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Menschenfreund beim Militär

Hersfeld plündern und danach an allen vier Ecken anzünden – so lautete der Befehl von Napoleon an Oberstleutnant Johann Baptist Lingg. Zwar wurden vier Häuser abgebrannt, aber zur Plünderung kam es nicht – dank Lingg und seinen badischen Jägern. Vor 250 Jahren wurde Lingg geboren. 


Johann Baptist Lingg von Linggenfeld ist in Bad Hersfeld ein Denkmal gesetzt worden. (Foto: Kurbetrieb Bad Hersfeld)

In diesen Zeiten, da wir so viel sehen, lesen und „hören von Krieg und Kriegsgeschrei“ (Markus 13,17), da tut es gut, an Johann Peter Hebel und seinen „Kommandant und die badischen Jäger von Hersfeld“ zu denken: „Folgende Begebenheit verdient, dass sie im Andenken bleibe, und wer keine Freude daran hat, den will ich nicht loben.“

Am Heiligabend des Jahres 1806 war die Stadt Hersfeld von einer Kompanie napoleonischer Soldaten eingenommen worden, und über deren Einquartierung kam es zu einem Streit zwischen Besatzung und Bevölkerung. Die bewaffnete sich mit „Äxten, Sensen, Stangen und dergleichen Mordgewehr“, nahm den Eindringlingen die Waffen weg und selbige gefangen. Dabei war ein Soldat ums Leben gekommen und ein Hauptmann verwundet worden. Nun schickte der Franzosenkaiser frische Truppen los und verlangte von der Bürgerschaft Wiedergutmachung. Darunter 5000 Paar Schuhe, 1000 Soldatenmäntel und 5000 Taler Strafkontribution. Doch als das alles abgeliefert war, entschied der korsische Kriegskasper, die Stadt dennoch zu plündern und an allen vier Ecken und Enden anzuzünden. Mit dieser Racheaktion wurde der Oberstleutnant Johann Baptist Lingg beauftragt, der mit seinem „Großherzoglich badischen Jägerbataillon Lingg“ als Dank für die zu Beginn des Jahres erfolgte Schaffung des Großherzogtums Baden an der Seite Napoleons in dessen unselige Kriege ziehen musste.

„Nun, zum Schlimmsten kam es nicht. Auf Fürbitte der französischen Kommandanten in Kassel und Hersfeld wurde die Strafe so gemildert: Es sollten zwar nur vier Häuser verbrannt werden, und dies war glimpflich; aber bei der Plünderung sollte es bleiben, und das war noch hart genug. Die unglücklichen Einwohner waren auch, als sie diesen letzten Bescheid hörten, so erschrocken, so alles Mutes und aller Besinnung beraubt, dass sie der menschenfreundliche Kommandant selber ermahnen musste, statt des vergeblichen Klagens und Bittens die kurze Frist zu benutzen und ihr Bestes noch geschwind auf die Seite zu schaffen. Die fürchterliche Stunde schlug; die Trommel wirbelte ins Klaggeschrei der Unglücklichen. Durch das Getümmel der Flüchtenden und Fliehenden und Verzweifelten eilten die Soldaten auf ihren Sammelplatz. Da trat der brave Kommandant von Hersfeld vor die Reihen seiner badischen Jäger, stellte ihnen zuerst das traurige Schicksal der Einwohner vor die Augen und sagte: ‚Soldaten! Die Erlaubnis zu plündern fängt jetzt an. Wer dazu Lust hat, der trete heraus aus dem Glied!‘ Und wer jetzt ein Glas voll Wein hat neben sich stehen, der trinke es aus zu Ehren der badischen Jäger. Kein Mann trat aus dem Glied. Nicht einer! Der Aufruf wurde wiederholt. Kein Fuss bewegte sich; und wollte der Kommandant geplündert haben, so hätte er müssen selber gehen.“

Solches hat sich tatsächlich zugetragen anno 1807 am 20. Februar zu Hersfeld im Hessischen. Am 18. August fiel die Stadt an das Königreich Westfalen, das der Napoleon seinem jüngsten Bruder Jérôme zur Hochzeit mit der württembergischen Königstochter Katharina geschaffen und geschenkt hat.

Und dieser brave Kommandant Johann Baptist Lingg ist am 24. April 1765 zu Meersburg am Bodensee als Sohn des dortigen Löwenwirts und noch als Untertan des Fürstbischöflichen Hochstifts Konstanz zur Welt gekommen und erst durch die napoleonische Flurbereinigung anno 1803 ein Badener geworden. Und war dann gezwungen, die Feldzüge Napoleons mitzumachen, und als einer der wenigen seiner Landsleute ist er 1813, trotz seiner Verwundung in der Schlacht an der Beresina, lebend wieder von dem verheerenden Russlandfeldzug heimgekehrt. Am 21. Januar 1842 ist er, hoch geehrt und mit dem Adelstitel Lingg von Linggenfeld versehen, in der vormals kurpfälzischen, durch Napoleon badisch gewordenen Stadt Mannheim verstorben. Und wer jetzt eine Rose zur Hand hat, der lege sie dort auf sein Grab.