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Mit dem Kaffee fängt es an - Faire Gemeinde

Seit 2015 vergibt „Brot für die Welt“ das Zertfikat „Faire Gemeinde“. Ziel der Initiative ist, dass in den Kirchengemeinden möglichst viele fair gehandelte und regionale Produkte zum Einsatz kommen. Rund 60 Gemeinden haben zwischenzeitlich das Gütesiegel bekommen. Eine von ihnen ist Neuhengstett-Ottenbronn im Dekanat Calw-Nagold. Ein Praxisbericht.

Pfarrer Jörg Schaber (links) und Umweltbeauftragter Manfred Rose aus Neuhengstett-Ottenbronn mit der Auszeichnung „Faire Gemeinde“. Foto: Andreas SteidelPfarrer Jörg Schaber (links) und Umweltbeauftragter Manfred Rose aus Neuhengstett-Ottenbronn mit der Auszeichnung „Faire Gemeinde“. Foto: Andreas Steidel

Manfred Rose hielt mal wieder einen Vortrag. Der Pfarrer hatte ihn in den Konfirmandenunterricht eingeladen. Es ging um Nachhaltigkeit, Umweltschutz und darum, wer an welchen Produkten weltweit wie viel verdient. An einer Jeans machten sie die Lieferketten deutlich.

Manfred Rose ist Sprecher des Umweltteams der KirchengemeindeNeuhengstett-Ottenbronn. 2019 wurden die beiden Orte fusioniert, doch schon seit 2000 arbeitet man im Rahmen einer Gesamtkirchengemeinde eng zusammen.

Ein Projekt war der Grüne Gockel, das Umweltgütezeichen der Landeskirche. Die Kirchenrenovierung in Ottenbronn war der Anlass, seither ist viel passiert. Ein Müllvermeidungskonzept wurde beschlossen, die Heizungsanlage erneuert, die Energieversorgung auf Ökostrom umgestellt. Viel Arbeit, „aber es lohnt sich“, sagt Manfred Rose.

Der Wirtschaftsingenieur kam aus beruflichen Gründen ins Gäu, seit rund 20 Jahren treibt er die Umweltarbeit in der Gemeinde voran. Mit Genugtuung hat Rose festgestellt, dass sich dadurch auch neue Leute kirchlich zu engagieren beginnen. Umweltbewusste und Veganer, es hat sich viel getan.

Auch Pfarrer Jörg Schaber ist mit Eifer bei der Sache und gehört ebenfalls dem Umweltteam an. Irgendwann, im Gespräch mit den Kollegen aus der Nachbargemeinde Ostelsheim, fiel auch das Stichwort „Faire Gemeinde.“

Für die, die den Gockel haben, meinten die Ostelsheimer, ist es zur Fairen Gemeinde nur noch ein kleiner Schritt. Sie selbst hatten ihn schon gemacht und die Neuhengstett-Ottenbronner zögerten auch nicht lange: Vier der neun Kriterien hatten sie bereits erfüllt, und fairen Kaffee gab es bei Gemeindeveranstaltungen schon seit geraumer Zeit.

Der Gockel ist die halbe Miete

Fair gehandelter Kaffee ist eine der Grundvoraussetzungen für die, die das Zertifikat „Faire Gemeinde“ anstreben. Kaffee ist ein Allerweltsprodukt und etwas, das bei Gemeindeveranstaltungen andauernd zum Einsatz kommt. Wer da nur Billigware aus dem Dicounter einkauft, braucht sich nicht zu bewerben.

Seit 2015 wird das Gütezeichen „Faire Gemeinde“ vergeben. Der Grüne Gockel beziehungsweise das Umweltbüro der Landeskirche ist einer seiner Träger. Außerdem stehen der Dienst für Mission und Ökumene, der Dachverband Entwicklunspolitik, die Diözese Rottenburg-Stuttgart und die Landesstelle Brot für die Welt im Diakonischen Werk Württemberg dahinter.

Bei Brot für die Welt in Stuttgart ist auch die Geschäftsstelle angesiedelt. Mit Mareike Erhardt gibt es dort auch eine feste Ansprechpartnerin. An sie wandten sich Manfred Rose und Jörg Schaber, als sie sich für eine Teilnahmne entschieden.

Danach ging eigentlich alles recht schnell. Der Beschluss des Kirchengemeinderats, der Nachweis der einzelnen Maßnahmen, die Prüfung durch die Fachstelle. 2019 kam Mareike Erhardt in den Gemeindegottesdienst und überreichte im Ottenbronner Kirchgarten feierlich die Plakette. Natürlich wurde dort auch fairer Kaffee ausgeschenkt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Fotos: Andreas Steidel, pixabay

Die Urkunde hängt in Neuhengstett bezeichnenderweise neben der Kaffeeküche. Derweil ist man dort längst mit der Umsetzung anderer Maßnahmen beschäftigt. Denn mit jeder Erneuerung des Gütesiegels muss alle zwei Jahre ein weiteres Kriterium der „Fairen Gemeinde“ erfüllt werden.

In Neuhengstett-Ottenbronn hat man sich vor allem die Geschenke und den Blumenschmuck vorgenommen. Weinpräsente kommen seither vom Bio-Winzer, der Honig stammt von einem lokalen Imker.

Der Blumenschmuck im Sommer war noch nie ein Problem. Die Bauerngärten auf dem Land sind ein wahrer Segen. Nur im Winter wurde es knapp: „Da mussten wir erst mal ein Bewusstein schaffen“, sagt Rose, „dass auch da keine Billigware gekauft wird.“

Dabei geht es nicht nur um faire Handelsketten weltweit, sondern auch um die Unterstützung regionaler Anbieter: Das Buch, das verschenkt wird, kommt am besten aus dem lokalen Buchladen, so es denn noch einen gibt.

Rund 120 Gemeinden haben sich zwischenzeitlich um das Zertifikat „Faire Gemeinde“ bemüht, 60 von ihnen die Auszeichnung auch tatsächlich bekommen. „Eine ermutigende Zahl“, sagt Mareike Erhardt.

Pfarrer Jörg Schaber ist davon überzeugt, dass das Engagement der Gemeinde auch die Glaubwürdigkeit der Kirche erhöht: „Wenn man von der Schöpfung und weltweiter Gerechtigkeit predigt, ist es gut, man tut auch selbst etwas dafür.“ 

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Wer sich um die Auszeichung „Faire Gemeinde“ bemüht, muss drei der neun Kriterien erfüllen: faire Geschenke, faire Bewirtung, Verkauf fairer Produkte, fair gehandelte Blumen, faires Spielzeug, Müllvermeidung, Recyclingpapier, Ökostrom und fairer Umgang mit Ressourcen.

Alle zwei Jahre erfolgt eine Rezertifizierung, dann muss ein weiteres Kriterium erfüllt werden. Wer bereits den Grünen Gockel hat, tut sich leicht mit der Bewerbung. Zwischenzeitlich gibt es auch die Kategorie „Faire Einrichtung“, bei der diakonische Einrichtungen ausgezeichnet werden.

Pressebild: Mareike Erhardt, Brot für die WeltAnsprechpartnerin für beides ist Mareike Erhardt, Landesstelle Brot für die Welt im Diakonischen Werk, Telefon 0711-1656-108, www.gemeinden-handeln-fair.de
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