt als jemand anderes.

Patrick Depuhl: Das haben wir auf unserem letzten Album „Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ nochmal herausgearbeitet. Denn es sind nicht die Situationen, in denen jeder direkt merkt: Das ist Rassismus. Sondern es sind ganz oft Dinge, die man automatisch tut. Da merkt man oft gar nicht, was man eigentlich mit Menschen macht und wie ausgrenzend und verletzend man sich verhält.

Wie hilft Ihnen Ihr Glaube dabei, mit den rassistischen Erfahrungen umzugehen?

Judy Bailey: Mein Glaube hilft mir in meinem Leben. Gottes Liebe für uns und diese Welt ist für mich so klar. Ich glaube an Psalm 139: Gott kennt dich und hat dich wundervoll geformt. Und wenn man wirklich mit diesem Psalm durch das Leben geht, dann ist das eine sehr schöne Basis. Also ja, mein Glaube hilft und ich brauche meine Schwestern und Brüder, auch meine weißen, die sich bei diesen Themen nicht wegducken.

» Mit Gott durchs Leben gehen «

Auch wenn es für sie teilweise unangenehm wird und sie sich unwohl fühlen. Ich glaube, wir müssen da durch und das Schwere gemeinsam ertragen. Und wir müssen die Frage zulassen: Kann es sein, dass auch ich oder wir rassistische Tendenzen haben, auch unbewusst – die aber für andere durchaus befremdend und verletzend sind?

Wie haben Sie die Corona-Zeit als freischaffende Künstlerin erlebt?

Judy Bailey: Letzten Endes vor allem sehr dankbar, weil wir alles in allem gut durchgekommen sind. Zu Beginn des letzten Jahres haben wir angefangen, das Album „Das Leben ist nicht schwarz-weiß“ aufzunehmen. Das war noch vor Corona. Wir waren aber nicht fertig und brauchten Unterstützung. Dann haben wir ein Crowdfunding gemacht und die Leute haben uns unterstützt. Es kamen viele Spenden. Dadurch haben wir es finanziell geschafft, das Album zu veröffentlichen.

Patrick Depuhl: Eine Familie hier im Süden hat uns geschrieben: Schickt uns mal eure Kontonummer, wir wollen euch etwas überweisen. Wir kannten sie kaum. Sie haben uns 500 Euro überwiesen und geschrieben: Wir haben das Geld gerade und ihr könnt es brauchen. Das waren für uns mehr als nur finanzielle Gesten. Solche Menschen haben es uns erlaubt, das Album zu machen und schwere Zeiten durchzustehen, weil sie gesagt haben, das ist nicht umsonst, was ihr macht. Das ist ermutigend, das bewegt uns und das hat uns wirklich durch die Zeit gebracht.

Judy Bailey: Wir sind Gott dankbar und auch allen Leuten, die uns unterstützt haben und denen unsere Kunst etwas wert ist.

◼ Die Musiker sind in der TV-Talkshow „Alpha & Omega“ zu Gast: www.kirchenfernsehen.de