Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Mein Song polarisiert sehr“ - Interview mit Jendrick Sigwart, ESC Teilnehmer

Jendrik Sigwart geht am 22. Mai für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Rotterdam an den Start. Der 26-jährige Hamburger steckt voller Energie und verbreitet mit seiner Ukulele gute Laune. „I don’t feel hate“ heißt sein Song, den er selbst geschrieben hat. In der fröhlich-schrillen Verpackung steckt eine christliche Botschaft, wie er im Interview mit Antje Schmitz erläutert.

Nur echt mit der Ukulele: Jendrik Sigwart hat sein Instrument mit zahllosen Straßsteinchen verziert. Foto: Julian RettigNur echt mit der Ukulele: Jendrik Sigwart hat sein Instrument mit zahllosen Straßsteinchen verziert.
Foto: Julian Rettig

Jendrik, warum sollen die Leute am 22. Mai den Fernseher anmachen?

Jendrik Sigwart: Viele in Deutschland sagen, der Eurovision Song Contest ist kitschig und drüber und dramatisch. Aber das ist doch gerade das Schöne, dass jeder machen kann, was er will, bunt und divers, dass man seine verrückten Seiten ausleben kann. Wer sich den ESC mit diesem Hintergedanken anschaut, kann das Event total genießen.

Worum geht es in deinem Lied „I don’t feel hate“?

Jendrik Sigwart: Die Botschaft lautet, dass man Hass nicht mit Hass beantworten sollte. Sie ist sehr christlich. Ich singe das, weil ich davon überzeugt bin. Wenn jemand dich blöd oder von oben herab behandelt, dann ist der richtige Weg zu sagen: Ich werde dir mit Respekt begegnen und dir respektvoll klar machen, dass es blöd ist, wie du mich behandelst. Das funktioniert meistens. Es gibt zwei Arten von Hass. Wenn jemand sagt, deine Frisur sieht blöd aus, du hast Krautsalat auf dem Kopf, kann ich darüber lachen. Da stehe ich drüber. Wenn es aber Hass ist, der verletzt, sei es Rassismus, Homophobie, Sexismus, religiöser Hass, dann ist es nicht die Lösung zu sagen, ich ignoriere das und lache darüber. Dann muss man handeln und erklären, warum das falsch ist. Ich fühle keinen Hass, ich fühle nur Mitleid. Mein Song polarisiert sehr. Es gibt in jeder Altersgruppe welche, die ihn mögen, und welche, die sagen: Das ist der größte Trash, der größte Müll, den ich je gehört habe.

Wie ist dein Bezug zur evangelischen Welt? Du hast dein Video ja in einer Kirche gedreht.

Jendrik Sigwart: Ja, im Keller der Kirche St. Gabriel in Hamburg-Volksdorf. Ich arbeite ehrenamtlich für die Kirchengemeinde, bin mehrere Jahre als Teamer ins Konfi-Camp gefahren. Ich finde es wichtig, Teenagern diese gesellschaftlichen Wege, die Jesus vermitteln wollte, nahezubringen. Eine Freundin ist sehr aktiv in der Kirchengemeinde, sie hat auch Benefizkonzerte für Flüchtlinge organisiert, bei denen war ich dabei.

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Wird es weitere Lieder mit christlicher Botschaft geben?

Jendrik Sigwart: Bestimmt. Mir ist aber wichtig, dass die Botschaft nicht nur christlich ist. Viele Religionen fordern, anderen Menschen mit Respekt zu begegnen und jemanden so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Das zieht sich durch meine Lieder durch.

 

» Anderen mit Respekt begegnen «

 

Welcher Eurovision Song Contest war denn der erste, an den du dich erinnern kannst?

Jendrik Sigwart: Das weiß ich nicht mehr. Ich kann mich nur an ein Szenario erinnern: Als Kind habe ich mit meiner Familie den ESC geschaut und dann mit meinen Geschwistern zusammen performt und so getan, als würden wir selbst tanzen und singen. Der erste Gewinner, an den ich mich erinnere, ist Alexander Rybak aus Weißrussland, der 2009 mit „Fairytale“ gewann. Ich habe selber Geige gelernt. Es war beeindruckend zu sehen, dass jemand auf der Geige Popmusik spielt und damit gewinnt.

