Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mit Crona an der Seite - Ausbildungsstelle gesucht

Ela hat ein klares Ziel: Sie will Bestatterin werden. Das war nicht immer so, es gab Zeiten, da hat sie sich um ihre Zukunft wenig geschert und ist am Leben verzweifelt. Mittlerweile weiß Ela, was sie braucht, damit es ihr gut geht. Auch wenn nicht alle Pläne aufgehen.

Grab. Tod. Foto: Edart13, pixabayFoto: Edart13, pixabay

„Gäbe es Crona nicht, gäbe es mich wahrscheinlich auch nicht mehr“, sagt Ela nüchtern. Crona ist ein großer schwarzer Hund. Für ihn hat Ela vor ein paar Jahren, als sie noch auf der Straße lebte, Verantwortung übernommen – und damit für sich selbst. „Wenn es mir nicht gut geht, kann ich mich auch nicht um Crona kümmern.“ Das wäre allerdings keine Option.

Tierlieb war Ela schon immer. Einen Hund hatte sie zuhause aber nicht und mit 18 kein Zuhause mehr. „Meine Eltern haben mich rausgeschmissen und sich jahrelang nicht gemeldet, obwohl sie meine Nummer hatten.“ Nach ihrem Realschulabschluss hat Ela eine Lehre als Köchin begonnen, den Zwölf-Stunden-Tagen war sie nicht gewachsen. Als die Eltern sie nicht mehr daheim haben wollten, ist sie auf der Straße gelandet, hat mal hier, mal dort mit Straßenpunks gelebt.

Anfangs hat sie große Freiheit genossen. Aber vieles war hässlich: die Passanten, die sie beim Betteln haben spüren lassen, dass sie nichts wert sei. Die Freunde, die sie ausgenutzt haben, die Drogen, die so zerstörerisch auf Beziehungen gewirkt haben.

Wenn Ela über diese Zeit spricht, bleibt ihre Stimme monoton und ruhig. Manchmal wundert sie sich selbst darüber, wie unbeteiligt sie auf andere wirkt, selbst wenn es in ihr brodelt.

Vor ein paar Jahren kam Crona in Elas Leben und mit ihm der Wunsch, das Leben auf die Reihe zu bekommen. Der Rüde merkt genau, wenn es ihr nicht gut geht.

Die Struktur für den Tag fehlt

Dann kuschelt er sich morgens besonders nah heran. „Einem Tier kann man nichts vorspielen“, sagt die 25-Jährige. Sie hat mehrere Suizidversuche und verschiedene Therapien hinter sich. „Ich habe mich da zwar nicht immer als Person wahrgenommen gefühlt. Aber eins habe ich mitgenommen: Es geht mir besser, wenn mich unabhängig davon mache, was die anderen denken. Sondern mich so akzeptiere, wie ich bin“, sagt sie.

Ela und ihr Hund Crona. Ela weiß jetzt, was sie will. Foto: eva/Martin StollbergNicht nur Crona ist es zu verdanken, dass Ela heute wieder ein festes Dach über dem Kopf hat. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass Sozialarbeiter mir helfen, ohne mich zu bedrängen.“ Sie lebt jetzt in einer Wohngemeinschaft – und wäre am liebsten schon längst Auszubildende. Bestatterin, das ist ihr Berufsziel.

Dass sie als Kind die geliebte Oma nicht aufgebahrt sehen durfte, hat sie lange verfolgt. Ihr Berufswunsch ist mehr als eine fixe Idee: Zehn Monate lang hat Ella ein Praktikum bei einem Bestatter gemacht, hat Särge ausgeschlagen, Räume für die Trauerfeier dekoriert, die toten Körper hergerichtet. Keinen Tag hat sie gefehlt bei dieser „Berufseinstiegsqualifizierung“, bei der sie eine Sozialarbeiterin des Arbeitsvermittlungsprojekts „Yes you can“ in Stuttgart begleitet hat.

Nur eine Lehrstelle ist daraus nicht geworden. Der Bestatter will partout keine Frauen ausbilden. Seitdem schreibt sie Bewerbung um Bewerbung, bislang ohne Erfolg. Es gibt gerade zu viel Leerlauf in Elas Leben. Mehrmals in der Woche geht sie in den Fitnessraum von „Yes you can“, kocht viel, etwa mit selbst gesammeltem Bärlauch. Trotzdem fehlt ihr die Struktur. Sie will arbeiten. „Jahrelang wollte ich nichts für mich tun, als ich auf der Straße gelebt habe. Jetzt darf ich nicht“, so empfindet Ela die Zeit gerade. „Aber es ging mir schon viel schlechter.“

Ela und ihr Hund Crona. Ela weiß jetzt, was sie will. Foto: eva/Martin Stollberg

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