Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mensch als Gottes Geschöpf - Impuls zur Predigt

1. Korinther 6,19-20 Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.


Mensch als Gottes Geschöpf

Impuls zum 8. Sonntag nach Trinitatis: 1. Korinther 6,9-20.

Von Beate Ellenberger

Tim schaute sich alles mit großen Augen an. Er war kleiner und viel schüchterner als die anderen. Zurückhaltend blieb er in meiner Nähe. Als seine Religionslehrerin war ich wohl so was wie ein sicherer Hafen für ihn. Aufmerksam verfolgte er, wie wir die Schöpfungsgeschichte nachspielten. Tag für Tag. Die Kinder legten ihre vielen bunten Bilder von Sonne, Mond, Sterne, Vögeln, Fischen, Landtieren und Blumen auf den Boden. Mit Instrumenten verliehen wir der Schöpfung und den Tagen Klänge und Rhythmus. Jeden Tag ließen wir mit Dank für das, was Gott für uns geschaffen hat, enden und mit der Schöpferfreude: „Und Gott sah, dass es gut war.“ Nur für den sechsten Tag hatten wir keine Bilder gemalt, wir hatten ja uns als Menschen. Wir wiederholten die biblischen Worte: „Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe es war sehr gut“. Jedes Kind durfte den Satz für sich wiederholen: „Und siehe, ich bin sehr gut!“ Als er dran war, ging ein Strahlen über Tims Gesicht: „Hi, hi, ich bin sehr gut. Eine Eins!“

Euer Leib ist Gottes Tempel

Ob Tim sich diese Freude über sich selbst tief im Inneren bewahren konnte? Das ist oft gar nicht so einfach. Wer nicht der Norm entspricht, kann mancherlei Beschämung erfahren. Zu dick oder zu dünn und das ist nur der Anfang. Dabei ist der Leib Gottes Tempel, und der ist heilig. Das heißt er gehört Gott. Jeder Körper. Nicht nur ein unbehinderter, heterosexueller oder männlicher Körper. Jede und jeder trägt Gottes Angesicht. Gott schuf (je)den Menschen zum Bilde Gottes. Wer einem anderen Menschen dennoch die Würde als Gottes Geschöpf nimmt, begeht Unrecht. Paulus warnt, dass Ungerechte Gottes Reich nicht erben werden. Das Fehlverhalten ist zu klären, anstatt es unter den Tisch zu kehren. Paulus benennt konkret die Verfehlungen um Sex, Alkohol und Gier, überall da, wo es andere verletzt. „Früher gehörten einige von euch dazu“ – Paulus kennt die Verstrickungen in der Gesellschaft, aus der man kommt. Und er ist doch selbst auch ein Kind seiner Zeit, in der Frauen, Schwule und Prostituierte verachtet wurden.

Seitdem ich mit eigenen Augen in Auschwitz gesehen habe, wohin es führen kann, andere Menschen in ihrem So-Sein abzulehnen, frage ich mich: Wer kann da noch die Worte des Korintherbriefs heranziehen zu menschenverachtendem Verhalten und den Mitchristinnen, den eigenen Mitmenschen ihre Würde und Rechte abzuerkennen?

Die Bibel ist kein Steinbruch, aus dem wir Menschen uns so bedienen wie es in unsere Geschmacksmauern passt oder gar, um mit Brocken daraus auf andere zu werfen. Trotz der Brüche in der Bibel ist sie heilig. Ihre Tiefen sind bleibende Mahnung, nach Gottes Willen und Weg für unser Leben zu suchen.

Euer Leib ist Gottes Tempel. Gottes Geist wohnt in euch. Das ist eine Kraftquelle. Gottes Geist wohnt in den Körpern der Menschen, die Gott angehören. So loben wir Gott mit unserem Körper. Gott hat uns sehr gut geschaffen. Wenn nicht alle dazu gehören dürfen, ist der Leib Christi nicht ganz. Ihr seid Gottes Leib.

„Ich bin sehr gut.“ Tim war sichtlich gewachsen, als er das von sich sagen konnte. Probieren Sie es doch auch mal: „Ich bin sehr gut. – Und du bist auch sehr gut!“ □

Gebet

Du hast alles so wunderbar gemacht, Gott. Vergib, wenn wir das übersehen. Lass uns dich loben mit unserem Leib, Christus. Deine Auferstehung beendet die Macht des Todes. Lass uns mit dir leben in der Kraft des Heiligen Geistes.
Amen.