Macht fröhliche Popmusik mit einer Botschaft: Jendrik, hier im Gemeindeblatt- Interview. Foto: Julian RettigMacht fröhliche Popmusik mit einer Botschaft: Jendrik, hier im Gemeindeblatt- Interview. Foto: Julian Rettig

Am 22. Mai stehst du hoffentlich in Rotterdam auf der Bühne. Wie bereitest du dich vor?

Jendrik Sigwart: Einen Monat vor dem ESC habe ich angefangen, täglich zu trainieren, die Form aufzubauen und zu proben. Gerade für einen Song, bei dem man schnell spricht und sich bewegt, braucht man Kondition.

In einigen Videoclips legst du ein hohes Tempo vor. Ist das dein Stil?

Jendrik Sigwart: Ich rede relativ schnell, aber nicht so schnell wie in den Videos. Das liegt daran, dass ich so viele Informationen wie möglich in ein Video packen wollte, und bei TikTok dürfen die ja nur eine Minute lang sein. Dadurch (verdoppelt seine Sprechgeschwindigkeit) musste ich ganz schnell reden. (Wird wieder langsamer) Manchmal sitze ich eine halbe Stunde an einem Satz – ne, eine halbe Stunde ist übertrieben. Manchmal sitze ich länger an einem Satz, bis ich ihn hinbekomme.

Beeinflussen dich die Reaktionen auf deine Videoclips?

Jendrik Sigwart: Ich bekomme hauptsächlich positives Feedback. Ich habe mal einen Tag lang nur Hasskommentare gelesen und die Top 9 zusammengestellt – das ging mir nah. Aber normalerweise kann ich das gut ausblenden.

Du bist ja Musical-Darsteller. Was war dein letzter großer Auftritt vor der Corona-Pandemie?

Jendrik Sigwart: Ich war mit der Zwanziger-Jahre-Revue „Berlin Berlin“ auf Tour durch Deutschland.

Und wie wird es nach dem ESC für dich weitergehen?

Jendrik Sigwart: Jetzt möchte ich erst mal meine Musik pushen, weil ich merke, dass einige Leute sie mögen. Vorher war ich zu schüchtern. Ich möchte aber auch wieder in Musicals auftreten.

Auch im Rundfunkstudio des Evangelischen Medienhauses war der Musiker zu Gast.Foto: Julian RettigAuch im Rundfunkstudio des Evangelischen Medienhauses war der Musiker zu Gast.Foto: Julian Rettig

Welches Ziel hast du beim ESC?

Jendrik Sigwart: Ich will zu 100 Prozent genießen, auf der Bühne zu stehen und die anderen Künstlerinnen und Künstler zu hören. Ich will sie kennenlernen. Darum habe ich ein bisschen Angst, dass wir voneinander abgeschottet werden. Eigentlich ist der Wettbewerb ja geschaffen worden, damit Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenkommen, um Musik zu zelebrieren. Wenn das fehlt, fände ich das sehr schade. □

Noch mehr Jendrik: Der Musiker hat die #BRENZWG besucht. Die Folge läuft ab 16. Mai auf www.kirchenfernsehen.de und www. youtube.com. Auf beiden Internetseiten ist auch die Sendung „Alpha & Omega“ zu sehen, in der sich Heidrun Lieb mit dem 26-jährigen Hamburger unterhält.

Ebenfalls ab 16. Mai ist ein Interview mit ihm auf www.kirchen radio.de zu hören.

Auf www.eurovision.de finden sich Infos zu allen ESC-Teilnehmern.

Das Finale läuft am 22. Mai, 21 Uhr, live in der ARD. Videos von Jendrik gibt es auf Instagram, Facebook, TikTok und Youtube.